Trump: «Der Iran will verhandeln»
12.01.2026 - 05:33:46Die Massenproteste im Iran setzen die FĂŒhrung zwei Wochen nach Beginn der landesweiten Demonstrationen weiter unter Druck. Die autoritĂ€re Staatsmacht ihrerseits reagiert mit aller HĂ€rte. Zugleich mehren sich Hinweise auf diplomatische Initiativen. «Der Iran will verhandeln», sagte US-PrĂ€sident Donald Trump, der Teheran zuvor mit Einmischung gedroht und den Demonstrierenden seine UnterstĂŒtzung zugesagt hatte.Â
Nachdem die Unruhen in den vergangenen NĂ€chten eskaliert waren, mobilisierte die Regierung am Montag ihre AnhĂ€nger zu Kundgebungen in mehreren StĂ€dten. Seit Donnerstagabend ist der Zugang zum Internet gekappt. US-PrĂ€sident Trump erwĂ€gt nach eigenen Angaben, die Demonstranten mit Satelliteninternet zu unterstĂŒtzen. Dazu kĂŒndigte er ein GesprĂ€ch mit Tech-MilliardĂ€r Elon Musk an, dessen Firma SpaceX den Dienst Starlink betreibt.
Die Regierung in Teheran Ă€uĂerte sich nun erstmals zu einer möglichen Aufhebung der Internetblockade. «Wir hoffen, dass sich dieses Problem mit Blick auf den Prozess, der â so Gott will â derzeit im Gange ist, und angesichts der sich verbessernden Lage ebenfalls lösen wird», sagte AuĂenamtssprecher Ismail Baghai mit Blick auf eine Wiederherstellung der Verbindungen.
Millionen Iranerinnen und Iraner auch im Ausland in Sorge
Millionen Iranerinnen und Iraner auch im Ausland sind angesichts des gewaltsamen Vorgehens der SicherheitskrĂ€fte gegen die Proteste in groĂer Sorge um Familie und Freunde. Durch die Internetsperren und Telefonblockade will die iranische FĂŒhrung in der Regel die Kommunikation zwischen den Demonstranten erschweren. AuĂerdem soll die Veröffentlichung von Berichten, Fotos und Videos ĂŒber die Massenproteste unterdrĂŒckt werden.
Die Internetsperre dĂŒrfte auch die ohnehin desolate Wirtschaftslage weiter verschĂ€rfen. Irans Gesellschaft ist stark digitalisiert, viele Webshops vermarkten ihre Angebote ĂŒber soziale Medien â die in normalen Zeiten trotz Sperren mithilfe von VPN-Diensten erreichbar sind. Iranische Apps und Dienste im Inland sollen weiterhin funktionieren. So konnten Bewohner der Metropolen noch vor wenigen Tagen ĂŒber das nationale Intranet Taxis rufen oder Essen bestellen.
Hinweise auf neue Verhandlungen zwischen USA und Iran
Nachdem Trump der FĂŒhrung in Teheran zuletzt gedroht hatte, gibt es nun Hinweise auf neue Kontakte. Man werde sich möglicherweise mit Vertretern Teherans treffen, ein entsprechendes GesprĂ€ch werde vorbereitet, sagte der US-PrĂ€sident an Bord der Air Force One vor Journalisten. Angesichts dessen, was im Iran passiere, mĂŒssten die USA allerdings vielleicht auch vorher handeln. WorĂŒber der Iran mit den USA GesprĂ€che fĂŒhren möchte, fĂŒhrte Trump nicht aus.Â
Auch das gut informierte Online-Portal «Amwaj» berichtete von einer neuen diplomatischen Initiative. Insider spekulieren demnach, dass der omanische AuĂenminister bei seinem Besuch am Samstag in Teheran eine Botschaft der USA ĂŒberbracht habe. Minister Badr al-Bussaidi hatte bereits im vergangenen Jahr im Atomstreit zwischen beiden LĂ€ndern vermittelt â bevor Israel und die USA militĂ€risch gegen den Iran vorgingen.
Irans Justizchef fordert Vergeltung
Irans Justizchef forderte Vergeltung fĂŒr bei den Protesten getötete SicherheitskrĂ€fte und Polizisten. «Es sollen entschlossene und wirksame MaĂnahmen zur Vergeltung fĂŒr die getöteten MĂ€rtyrer und Opfer der jĂŒngsten Unruhen ergriffen werden», sagte Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi dem staatlichen Rundfunk zufolge. Wer PolizeikrĂ€fte angegriffen oder Einrichtungen der SicherheitskrĂ€fte und stĂ€dtische Infrastruktur attackiert habe, mĂŒsse vorrangig vor Gericht gestellt werden, sagte er.
Bereits in der vergangenen Woche hatte die Justiz «maximale HĂ€rte» im Umgang mit Demonstranten angekĂŒndigt. Bei frĂŒheren Protestwellen verhĂ€ngte sie auch Todesurteile. Im Herbst 2022 gingen unter dem Motto «Frau, Leben, Freiheit» landesweit Menschen auf die StraĂe. Im Zusammenhang mit den Unruhen lieĂ der Staat anschlieĂend mindestens zwölf Personen hinrichten.
Seit mehr als zwei Wochen demonstrieren Iranerinnen und Iraner gegen das autoritĂ€re Herrschaftssystem der Islamischen Republik. Die ursprĂŒnglich durch eine Wirtschaftskrise ausgelösten Proteste haben sich inzwischen zu einem landesweiten Aufstand entwickelt. In den StĂ€dten kam es zu heftigen Ausschreitungen und schweren Unruhen. Der Sicherheitsapparat reagiert mit brutaler HĂ€rte. Hunderte Demonstranten sind nach Angaben von Aktivisten bereits getötet worden. Es sind die schwersten Proteste im Iran seit Jahren.
Merz verurteilt «brutale» Gewalt gegen Demonstranten im Iran
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verurteilte die Gewalt iranischer SicherheitskrĂ€fte gegen friedliche Demonstranten als «unverhĂ€ltnismĂ€Ăig» und «brutal». «Ich rufe die iranische FĂŒhrung auf, ihre Bevölkerung zu schĂŒtzen, statt sie zu bedrohen», sagte Merz bei seinem Besuch in Indien. «Die Gewalt, die die FĂŒhrung in Teheran gegen das eigene Volk richtet, verurteilen wir auf das SchĂ€rfste.» Sie sei ein Zeichen der SchwĂ€che und kein Zeichen der StĂ€rke. «Und diese Gewalt muss enden.»Â
Merz wĂŒrdigte ausdrĂŒcklich den Mut der Demonstranten. Sie wĂŒrden sich friedlich fĂŒr Freiheit in ihrem Land demonstrieren und das sei ihr gutes Recht.











