Israel forciert Angriffe im Iran - Chance fĂŒr Diplomatie?
17.06.2025 - 08:22:49 | dpa.deDer Iran hat erneut Raketen auf Israel gefeuert. Der staatliche Rundfunk sprach von einem «Raketenregen» auf Ziele in Israel. Die israelische Armee teilte mit, die Luftabwehr sei im Einsatz, um die Bedrohung abzuwehren. Die Bevölkerung wurde erneut angewiesen, die SchutzrÀume aufzusuchen, teilte das israelische MilitÀr am Morgen mit. Laut der «Times of Israel» waren im Raum der Stadt Jerusalem starke Explosionen zu hören. Inzwischen können die Menschen die SchutzrÀume wieder verlassen.
Die Luftwaffe hatte zuvor in der Nacht «umfassende» Angriffe auf militĂ€rische Ziele im Westen des Irans geflogen, wie die israelische Armee mitteilte. Es seien Dutzende LagerstĂ€tten und Abschussanlagen fĂŒr Boden-Boden-Raketen sowie Boden-Luft-Raketenwerfer und Drohnen-Lager attackiert worden, hieĂ es.
Berichte ĂŒber einen angeblichen Kriegseintritt des Israel-VerbĂŒndeten USA wies Washington in der Nacht als «falsch» zurĂŒck. US-PrĂ€sident Donald Trump hatte die Einwohner der iranischen Hauptstadt Teheran zuvor zur Flucht aufgefordert. «Jeder sollte Teheran sofort verlassen», schrieb Trump auf Truth Social und schĂŒrte damit Ăngste. Danach verlieĂ er vorzeitig den G7-Gipfel in Kanada, hatte aber zuvor angedeutet, der Iran sei zu Verhandlungen bereit.Â
Trump: Der Iran will einen Deal
«Es wird ein Abkommen unterzeichnet werden, und ich denke, der Iran ist dumm, wenn er es nicht unterzeichnet», sagte Trump. Andernfalls werde etwas passieren, schob er nach, ohne konkreter zu werden. «Sie wollen einen Deal machen, und sobald ich hier weg bin, werden wir etwas unternehmen.» Das WeiĂe Haus diskutiere mit dem Iran ĂŒber die Möglichkeit eines Treffens in dieser Woche zwischen dem US-Gesandten Steve Witkoff und dem iranischen AuĂenminister Abbas Araghtschi, berichtete die US-Nachrichtenseite «Axios» am Morgen unter Berufung auf vier mit der Angelegenheit vertraute Quellen.Â
Die G7-Chefs verstĂ€ndigten sich unterdessen unerwartet auf eine gemeinsame ErklĂ€rung zu dem Krieg. In dem Text wird der Iran als «die Hauptquelle regionaler InstabilitĂ€t und des Terrors» bezeichnet und Israels Recht auf Selbstverteidigung betont. Man habe stets unmissverstĂ€ndlich klargestellt, dass der Iran niemals in den Besitz einer Atomwaffe gelangen dĂŒrfe.
Araghtschi sieht den SchlĂŒssel zur Beendigung des Krieges bei Trump. «Ein Anruf aus Washington genĂŒgt, um jemandem wie (dem israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin) Netanjahu den Mund zu verbieten. Das könnte den Weg fĂŒr eine RĂŒckkehr zur Diplomatie ebnen», schrieb er auf der Plattform X. «Netanjahu hĂ€lt einen weiteren US-PrĂ€sidenten zum Narren.»Â
Menschen fliehen aus Teheran
Es blieb unklar, was der Beweggrund fĂŒr Trumps Evakuierungsaufruf an die Bevölkerung Teherans war. Bereits seit dem Wochenende gibt es Berichte ĂŒber lange Staus auf AusfallstraĂen, weil viele der 15 Millionen Einwohner der Metropole aus Sorge vor einer noch gröĂeren Eskalation fliehen. Iranischen Berichten zufolge gab es in der Nacht im Raum der Hauptstadt wieder schwere Explosionen und Abwehrfeuer. Zuvor hatte bereits Israels MinisterprĂ€sident Netanjahu die Einwohner Teherans zur Flucht aufgerufen.Â
«Wir sagen den BĂŒrgern Teherans: "Verlasst die Gegend!" â und wir handeln», sagte Netanjahu. Israel hatte zunĂ€chst zur Evakuierung eines Stadtteils aufgerufen. Kurz darauf wurde dort das HauptgebĂ€ude eines staatlichen Senders getroffen. Dem Sender zufolge gab es Tote und Verletzte. Seit Beginn der Angriffe in der Nacht zum Freitag hat Israel dem Machtapparat des Irans schwere SchlĂ€ge versetzt. Netanjahu scheint nun auch eine gezielte Tötung von Irans Oberstem AnfĂŒhrer Ajatollah Ali Chamenei nicht auszuschlieĂen.Â
Netanjahu: Tötung Chameneis könnte Konflikt beenden
«Das wird den Konflikt nicht eskalieren lassen, das wird den Konflikt beenden», sagte Netanjahu im Interview des US-Senders ABC auf die Frage, ob er die Sorge der US-Regierung teile, dass eine Tötung Chameneis den Konflikt auĂer Kontrolle geraten lassen könnte. Auf die direkte Frage, ob Israel plane, Chamenei zu töten, sagte er: «Wir tun, was wir tun mĂŒssen. Ich werde da keine Details erörtern.» Am Wochenende hatte es Berichte gegeben, wonach US-PrĂ€sident Trump in den vergangenen Tagen Einspruch gegen israelische PlĂ€ne fĂŒr die Tötung des iranischen Staatsoberhaupts eingelegt haben soll.
