Wie lange hÀlt die Gipfelharmonie mit Trump?
17.06.2026 - 15:29:04 | dpa.de«Love Is a Long Road.» Mit diesem Song von Tom Petty ĂŒber eine schwierige Liebesbeziehung hat der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron auf Instagram die Ankunft von US-PrĂ€sident Donald Trump beim G7-Gipfel im französischen Ăvian unterlegt. Das konnte kaum anders gedeutet werden, als als eine Anspielung auf das kriselnde VerhĂ€ltnis zwischen Trump und seinen europĂ€ischen VerbĂŒndeten.Â
Nach drei gemeinsamen Tagen der Staats- und Regierungschefs fĂŒhrender westlicher WirtschaftsmĂ€chte am Genfersee haben sich beide Seiten unter dem Eindruck des nahenden Endes des Iran-Kriegs aber wieder deutlich angenĂ€hert. Ob die Gipfelharmonie wirklich haltbar ist, wird sich aber erst noch zeigen.Â
Das sind die wichtigsten Lehren aus dem Spitzentreffen:
Die G7 lebt
Der Sinn der Gipfel fĂŒhrender westlicher Industrienationen ist in den 51 Jahren seit GrĂŒndung der G7 (damals noch als G6) immer wieder infrage gestellt worden. Das gilt vor allem fĂŒr Trumps Regierungsjahre. Der hat als erster eine GipfelerklĂ€rung aus VerĂ€rgerung nachtrĂ€glich platzen lassen und im vergangenen Jahr reiste er einfach einen Tag frĂŒher ab.Â
Diesmal bleibt er bis zum Schluss. Vielleicht, weil er unbedingt am Abend noch mit Macron im Schloss Versailles speisen will. Aber es dĂŒrfte auch am Verlauf des Gipfels gelegen haben. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schwĂ€rmte von «einer wirklich groĂen transatlantischen und europĂ€ischen Einigkeit». Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron, der Gastgeber, bezeichnete den Gipfel als «Moment des strategischen Erwachens».Â
Die Hoffnung auf Frieden im Iran schweiĂt zusammenÂ
Grund fĂŒr die neue Harmonie ist die Rahmenvereinbarung ĂŒber eine Beendigung des Iran-Kriegs, mit der Trump an den Genfersee gereist war. Das noch gar nicht in GĂ€nze öffentlich bekannte Papier wird zwar schon von vielen fĂŒr zu groĂe ZugestĂ€ndnisse an den Iran kritisiert. Aber trotzdem ist die Erleichterung ĂŒber ein Ende der KĂ€mpfe und die bevorstehende Ăffnung der StraĂe von Hormus, der weltweit wichtigsten Handelsroute fĂŒr Ăl, groĂ. Davon erwartet man sich vor allem ein Ende der Energiepreiskrise.Â
Es gibt aber noch einiges zu tun. Dazu gehört die Aushandlung eines neuen Atomabkommens ebenso wie die MinenrĂ€umung und die Sicherung der Handelsschifffahrt in der StraĂe von Hormus. Bei letzterem Punkt kommen die EuropĂ€er ins Spiel. Sie wollen in den nĂ€chsten Tagen und Wochen eine MilitĂ€rmission auf die Beine stellen.
Die EuropÀer sehen eine Chance auf Frieden in der Ukraine
Die EuropĂ€er sehen nun eine Chance, dass es auch bei den BemĂŒhungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs zu einem Durchbruch kommen kann. Erstmals seit langem sehen sie sich dabei wieder auf einer Linie mit Trump, der wĂ€hrend des Iran-Kriegs das Interesse an dem Konflikt verloren zu haben schien. Nun einigten sich die Staats- und Regierungschefs - inklusive Trump - beim G7-Gipfel sogar auf eine gemeinsame ErklĂ€rung. Darin heiĂt es, man werde die Sanktionen verschĂ€rfen, auch im Ăl- und Gassektor. Zudem habe man vereinbart, die Lieferung von weitreichenden Waffen und LuftverteidigungskapazitĂ€ten auszuweiten.Â
Der US-PrĂ€sident selbst forderte Russland auf, an den Verhandlungstisch zurĂŒckzukehren: «Russland sollte sich auf einen Deal einlassen», sagte er. Eine konkrete Zusage, dass die EuropĂ€er bei einer neuen Verhandlungsrunde mit am Tisch sitzen, gab es aber nicht.
Die Voraussetzungen fĂŒr den Nato-Gipfel verbessern sich
Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel. Der Verlauf des G7-Treffens könnte einen positiven Effekt auf den Nato-Gipfel am 7. bis 8. Juli in Ankara haben. Trump hatte in den vergangenen Monaten mehrfach seine EnttĂ€uschung ĂŒber die Reaktion von europĂ€ischen VerbĂŒndeten auf die Operationen im Iran geĂ€uĂert und mit Konsequenzen gedroht. US-AuĂenminister Marco Rubio machte am Rande eines Vorbereitungstreffens in Schweden deutlich, dass Trump davon ĂŒberzeugt werden muss, dass die Verteidigungsallianz noch einen Mehrwert fĂŒr die Vereinigten Staaten hat.
Mit einer von den EuropĂ€ern gefĂŒhrten MilitĂ€rmission in der StraĂe von Hormus könnte das gelingen. In der Nato gibt es die Hoffnung, dass dies das Konfliktpotenzial beim Gipfel deutlich senken könnte. Das hofft auch der Kanzler. «Insofern, glaube ich, haben wir jetzt auch viele Voraussetzungen geschaffen, um den Nato-Gipfel zu einem Erfolg zu machen», sagte er zum Abschluss des G7-Gipfels.
Merz' Trikot-Offensive zĂŒndet nichtÂ
Merz und Trump hatten sich zu Beginn der Amtszeit des Kanzlers ziemlich gut verstanden. Dann verĂ€rgerte der CDU-Chef den US-PrĂ€sidenten mit seiner Kritik am Iran-Krieg. Trump kĂŒndigte im Gegenzug den Abzug von 5.000 Soldaten aus Deutschland an. Das VerhĂ€ltnis der beiden gilt seither als beschĂ€digt.Â
Merz versuchte in Ăvian, die Stimmung mit einem Geschenk zum 80. Geburtstag wieder aufzuhellen: einem Deutschlandtrikot mit der Nummer 47 fĂŒr den 47. US-PrĂ€sidenten. Die Geste zĂŒndete nicht so richtig. Trump zeigte sich nicht so richtig begeistert, lĂ€chelte nur höflich und legte das PrĂ€sent dann schnell zur Seite.Â
Ein bilaterales GesprĂ€ch der beiden zur Aussprache gab es auch nicht. Merz nahm es gelassen. Es gebe «da ĂŒberhaupt keine EinschrĂ€nkungen auch des persönlichen Miteinanders», sagte er. Nach inniger Freundschaft hört sich das aber nicht an.
Morgen kann schon wieder alles anders sein
«SchlieĂlich spielen wir im selben Team.» Mit diesen Worten begrĂŒndete Merz sein Geschenk an Trump auf X. Ob Trump das auch so sieht, ist fraglich. Er begrĂŒĂte die anderen Staats- und Regierungschefs zu Beginn einer Arbeitssitzung mit den Worten. «Ich bin der Boss.»Â
Wie auch immer der US-PrĂ€sident solche SprĂŒche meint. Am Ende bleibt trotz aller Entspannung in den transatlantischen Beziehungen nach dem Gipfel in Ăvian die Gewissheit, dass morgen wieder alles anders sein kann mit Trump. Das haben die europĂ€ischen VerbĂŒndeten schon zu oft erlebt - auch Merz.
