Russland, Ukraine

Aufstand gegen Kreml beendet - Prigoschin verlÀsst Russland

25.06.2023 - 01:34:38

Der offene Machtkampf in Russland zwischen Söldnerchef Prigoschin und PrĂ€sident Putin scheint beigelegt, der befĂŒrchtete Kampf vorerst abgewendet. Der Krieg gegen die Ukraine geht weiter.

  • Angehörige des MilitĂ€runternehmens Wagner Group sitzen auf einem Panzer auf einer Straße in Rostow am Don, Russland, bevor sie einen Bereich im Hauptquartier des sĂŒdlichen MilitĂ€rbezirks verlassen. - Foto: -/AP/dpa

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  • Soldaten der MilitĂ€rkompanie der Wagner-Gruppe sitzen in ihren MilitĂ€rfahrzeugen, als sie sich darauf vorbereiten, ein GelĂ€nde am Hauptquartier des sĂŒdlichen MilitĂ€rbezirks in einer Straße in Rostow am Don, Russland, zu verlassen. - Foto: Uncredited/AP/dpa

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Angehörige des MilitĂ€runternehmens Wagner Group sitzen auf einem Panzer auf einer Straße in Rostow am Don, Russland, bevor sie einen Bereich im Hauptquartier des sĂŒdlichen MilitĂ€rbezirks verlassen. - Foto: -/AP/dpaSoldaten der MilitĂ€rkompanie der Wagner-Gruppe sitzen in ihren MilitĂ€rfahrzeugen, als sie sich darauf vorbereiten, ein GelĂ€nde am Hauptquartier des sĂŒdlichen MilitĂ€rbezirks in einer Straße in Rostow am Don, Russland, zu verlassen. - Foto: Uncredited/AP/dpa

Der bewaffnete Aufstand russischer Söldner gegen die StaatsfĂŒhrung von PrĂ€sident Wladimir Putin scheint kurz nach einer unerwarteten Eskalation schon wieder beendet. Auf Befehl von Söldnerchef Jewgeni Prigoschin gaben die Angehörigen seiner berĂŒchtigten Privatarmee Wagner bis zum spĂ€ten Samstagabend ihre Stellungen in SĂŒdrussland auf und kehrten in ihre Feldlager zurĂŒck.

Das wegen bewaffneten Aufstands gegen die MilitĂ€rfĂŒhrung eingeleitete Strafverfahren gegen Prigoschin wird laut Kreml eingestellt. Prigoschin selbst werde unbehindert nach Belarus gehen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Als Garantien fĂŒr den freien Abzug habe er «das Wort des PrĂ€sidenten».

Auch die KĂ€mpfer der Wagner-Truppe sollen angesichts ihrer Verdienste an der Front in der Ukraine nicht strafrechtlich verfolgt werden, wie Peskow versicherte. Vielmehr werde einem Teil der Söldner ein Angebot unterbreitet, sich vertraglich zum Dienst in den russischen StreitkrĂ€ften zu verpflichten. Zuvor hatte der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko Prigoschin nach eigenen Angaben dazu gebracht, seinen Aufstand aufzugeben. Lukaschenko habe sich als Vermittler angeboten, weil er Prigoschin seit rund 20 Jahren persönlich kenne, sagte Peskow. Prigoschin selbst Ă€ußerte sich nicht unmittelbar dazu.

Vieles zunÀchst unklar

Kurz zuvor hatte der Söldnerchef angekĂŒndigt, den Vormarsch seiner Einheiten auf die russische Hauptstadt Moskau zu stoppen. «Unsere Kolonnen drehen um und gehen in die entgegengesetzte Richtung in die Feldlager zurĂŒck», sagte er in einer von seinem Pressedienst auf Telegram veröffentlichten Sprachnachricht. Bislang sei «nicht ein Tropfen Blut unserer KĂ€mpfer» vergossen worden, sagte Prigoschin. «Jetzt ist der Moment gekommen, wo Blut vergossen werden könnte.» Deshalb sei es Zeit, die Kolonnen umdrehen zu lassen.

