Ukraine, Russland

Vom Vertrauten zum VerrÀter: Prigoschin gegen Putin

24.06.2023 - 15:17:57

Der Machtkampf zwischen Russlands PrÀsidenten Wladimir Putin und dem Chef der Söldnerarmee Wagner bricht nun offen aus. Wer sind der Ex-Vertraute Putins und seine Söldner?

Seit Monaten legt sich der Chef der russischen Privatarmee Wagner, Jewgeni Prigoschin, wegen des Kriegsverlaufs in der Ukraine mit der MilitĂ€rfĂŒhrung in Moskau an. Nun aber fordert der 62-JĂ€hrige auch Kremlchef Wladimir Putin offen heraus. Inzwischen geht es um viel mehr als um die richtige Taktik gegen Kiew.

FrĂŒher mied der langjĂ€hrige Vertraute Putins die Öffentlichkeit. Doch zuletzt griff er besonders Verteidigungsminister Sergej Schoigu und Generalstabschef Waleri Gerassimow immer wieder an. Er warf ihnen vor, die regulĂ€ren Truppen nicht ordentlich zu fĂŒhren. Oft beklagte er sich ĂŒber mangelhafte Versorgung seiner KĂ€mpfer mit Munition und militĂ€rischer AusrĂŒstung.

Prigoschin gilt als skrupelloser GeschĂ€ftsmann mit krimineller Vergangenheit. Er und Putin kennen sich lange. Als der heutige PrĂ€sident noch in der St. Petersburger Stadtverwaltung arbeitete, soll er in Prigoschins Restaurant eingekehrt sein. Deshalb ist der Russe, der frĂŒher wegen Raubs in Haft saß, unter dem Namen «Putins Koch» bekannt.

Der Mann mit dem kahlgeschorenen Kopf ist Chef des Firmenimperiums Concord und soll sich mit seiner auf Desinformation spezialisierten Internet-Trollfabrik 2020 auch in die US-PrĂ€sidentenwahl eingemischt haben. Deshalb haben ihn die Vereinigten Staaten zur internationalen Fahndung ausgeschrieben. Die Wagner-Truppen gelten im Westen als «Terrororganisation», verantwortlich fĂŒr Kriegsverbrechen in vielen LĂ€ndern.

Schon seit 2014 aktiv

Im September vergangenen Jahres - nach einem halben Jahr Krieg in der Ukraine - rĂ€umte Prigoschin erstmals öffentlich ein, die Söldnertruppe gegrĂŒndet zu haben. Er habe die Einheit schon 2014 fĂŒr den Einsatz auf russischer Seite im ukrainischen Donbass gebildet. Deren Mut und Tapferkeit sei die «Befreiung» vieler Gebiete in Luhansk und Donezk zu verdanken gewesen. Zuvor hatte Prigoschin seine Verbindung zu den Söldnern nie eindeutig bekannt. Auch Moskau bestritt die Existenz der Kampftruppe jahrelang vehement.

Als zweiter GrĂŒnder ist der ehemalige Geheimdienstler Dmitri Utkin bekannt, der offizielle Wagner-Kommandeur. Ihm wird eine Vorliebe fĂŒr den deutschen Komponisten Richard Wagner nachgesagt - daher auch der Name der Truppe. Im Ukraine-Krieg spielt die Gruppe eine zentrale Rolle: Als Prigoschins grĂ¶ĂŸter militĂ€rischer Erfolg gilt die blutige Eroberung der ostukrainischen Stadt Bachmut. Die Gruppe soll auch an dem Massaker in Butscha beteiligt gewesen sein.

Wagner-KĂ€mpfer waren auch in Syrien, anderen arabischen LĂ€ndern sowie in Afrika und Lateinamerika im Einsatz, und sind es auch heute noch. Dort liegt auch eine Geldquelle der Truppe: Die Gruppe bietet skrupelloses Personal und Dienstleistungen. DafĂŒr gibt es Geld und Rohstoffe wie Gold. In Russland verdient Prigoschin Geld mit der Essensversorgung beim MilitĂ€r, aber auch in Schulen und KindergĂ€rten.

Auch HĂ€ftlinge angeworben

Die Wagner-Gruppe rekrutiert ihre Mitglieder unter Freiwilligen - im Ukraine-Krieg auch unter HĂ€ftlingen. Ihr Chef lockt Schwerverbrecher mit dem Versprechen, dass sie nach halbjĂ€hrigem Kriegsdienst begnadigt werden. 32.000 Ex-Gefangene sollen so schon in Freiheit gekommen sein. Etwa 10.000 frĂŒhere HĂ€ftlinge wurden nach Prigoschins Angaben allerdings allein im Kampf um Bachmut getötet. Zudem drohen den KĂ€mpfern bei Fluchtversuchen Hinrichtungen. FĂŒr internationales Entsetzen sorgte ein Video, das zeigen soll, wie ein abtrĂŒnniger Wagner-KĂ€mpfer mit einem Vorschlaghammer getötet wird.

Prigoschin meutert nun offensiv gegen die russische MilitĂ€rfĂŒhrung - seine Leute haben nach eigenen Angaben wichtige militĂ€rische Objekte in Rostow am Don im SĂŒden Russlands besetzt. Klar ist, dass er sich nicht wie von Putin gefordert ergeben will. In einem Video droht er mit dem Vormarsch nach Moskau. Experten sagten ihm schon eigene Ambitionen aufs PrĂ€sidentenamt nach, was er stets bestritt.

@ dpa.de

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