Entsetzen ĂŒber Raketeneinschlag im Gazastreifen
18.10.2023 - 04:35:06 | dpa.deNach dem Raketeneinschlag in einem Krankenhaus im Gazastreifen mit mutmaĂlich Hunderten von Toten und Verletzten wĂ€chst die Sorge vor einer Eskalation des Konflikts im Nahen Osten.
WĂ€hrend die von der islamistischen Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde im Gazastreifen sowie auch mehrere arabische Staaten Israel die Verantwortung fĂŒr den Raketeneinschlag gaben, wies die israelische Armee dies entschieden zurĂŒck. «Das Krankenhaus wurde durch eine fehlgeschlagene Rakete der Terrororganisation Islamischer Dschihad getroffen», erklĂ€rte die Armee in der Nacht.
Das israelische MilitĂ€r veröffentlichte unterdessen Video-Aufnahmen, die beweisen sollen, dass eine fehlgeleitete palĂ€stinensische Rakete fĂŒr den tödlichen Einschlag in dem Krankenhaus verantwortlich sei. In dem Videozusammenschnitt sind Luftaufnahmen der Al-Ahli-Klinik und eines Parkplatzes zu sehen, auf dem ein Brand ausgebrochen war. Dabei sollen Hunderte von Menschen getötet worden sein. Verglichen werden Luftaufnahmen vor und nach dem tödlichen Vorfall. Es sei kein typischer Krater zu sehen, wie er sonst bei israelischen Luftangriffen entstehe. Nach Angaben der Armee schlug dort stattdessen eine fehlgeleitete Rakete der militanten PalĂ€stinenserorganisation Islamischer Dschihad ein. Diese wies die Schuldzuweisung zurĂŒck.
Hisbollah ruft «Tag des beispiellosen Zorns» gegen Israel aus
Die mit Israel verfeindete pro-iranische Miliz Hisbollah im Libanon rief einen «Tag des beispiellosen Zorns» gegen Israel aus. Dieser richte sich auch gegen den fĂŒr heute geplanten SolidaritĂ€tsbesuch von US-PrĂ€sident Joe Biden in Israel. Biden wolle das «kriminelle Regime unterstĂŒtzen», hieĂ es. Worte der Verurteilung reichten nicht mehr aus, erklĂ€rte die Schiiten-Miliz. Biden reagierte bestĂŒrzt auf den Raketeneinschlag in das Krankenhaus in Gaza. Er sei «empört und zutiefst betrĂŒbt», hieĂ es in einer Stellungnahme.
Biden will in Israel «harte Fragen» stellen
Bei seinem Besuch in Tel Aviv will der US-PrĂ€sident auch «harte Fragen» stellen, wie der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates der US-Regierung, John Kirby, gestern Abend (Ortszeit) auf dem Flug nach Tel Aviv erklĂ€rte. Biden wolle von den Israelis ein GefĂŒhl fĂŒr die Situation vor Ort bekommen, mehr ĂŒber ihre Ziele und PlĂ€ne in den kommenden Tagen und Wochen hören.
Im Anschluss an seinen Kurzbesuch in Israel wollte Biden ursprĂŒnglich nach Jordanien, um mit dem palĂ€stinensischen PrĂ€sidenten Mahmud Abbas, Ăgyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi und Jordaniens König Abdullah II. zusammenzukommen. Jordanien sagte das Treffen jedoch kurzfristig ab. Es werde erst dann stattfinden, wenn es eine Einigung gebe, den Krieg zu beenden und «diese Massaker» zu stoppen, sagte AuĂenminister Aiman al-Safadi dem jordanischen TV-Sender Al-Mamlaka.
UN-GeneralsekretÀr Guterres verurteilt Raketeneinschlag
«Ich bin entsetzt ĂŒber die Tötung Hunderter palĂ€stinensischer Zivilisten heute bei einem Angriff auf ein Krankenhaus in Gaza, den ich aufs SchĂ€rfste verurteile», schrieb UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres bei X, vormals Twitter. Er reist angesichts der Gewalteskalation nach Kairo. Dort will sich der 74-JĂ€hrige Portugiese laut UN-Angaben ab Donnerstag unter anderem mit dem Ă€gyptischen Staatschef treffen, um eine Ăffnung des geschlossenen GrenzĂŒbergangs Rafah von der Sinai-Halbinsel in den Gazastreifen zu erwirken.
Scholz jetzt in Ăgypten
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) traf bereits in der Nacht aus Israel kommend in der Ă€gyptischen Hauptstadt ein, nachdem sich der Abflug wegen Raketenalarms verzögert hatte. Am Morgen will Scholz Ăgyptens Staatschef treffen. Am selben Tag soll sich der Weltsicherheitsrat mit dem Raketeneinschlag beschĂ€ftigen.
