Pistorius sucht engen Schulterschluss mit Partnern in Asien
22.03.2026 - 09:31:54 | dpa.deDeutschland und Japan verstĂ€rken in einer risikoreich gewordenen Weltlage ihre militĂ€rische Zusammenarbeit. Dazu sollen ein Ausbau der RĂŒstungskooperationen gehören sowie Beratungen im Krisenfall, um MaĂnahmen abzustimmen, sagten Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und sein japanischer Amtskollege Shinjiro Koizumi. Die beiden trafen sich auf der Marinebasis Yokosuka in der NĂ€he der Hauptstadt Tokio.
Pistorius sagte, Deutschland und Japan mĂŒssten als MittelmĂ€chte, die zur regelbasierten internationalen Ordnung stehen, «noch enger zusammenrĂŒcken und deutlich machen, wofĂŒr wir stehen und wie wir das gewĂ€hrleisten».
Die internationale Gemeinschaft erlebe dramatische Entwicklungen, unter anderem bei der Lage im Nahen Osten, sagte Koizumi. Und: «Angesichts dieser verĂ€nderten sicherheitspolitischen Lage ist es kaum noch möglich, allein als einzelnes Land zu reagieren. Die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit zwischen gleichgesinnten LĂ€ndern wie Japan und Deutschland ist heute gröĂer denn je.»
Pistorius reist zu drei Partnern in AsienÂ
Pistorius begann in Japan eine mehrtĂ€gige Asien-Reise, die ihn auch nach Singapur und Australien fĂŒhren soll. ErklĂ€rtes Ziel ist ein Ausbau der schon bestehenden militĂ€rischen und rĂŒstungspolitischen Kooperation mit den strategischen Partnern.Â
«Die Erosion der internationalen Ordnung erfordert, dass wir uns mit "like-minded"-LÀndern noch enger absprechen», sagte Pistorius zum Auftakt der Reise in Tokio. Er verwies zudem auf das verstÀrkte Engagement der Bundeswehr. «Bereits in den vergangenen Jahren haben wir unsere personelle Aufstellung in der Region angepasst und die Zahl unserer Verbindungsoffiziere in verschiedenen Gremien im Indopazifik erhöht», sagte er.
Japan ist Teil der Staatengruppe, die die Ukraine gegen den russischen Angriffskrieg unterstĂŒtzt («UDCG») und demonstriert damit Bereitschaft, sich in Europa zu engagieren.Â
So wie fĂŒr Deutschland die russische Bedrohung Thema ist, so spĂŒrt Japan eine Bedrohung aus Nordkorea, das von Russland unterstĂŒtzt wird und seinerseits Soldaten fĂŒr den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine stellt.Â
Themen: Sicherung der Seewege und VölkerrechtÂ
Bei der Reise von Pistorius soll es um Fragen der internationalen Ordnung, die Sicherung der Seewege, die Wahrung des Völkerrechts und die Bedeutung der Region fĂŒr die globale Wertschöpfung und Lieferketten gehen.Â
Politischen Leitlinien folgend hat die Bundeswehr in den vergangenen Jahren verstĂ€rkt an Ăbungen im indopazifischen Raum teilgenommen. Die Bundesregierung geht dabei davon aus, dass Sicherheit in Europa und die Sicherheit im Indopazifik untrennbar miteinander verbunden sind.
Pistorius hat in seiner Delegation auch Chefs groĂer deutscher RĂŒstungsunternehmen, darunter Airbus Defence, Diehl, MBDA, Rohde & Schwarz, Quantum Systems und TKMS. Am Rande der Reise werden auch GesprĂ€che mit Vertretern der Gastgeber gefĂŒhrt.Â
RĂŒstungskooperation mit Japan fehlt noch der Schwung
Als aussichtsreich im Falle Japans gilt eine Zusammenarbeit bei den neuen, unbemannten System des MilitĂ€rs sowie im Computerbereich. So wird mit Interesse verfolgt, ob und wie das japanische Unternehmen Fujitsu den Supercomputer der Zukunft ohne AbhĂ€ngigkeiten von China und den USA bauen könnte.Â
Bei RĂŒstungsgeschĂ€ften hat Deutschland Japan bereits 2010 den Nato-Staaten gleichgestellt. Exporte sind somit wesentlich vereinfacht, ohne dass bisher allerdings besonderer Schwung in die Kooperation gekommen wĂ€re. Aus deutscher Sicht ist die japanische RĂŒstungsbranche noch wenig international ausgerichtet.
Seit 2021 gibt es auch eine Grundlage dafĂŒr, mit Japan geheime Daten ĂŒber Waffensysteme auszutauschen. Das deutsche Angebot von Kooperationen - also der gemeinsame Bau von Waffensystemen oder gegenseitige Zulieferungen - ist dabei auch eine Alternative zum GeschĂ€ftsmodell der US-Unternehmen. Diese verkaufen ihre Systeme oftmals als sogenannte Blackbox. Dabei gilt, dass Kunden das System beschaffen und nutzen - aber es technisch nicht vollstĂ€ndig verstehen.
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