Niger: Ultimatum lÀuft aus - keine Lösung in Sicht
05.08.2023 - 16:43:56Trotz eines am Wochenende auslaufenden Ultimatums der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas scheint sich die Junta im Niger nicht den Forderungen beugen zu wollen. Nachdem die MilitĂ€rchefs der Ecowas-LĂ€nder am Freitag Berichten zufolge einen möglichen Plan fĂŒr eine Intervention im Niger ausgearbeitet hatten, teilte Nigers Junta in der Nacht zum Samstag ihrerseits mit, wichtige Positionen bei den StreitkrĂ€ften mit den eigenen Gefolgsleuten neu besetzt zu haben.
Wie der Sprecher der MilitĂ€rmachthaber am Freitagabend im nationalen Fernsehen mitteilte, ist nun Putschgeneral Moussa Salao Barmou neuer Stabschef der StreitkrĂ€fte. Zuvor war Barmou Chef der SpezialeinsatzkrĂ€fte und fĂŒhrender Kopf hinter dem Putsch in dem westafrikanischen Land vor gut einer Woche. Neben Barmou seien auch weitere wichtige Positionen im Heer und der Luftwaffe mit Getreuen der Putschisten besetzt worden, hieĂ es in der Mitteilung weiter. Eine diplomatische Vermittlermission der Ecowas hatte am Donnerstag aus dem Niger abreisen mĂŒssen - ohne ein Treffen mit Machthaber Abdourahamane Tiani.
Ecowas: MilitÀrisches Eingreifen nicht ausgeschlossen
Am 26. Juli hatten Offiziere der PrĂ€sidialgarde im Niger den demokratisch gewĂ€hlten PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum fĂŒr entmachtet erklĂ€rt. Der Kommandeur der Eliteeinheit, General Abdourahamane Tiani, ernannte sich im Anschluss zum neuen Machthaber. Kurz nach Tianis MachtĂŒbernahme setzten die Putschisten die Verfassung auĂer Kraft und lösten alle verfassungsmĂ€Ăigen Institutionen auf. In der Folge hatte Ecowas die Junta im Niger am vergangenen Sonntag nach einer Dringlichkeitssitzung aufgefordert, den festgesetzten PrĂ€sidenten Bazoum wieder einzusetzen und die verfassungsmĂ€Ăige Ordnung innerhalb einer Woche wieder herzustellen. Die Gruppe wolle ansonsten MaĂnahmen ergreifen, die auch Gewalt beinhalten könnten, hieĂ es.
Die Ecowas hat bereits in der Vergangenheit mehrfach militĂ€rische Eingreiftruppen aufgestellt. Zuletzt griff die Gruppe 2017 in Gambia ein, als der abgewĂ€hlte PrĂ€sident Yahya Jammeh die Macht nicht abgeben wollte. MilitĂ€rische Ecowas-Operationen erfolgten bislang jedoch immer auf Einladung der betroffenen Regierung. Ein MilitĂ€reinsatz im Niger wĂ€re die erste Operation, die von der Staatengemeinschaft gegen den Willen einer Regierung - oder in diesem Fall der neuen MilitĂ€rmachthaber - entschieden wĂŒrde.
Französische Soldaten bleiben im Land
Trotz der möglichen Eskalation der Lage im Niger stehe ein möglicher Abzug der französischen Soldaten nicht auf der Tagesordnung, sagte die französische AuĂenministerin Catherine Colonna dem Radiosender «France Info». Sie warnte die Machthaber im Niger vielmehr, die Drohung der Ecowas ernstzunehmen. Die neue Junta hatte die militĂ€rische Zusammenarbeit mit der einstigen Kolonialmacht am Donnerstag aufgekĂŒndigt. Noch immer hat Frankreich jedoch rund 1500 Soldaten im Niger stationiert.
Nachdem die deutsche Bundesregierung bereits am Freitag mitteilte, dass alle ausreisewilligen deutschen Zivilisten das Land verlassen hÀtten, war laut dem spanischen Verteidigungsministeriums am Freitagabend noch ein Evakuierungsflug der spanischen Luftwaffe mit 74 Zivilisten aus 19 LÀndern auf dem MilitÀrflugplatz in Torrejón de Ardoz bei Madrid gelandet.