Israel weist Verantwortung zurĂŒck
Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu wies unterdessen die Verantwortung fĂŒr den Raketeneinschlag zurĂŒck. «Die ganze Welt sollte es wissen: Es waren barbarische Terroristen in Gaza, die das Krankenhaus in Gaza angegriffen haben», sagte Netanjahu gestern. Eine ĂberprĂŒfung der operativen und nachrichtendienstlichen Systeme habe ergeben, dass das israelische MilitĂ€r das Krankenhaus Al-Ahli in Gaza «nicht getroffen» habe, erklĂ€rte MilitĂ€rsprecher Daniel Hagari.
Das Gesundheitsministerium im Gazastreifen hatte dagegen mitgeteilt, dass bei einem israelischen Luftangriff auf das Krankenhaus «mehrere Hundert» Menschen getötet und verletzt worden seien. Eine genaue Zahl wurde dabei nicht genannt. UnabhĂ€ngig war dies nicht zu ĂŒberprĂŒfen.
Der UN-Hochkommissar fĂŒr Menschenrechte, Volker TĂŒrk, forderte eine lĂŒckenlose AufklĂ€rung. Er rief die Staaten mit Einfluss in der Region auf, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um die Ereignisse dort zum Ende zu bringen. Auch Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron verurteilte den Raketeneinschlag. «Nichts kann einen Angriff auf ein Krankenhaus rechtfertigen», schrieb er auf X.
Saudi-Arabien gibt Israel die Schuld
Saudi-Arabien verurteilte das «abscheuliche Verbrechen» aufs SchĂ€rfste - und machte Israel dafĂŒr verantwortlich, wie aus einer ErklĂ€rung des saudischen AuĂenministeriums hervorging. Riad verurteile die «anhaltenden Angriffe der israelischen Besatzung» auf Zivilisten. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) gaben Israel die Schuld. Marokko verurteilte die «Bombardierung» der Klinik «durch israelische StreitkrĂ€fte» ebenso «aufs SchĂ€rfste». Zivilisten mĂŒssten «von allen Parteien geschĂŒtzt» werden. Auch Bahrain schloss sich der Kritik am «israelischen Bombenanschlag» an.
Im Libanon strömten in den sĂŒdlichen Vororten von Beirut Augenzeugen zufolge Hunderte Hisbollah-AnhĂ€nger auf die StraĂen und forderten, Tel Aviv zu bombardieren. Im Iran rief eine Menge im Stadtzentrum Teherans «Nieder mit Israel», wie Videos der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA zeigten. Die Regierung erklĂ€rte den heutigen Mittwoch zum Trauertag. Irans AuĂenamtssprecher verurteilte den Angriff aufs SchĂ€rfste und machte den Erzfeind Israel verantwortlich.
Erneut Schusswechsel an Israels Grenze zum Libanon
An der Grenze zwischen Israel und dem Libanon kam es unterdessen erneut zu Schusswechseln. Israelische Soldaten seien mit Panzerabwehrraketen in der Gegend von Shtula im Bereich des Sicherheitszauns zwischen Israel und dem Libanon beschossen worden, teilte das israelische MilitĂ€r am frĂŒhen Morgen mit. Die eigene Artillerie habe daraufhin den Ort des Raketenabschusses unter Feuer genommen, hieĂ es. Israelische Kampfflugzeuge beschossen zudem in Reaktion auf den wiederholten Beschuss Israels vom Libanon aus einen Beobachtungsposten und militĂ€rische Infrastruktur der Miliz.
Proteste gegen Israel
In Amman versuchten Demonstranten zur israelischen Botschaft zu gelangen, wie die jordanische Nachrichtenagentur Petra meldete. Berichte ĂŒber die StĂŒrmung des GebĂ€udes wiesen jordanische Sicherheitskreise den Angaben nach zurĂŒck. Auch vor dem israelischen Konsulat im tĂŒrkischen Istanbul versammelten sich viele Demonstranten. Einige schwenkten palĂ€stinensische Flaggen und skandierten: «Nieder mit Israel!». Israel forderte seine StaatsbĂŒrger aus Angst vor VergeltungsschlĂ€gen zum Verlassen der TĂŒrkei auf.
Ein ranghoher Vertreter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) forderte die Einstellung der andauernden israelischen Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen. Es sei jetzt dringend nötig, medizinisches Material und andere lebensnotwendige GĂŒter ĂŒber die bislang geschlossene Grenze zwischen Ăgypten und dem KĂŒstengebiet zu bringen, sagte WHO-Notfallkoordinator Mike Ryan gestern Abend in Genf.
Das wird heute wichtig
US-PrĂ€sident Biden trifft zu GesprĂ€chen mit der israelischen Regierung in Tel Aviv ein. Bundeskanzler Scholz kommt am Morgen in Kairo mit dem Ă€gyptischen Staatschef Abdel Fattah al-Sisi zusammen. Derweil wird weiter auf eine Ăffnung des einzigen GrenzĂŒbergangs aus dem Gazastreifen zu Ăgypten zur Versorgung der Hunderttausenden FlĂŒchtlinge in Gaza gehofft.
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