Nach Darstellung eines israelischen MilitĂ€rsprechers hat Israel inzwischen die «volle LuftĂŒberlegenheit» ĂŒber Teheran erreicht. Ein Teil der Raketenangriffe aus dem Iran sei durch israelische Luftangriffe vereitelt worden. Ein Sprecher der iranischen Revolutionsgarden hatte der staatlichen Nachrichtenagentur Irna zufolge zwar in der Nacht angekĂŒndigt, eine neue Welle an Angriffen auf den Erzfeind Israel werde bis zum Morgen «ununterbrochen fortgesetzt».Â
Israelischen Medienberichten zufolge handelte es sich in der Nacht jedoch nur weniger als zehn, die ĂŒber der KĂŒstenmetropole Tel Aviv und der Stadt Haifa abgefangen wurden. Berichte ĂŒber EinschlĂ€ge oder Verletzte gab es nicht. Am Morgen feuerte die Islamische Republik dann erneut Raketen auf Israel ab.Â
Israelische Raffinerie nach Angriff auĂer Betrieb
Nach einem iranischen Raketenangriff am Sonntag auf eine wichtige Raffinerie in Haifa hat der Betreiber Berichten zufolge alle Anlagen des Betriebs stillgelegt. Es habe groĂe SchĂ€den gegeben, teilte der israelische Ăl- und Petrochemiekonzern Bazan laut israelischen Medien mit. Wie lange die gröĂte Raffinerie des Landes auĂer Betrieb bleibt, wurde nicht berichtet. Die Raffinerie produziert einen GroĂteil der zivilen und militĂ€rischen Ălprodukte Israels.Â
Das US-MilitĂ€r unterstĂŒtzt Israels Verteidigung. Gleichzeitig betont die US-Regierung, dass sie sich nicht an den KĂ€mpfen zwischen Israel und dem Iran beteiligt. Die US-Truppen im Nahen Osten hielten weiter daran fest, sich bei Bedarf zu verteidigen, betonte ein Pentagon-Sprecher auf X. Kurz zuvor hatte Verteidigungsminister Pete Hegseth erklĂ€rt, er habe am Wochenende zum Schutz der eigenen Truppen im Nahen Osten eine VerstĂ€rkung der MilitĂ€rprĂ€senz in der Region angeordnet. Details nannte er nicht.
USA verstÀrken MilitÀrprÀsenz im Nahen Osten
Ăbereinstimmenden Medienberichten zufolge schickt das US-MilitĂ€r einen zweiten FlugzeugtrĂ€ger in den Nahen Osten. Zudem sollen die USA am Wochenende Dutzende Tankflugzeuge nach Europa verlegt haben, um sie im Bedarfsfall schnell im Nahen Osten einsetzen zu können. Der Schutz der eigenen Truppen in der Region Nahost habe Vorrang, heiĂt es.
Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron Ă€uĂerte sich am Rande des G7-Gipfels positiv zu US-BemĂŒhungen um ein Ende des Krieges. Wenn die Vereinigten Staaten einen Waffenstillstand erreichen könnten, sei das eine sehr gute Sache. Details zu den US-BemĂŒhungen nannte Macron nicht. Er erklĂ€rte nur, Trump habe gesagt, dass GesprĂ€che im Gange seien. Es sei ein Angebot fĂŒr einen Waffenstillstand und fĂŒr GesprĂ€che unterbreitet worden.
«Der Iran darf keine Atomwaffe besitzen»
Israel will nach eigener Darstellung mit den Angriffen verhindern, dass der Iran eine Atombombe bauen kann. Die FĂŒhrung in Teheran betont dagegen, dass das Atomprogramm zivilen Zwecken diene. In seinem Post auf Truth Social schrieb US-PrĂ€sident Trump, Teheran hĂ€tte im Streit um das iranische Atomprogramm das von ihm vorgeschlagene Abkommen unterschreiben sollen. Das sei eine «Verschwendung von Menschenleben». In GroĂbuchstaben ergĂ€nzte er: «Der Iran darf keine Atomwaffe besitzen.»
Mehrere arabische Staaten und die TĂŒrkei verurteilten die Angriffe Israels auf den Iran. Es sei unerlĂ€sslich, dass «Israels Feindseligkeiten gegen den Iran» eingestellt werden, heiĂt es in einer gemeinsamen ErklĂ€rung. Ziel mĂŒsse eine «umfassende Feuerpause» sein. Dringend nötig sei, den Nahen Osten zu einem Gebiet ohne Atomwaffen und ohne andere Massenvernichtungswaffen zu machen. Dies mĂŒsse «ohne Ausnahme fĂŒr alle Staaten in der Region gelten in Ăbereinstimmung mit den maĂgeblichen internationalen Resolutionen».
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.