Es war zunĂ€chst nicht klar, ob Prigoschin neben Straffreiheit noch weitere ZugestĂ€ndnisse gemacht oder zumindest in Aussicht gestellt wurden, um den Vormarsch seiner Truppen auf Moskau zu stoppen. Er galt lange als Vertrauter Putins, als unantastbare GrĂ¶ĂŸe im russischen MachtgefĂŒge, bis ihn der Kremlchef am Samstagmorgen als «VerrĂ€ter» bezeichnete - und damit öffentlich fallen ließ. Fraglich ist auch, was kĂŒnftig aus den AuslandseinsĂ€tzen der Wagner-Armee wird, die bis zuletzt und insbesondere in Afrika russische Interessen mit Waffengewalt vertrat.

Wagner-Truppen verlassen sĂŒdliche Stadt Rostow am Don

Ihre bis zum frĂŒhen Sonntagmorgen gehaltenen Positionen in der sĂŒdrussischen Millionenstadt Rostow am Don gaben die Wagner-Truppen auf. Unter dem Applaus der Zivilbevölkerung verließen zunĂ€chst die ersten Fahrzeuge mit Söldnern das - erst Stunden zuvor von ihnen eingenommene - Hauptquartier des russischen MilitĂ€rkommandos SĂŒd, ehe spĂ€ter auch die Panzer und Gefechtsfahrzeuge die Innenstadt verließen. An den Zufahrtsstraßen rund um Moskau wurden am frĂŒhen Sonntagmorgen nach offiziellen Angaben alle Straßensperren aufgehoben.

Der seit Monaten schwelende Machtkampf zwischen Prigoschin und der russischen ArmeefĂŒhrung war in der Nacht zum Samstag eskaliert. Der 62-JĂ€hrige beschuldigte Verteidigungsminister Sergej Schoigu, den Befehl zu einem Angriff auf ein MilitĂ€rlager der Wagner-Truppe gegeben und damit den Tod einer «großen Anzahl» von KĂ€mpfern in Kauf genommen zu haben. Die berĂŒchtigte Söldner-Einheit hat in Moskaus Angriffskrieg gegen die Ukraine an der Seite regulĂ€rer russischer Truppen gekĂ€mpft und vor allem eine wichtige Rolle bei der Eroberung der Stadt Bachmut im Gebiet Donezk gespielt. Allerdings gab es seit Monaten Streit um Kompetenzen und um Munitionsnachschub.

KĂ€mpfe in der Ukraine gehen weiter

Nach dem angeblichen Angriff auf das Wagner-Lager, den das Verteidigungsministerium in Moskau umgehend dementierte, kĂŒndigte Prigoschin einen «Marsch der Gerechtigkeit» an, um die Verantwortlichen zu bestrafen. Am Samstag besetzten seine Truppen zunĂ€chst MilitĂ€robjekte in Rostow am Don. SpĂ€ter wurde bekannt, dass sich weitere Einheiten Richtung Moskau in Marsch gesetzt hatten. Prigoschins Angaben nach befanden sich die Spitzen seiner Einheiten zuletzt nur noch rund 200 Kilometer von der russischen Hauptstadt entfernt.

Den Fortgang des Kriegs gegen die Ukraine sieht Russlands FĂŒhrung durch den Aufstand Prigoschins nach eigenen Angaben nicht beeinflusst. Auf den Verlauf der «militĂ€rischen Spezialoperation» - so bezeichnet der Kreml den Angriffskrieg - wirke sich die Situation nicht aus, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow. Ihm sei auch nicht bekannt, dass sich die Haltung des PrĂ€sidenten gegenĂŒber Verteidigungsminister Sergej Schoigu geĂ€ndert habe. Prigoschin hatte dem Minister und auch Generalstabschef Waleri Gerassimow UnfĂ€higkeit vorgeworfen und die beiden fĂŒr die vielen RĂŒckschlĂ€ge und hohen Verluste in dem Krieg verantwortlich gemacht.

@ dpa.de

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