Hoffnung auf Waffenruhe im Libanon
31.10.2024 - 04:53:47Kurz vor der US-PrĂ€sidentenwahl deutet sich die Möglichkeit einer Waffenruhe zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz an. Er hoffe, dass es dazu «innerhalb von Tagen» kommt, sagte der geschĂ€ftsfĂŒhrende MinisterprĂ€sident im Libanon, Nadschib Mikati, dem örtlichen Fernsehsender Al-Jadeed. Eine BestĂ€tigung der libanesischen Hisbollah-Miliz, Israels oder der USA gab es zunĂ€chst nicht. Der US-Gesandte fĂŒr den Nahen Osten, Amos Hochststein, wird jedoch heute zu GesprĂ€chen in Israel erwartet. Er habe ihn informiert, dass es dabei um eine mögliche Waffenruhe gehen werde, sagte Mikati. Auch der Nahost-Koordinator des WeiĂen Hauses, Brett McGurk, wird israelischen Medien zufolge dabei sein.Â
Krieg geht vorerst weiter
Derweil fĂŒhrt Israel weiter Krieg gegen die Hisbollah und die mit ihr verbĂŒndete islamistische Hamas im Gazastreifen. In der Nacht warnten im Norden Israels wieder Sirenen vor Angriffen aus der Luft, wie die israelische Armee mitteilte. Eine aus dem Libanon angeflogene Drohne sei erfolgreich abgefangen worden, eine Reihe anderer Geschosse in offenem GelĂ€nde eingeschlagen. Im Verlaufe des Mittwochs habe die Hisbollah etwa 60 Geschosse abgefeuert. Israels Armee wiederum griff Ziele im Osten des Libanons an, darunter auch in der antiken Stadt Baalbek.
Dort seien mindestens 19 Menschen getötet worden, teilte das libanesische Gesundheitsministerium spĂ€ter mit. Augenzeugen hatten berichtet, Israels Luftwaffe habe die Stadt und Dörfer in der Umgebung bombardiert. Die israelische Armee teilte mit, sie könne Angriffe auf Baalbek nicht bestĂ€tigen. Die Luftwaffe habe in der Gegend der Stadt aber unter anderem Kommandozentralen der Hisbollah bombardiert. Die Angaben lieĂen sich allesamt zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen. Die rund 80.000 Bewohner Baalbeks waren am Mittwoch zur Evakuierung aufgefordert worden. Viele von ihnen seien daraufhin geflohen, berichteten Augenzeugen.Â
US-Regierung bemĂŒht sich um WaffenruheÂ
Die Kriegslage in Nahost ist ein wichtiges Thema im US-Wahlkampf. Insbesondere am militĂ€rischen Vorgehen Israels im Gazastreifen mit verheerenden Folgen fĂŒr die Zivilbevölkerung gibt es harsche Kritik - und damit verbunden an der UnterstĂŒtzung Washingtons fĂŒr die Regierung von Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu.
Dem scheidenden US-PrĂ€sidenten Joe Biden ist daran gelegen, vor dem Wahltag am 5. November einen Erfolg im Ringen um Vereinbarungen ĂŒber eine Waffenruhe im Nahen Osten vermelden zu können. Seiner Parteikollegin und VizeprĂ€sidentin Kamala Harris könnte dies wertvolle Stimmen einbringen und womöglich gar zum Sieg verhelfen. Israels Feinde wiederum mĂŒssen befĂŒrchten, dass mit Donald Trump ein PrĂ€sident ins WeiĂe Haus einzieht, der der Regierung Netanjahu in der Vergangenheit sehr wohlgesonnen war.
Befragt nach der Möglichkeit einer Waffenruhe im Libanon in den nĂ€chsten ein bis zwei Wochen sagte eine Sprecherin des WeiĂen Hauses, man werde sich weiterhin fĂŒr eine diplomatische Lösung einsetzen, damit die Zivilbevölkerung auf beiden Seiten der Landesgrenze in ihre HĂ€user zurĂŒckkehren könne. Es werde aber niemand Verhandlungen in der Ăffentlichkeit fĂŒhren oder darĂŒber informieren, wo man sich gerade in den GesprĂ€chen befinde.
