Israel verstÀrkt Angriffe: «Stehen vor Toren von Gaza-Stadt»
01.11.2023 - 17:58:14Die israelische Armee kommt nach Angaben eines ranghohen Kommandeurs bei ihren Bodenangriffen im Gazastreifen voran. «Wir stehen vor den Toren von Gaza-Stadt», sagte der Befehlshaber der 162. Division, Itzik Cohen, in einem Pressestatement.
Die Soldaten seiner Einheit befÀnden sich mitten im Einsatz und seien tief in den Gazastreifen vorgedrungen.
Israelische Luftangriffe im FlĂŒchtlingslager Dschabalia mit zahlreichen Toten haben in der arabischen Welt scharfe Kritik ausgelöst. Jordanien beschloss, seinen Botschafter in Israel zurĂŒck zu berufen. Irans AuĂenminister Hussein Amirabdollahian drohte Israel und den USA: «Wenn der Krieg weitergeht, wird die Situation nicht so bleiben.»
Nach Angaben des israelischen MilitÀrs wurde bei dem Luftangriff auf ein mehrstöckiges Haus auch ein Hamas-Kommandeur, der an den Massakern im israelischen Grenzgebiet am 7. Oktober beteiligt gewesen sei, getötet. Insgesamt seien rund 50 Terroristen getötet worden.
AuĂerdem sei der Chef der Panzerabwehrraketen-Einheit der Hamas im Gazastreifen getötet worden. Der hochrangige Kommandeur der in dem abgeriegelten KĂŒstenstreifen herrschenden islamistischen Hamas sei bei einem Angriff eines Kampfflugzeuges getötet worden, teilte Israels MilitĂ€r mit. Die israelische Armee veröffentlichte dazu ein Video, das die Explosion eines GebĂ€udes aus der Luft zeigte.
Mohammed Asar sei fĂŒr alle Panzerabwehrraketen-Einheiten der Hamas im gesamten Gazastreifen zustĂ€ndig gewesen. Die durch ihn in Auftrag gegebenen EinsĂ€tze zielten auf israelische Zivilisten sowie Soldaten.
Die Bundesregierung betonte das Selbstverteidigungsrecht Israels nach dem Massaker am 7. Oktober und unterstrich zugleich die Bedeutung der VerhĂ€ltnismĂ€Ăigkeit der MaĂnahmen. «Bei der legitimen Verteidigung Israels gegen die Terrororganisation Hamas und gegen deren fortgesetzte Angriffe, zu denen Israel im Rahmen des Völkerrechts berechtigt ist, muss auch der Schutz der Zivilbevölkerung im Vordergrund stehen», so ein Sprecher des AuswĂ€rtigen Amts in Berlin.
Hamas-Behörde: Mehr als 8700 Tote im Gazastreifen
Die Zahl der getöteten PalĂ€stinenser im Gazastreifen ist laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde auf 8796 gestiegen. Unter den Toten seien 3648 Kinder und Jugendliche im Alter unter 18 Jahren, berichtete die Behörde. Insgesamt seien seit Kriegsbeginn 22.219 Menschen verletzt worden. Die Zahlen lassen sich gegenwĂ€rtig nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.
Iran bekrÀftigt Drohungen gegen Israel und die USA
Irans AuĂenminister richtete bei einem Besuch in der TĂŒrkei erneut drohende Worte an die Erzfeinde USA und Israel. Hussein Amirabdollahian sagte nach einem Treffen mit seinem Kollegen Hakan Fidan vor Journalisten in Ankara: «Der Widerstand wird eine weitere Ăberraschungsaktion beschlieĂen und die Situation wird anders sein», warnte Amirabdollahian.
Vor seinem Besuch in der TĂŒrkei hatte sich Amirabdollahian in der katarischen Hauptstadt Doha mit Hamas-Chef Ismail Hanija getroffen. Das Golfemirat Katar gehört seit etwa 15 Jahren zu den wichtigsten UnterstĂŒtzern der Hamas. Katar vermittelt derzeit unter anderem bei einer möglichen Freilassung von Geiseln, die von Terroristen aus Israel in den Gazastreifen verschleppt worden sind.
Blinken reist am Freitag erneut nach Israel
US-AuĂenminister Antony Blinken will noch in dieser Woche erneut Israel besuchen. Der Sprecher des US-AuĂenministeriums, Matthew Miller, kĂŒndigte in Washington an, Blinken werde am Freitag nach Israel und Jordanien reisen. Er werde unter anderem mit Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu und anderen Vertretern der israelischen Regierung zusammenkommen, um sich ĂŒber deren militĂ€rische PlĂ€ne und Ziele zu informieren.
Wieder Blackout im Gazastreifen - auch Hilfsorganisation betroffen
Im Gazastreifen fielen erneut alle Kommunikations- und Internetdienste aus, wie das im Westjordanland ansĂ€ssige palĂ€stinensische Unternehmen Paltel mitteilte. Auch die Organisation Netblocks, die fĂŒr die Beobachtung von Internetsperren bekannt ist, bestĂ€tigte auf der Plattform X, frĂŒher Twitter, einen Zusammenbruch der Verbindungen. Paltel sei der letzte groĂe Betreiber, der in dem KĂŒstengebiet noch Dienste anbiete. Der PalĂ€stinensische Rote Halbmond war nach eigenen Angaben auch vom Blackout betroffen.
MilitÀrische Spannung an der Grenze zum Libanon hÀlt an
Im Grenzgebiet nördlich von Israel war die Lage weiter angespannt. Die israelische Armee meldete erneut einen Angriff auf eine «Terrorzelle» im SĂŒden des Libanons. Diese habe versucht, mehrere Panzerabwehrraketen auf den Norden Israels abzufeuern.
Immer wieder kommt es seit Beginn des Gaza-Kriegs an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon zu Konfrontationen zwischen der israelischen Armee und der Schiitenmiliz Hisbollah. Auf beiden Seiten gab es bereits Tote. Die Hisbollah hat Verbindungen zur im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas.
Diplomatischer Protest gegen Israel in SĂŒdamerika
Angesichts der israelischen Angriffe auf den Gazastreifen hat Bolivien die diplomatischen Beziehungen zum jĂŒdischen Staat abgebrochen. Das sĂŒdamerikanische Land habe die Entscheidung «in Ablehnung und Verurteilung der aggressiven und unverhĂ€ltnismĂ€Ăigen israelischen MilitĂ€roffensive im Gazastreifen und der Bedrohung des internationalen Friedens und der Sicherheit» getroffen, erklĂ€rte das bolivianische AuĂenministerium.
Gleichzeitig beorderten Chile und Kolumbien ihre Botschafter fĂŒr Konsultationen zurĂŒck. Die linken Regierungen in Lateinamerika stehen der israelischen Politik gegenĂŒber den PalĂ€stinensern traditionell kritisch gegenĂŒber.