Libanons Regierung: Wir sind bereitÂ
Bedingungen fĂŒr eine Waffenruhe seien die Umsetzung der UN-Resolution 1701, die Stationierung der libanesischen Armee im SĂŒden des Libanons und die Konsolidierung ihrer PrĂ€senz in dem Grenzgebiet, sagte Libanons geschĂ€ftsfĂŒhrender MinisterprĂ€sident Mikati dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira zufolge. Details aus einem angeblichen US-Vorschlag fĂŒr eine Vereinbarung ĂŒber eine Waffenruhe, ĂŒber den mehrere israelische Medien am Abend ĂŒbereinstimmend berichteten, lasen sich Ă€hnlich. Die UN-Resolution 1701 sieht vor, dass sich die Hisbollah hinter den Litani-Fluss zurĂŒckzieht - etwa 30 Kilometer von der Grenze zu Israel entfernt.Â
Der kolportierte US-Vorschlag soll vorsehen, dass Israels Soldaten den Libanon nach Ende der Feindseligkeiten innerhalb von sieben Tagen verlassen, wie etwa der Fernsehsender Kan 11 berichtete. Stattdessen sollen insgesamt 10.000 Soldaten der regulĂ€ren libanesischen Armee innerhalb der ersten 60 Tage nach Unterzeichnung des Abkommens an der Grenze zu Israel stationiert werden. Der Entwurf sehe auĂerdem vor, dass Libanons Regierung sĂ€mtliche WaffenverkĂ€ufe an das Land sowie die Waffenproduktion ĂŒberwacht. Israel und der Libanon sollen nach 60 Tagen zudem Verhandlungen ĂŒber die vollstĂ€ndige Umsetzung der UN-Resolution 1701 fĂŒhren.
Die USA und weitere LĂ€nder wie etwa Deutschland sollen die Umsetzung des Abkommens ĂŒberwachen. Berichten zufolge wurde der Entwurf, der vom US-Gesandten Amos Hochstein stammen soll, der FĂŒhrung in Israel vorgelegt. Hochstein bemĂŒht sich schon seit Monaten um eine Waffenruhe.
Hisbollah-GeneralsekretÀr: Konflikte hÀngen zusammen
Der neue Hisbollah-GeneralsekretĂ€r Naim Kassim sprach in einer Rede erneut davon, dass die Konflikte der Hamas und Hisbollah mit Israel zusammenhingen. Zuvor hatte die Hisbollah auch erklĂ€rt, einer Waffenruhe erst bei einer entsprechenden Einigung in Gaza zuzustimmen. Die Schiiten-Miliz agierte im Libanon seit Jahrzehnten wie ein Staat im Staate und wird wie die Hamas vom Iran unterstĂŒtzt.
Hochstein hatte bei seinem Besuch im Libanon vergangene Woche gesagt, er wolle den Krieg zwischen Israel und der Hisbollah von anderen Konflikten entkoppeln. «Es lag und liegt nicht im Interesse der Libanesen, die Zukunft des Libanon mit anderen Konflikten in der Region zu verknĂŒpfen», sagte er nach einem Treffen mit dem Parlamentsvorsitzenden Nabih Berri, der als VerbĂŒndeter der Hisbollah gilt. Berri sagte, Hochsteins Besuch sei vor der US-PrĂ€sidentenwahl kommende Woche «die letzte Chance (...), zu einer Lösung zu kommen».
Saudi-Arabien hat unterdessen Vertreter von mehr als 50 arabischen und weiteren islamischen Staaten zu einem weiteren Gipfel zum Krieg im Nahen Osten eingeladen. Bei dem Spitzentreffen am 11. November in Riad solle es um die «sĂŒndhafte israelische Aggression gegen die besetzten PalĂ€stinensergebiete und deren Erweiterung auf den Libanon» gehen, berichtete die Staatsagentur SPA. Der Gipfel schlieĂt an ein Ă€hnliches Treffen ein Jahr zuvor in Riad an. Dabei wurde ein mit verschiedenen Ministern besetztes Komitee ins Leben gerufen, um auf ein Ende des Gazakriegs hinzuwirken - viel wurde aus dieser Initiative bisher allerdings nicht.







