Steinmeier und Merz lehnen Polens Reparationsforderungen ab
16.09.2025 - 14:57:37Polens neuer PrĂ€sident Karol Nawrocki ist beim Antrittsbesuch in Berlin mit seiner Forderung nach Reparationen fĂŒr die SchĂ€den aus dem Zweiten Weltkrieg abgeblitzt. BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier wies sie - wie frĂŒher auch schon - entschieden zurĂŒck. Er erklĂ€rte, diese Frage sei «aus deutscher Sicht rechtlich abschlieĂend geklĂ€rt», wie seine Sprecherin Cerstin Gammelin auf der Plattform X schrieb. Die Förderung des Gedenkens und Erinnerns bleibe aber ein gemeinsames Anliegen.
Auch im anschlieĂenden GesprĂ€ch mit Bundeskanzler Friedrich Merz brachte der polnische PrĂ€sident die Forderung vor. Der Kanzler habe die deutsche Position bekrĂ€ftigt, hieĂ es aus Regierungskreisen.
Nawrocki hĂ€lt Reparationsfrage fĂŒr offen
Nawrocki schrieb nach den GesprĂ€chen auf der Plattform X, es sei dabei um Sicherheitsherausforderungen fĂŒr die Region, die Zukunft der EU und «die Wiedergutmachung fĂŒr das Polen wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs zugefĂŒgte Unrecht» gegangen. Der «Bild»-Zeitung hatte er unmittelbar vor seinem Eintreffen in Berlin gesagt: «Die Frage der Reparationen ist natĂŒrlich nicht rechtlich abgeschlossen.»
Der polnische PrĂ€sident zeigte sich in dem Interview «fest davon ĂŒberzeugt, dass wir mit dem Bundeskanzler und mit Herrn BundesprĂ€sidenten zu einer Einigung kommen werden». Er beharrte auf deutsche Zahlungen in Höhe von 1,3 Billionen Euro. «Das ist die einzige Zahl, die ihren Bezugspunkt in einer sehr tiefgreifenden, fundierten wissenschaftlichen Forschung hat.»
Die rechtskonservative Partei PiS, der Nawrocki nahesteht, hatte in ihrer Regierungszeit zu dieser Frage eine Parlamentskommission eingesetzt. Diese bezifferte vor drei Jahren in einem Gutachten die Reparationshöhe mit eben diesen 1,3 Billionen Euro.
Merz versichert Polen Beistand gegen russische BedrohungÂ
Steinmeier begrĂŒĂte seinen rechtskonservativen Kollegen mit militĂ€rischen Ehren vor dem Schloss Bellevue. Nach dem obligatorischen Eintrag ins GĂ€stebuch fĂŒhrten beide ihr GesprĂ€ch miteinander. AnschlieĂend fuhr Nawrocki weiter ins Kanzleramt zum Meinungsaustausch mit Merz.Â
Merz versicherte Nawrocki die SolidaritĂ€t Deutschlands beim Schutz vor der Bedrohung aus Russland. Der Kanzler habe in dem GesprĂ€ch im Kanzleramt unterstrichen, dass Deutschland «fest und unverbrĂŒchlich» an der Seite Polens stehe, teilte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille mit. Die gemeinsame Sicherung des Ostseeraums und der Nato-Ostflanke habe «hohe PrioritĂ€t».Â
Nach den jĂŒngsten Verletzungen des polnischen Luftraums durch russische Drohnen hatte Deutschland die militĂ€rische UnterstĂŒtzung fĂŒr das Nachbarland verstĂ€rkt. FĂŒr die Ăberwachung des Luftraums stehen nun vier statt zwei deutsche Eurofighter-Kampfjets bereit.
Die Reparationsforderungen Nawrockis blieben in der Mitteilung des Vize-Regierungssprechers zu dem Treffen unerwĂ€hnt. Dort hieĂ es aber: «Die Versöhnung mit Polen nach den GrĂ€ueln des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besatzung zu befördern, bleibe fĂŒr die Bundesregierung historische Verantwortung.»
Freundliches GesprÀch trotz der GegensÀtze bei Reparationen
Steinmeier und Nawrocki betonten in ihrem GesprÀch auch die Bedeutung einer engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit ihrer LÀnder. Nawrocki lud den BundesprÀsidenten zum Gegenbesuch nach Polen ein. Steinmeier nahm die Einladung an. Trotz der gegensÀtzlichen Positionen in der Reparationsfrage fand das GesprÀch nach dpa-Informationen in einer freundlichen und konstruktiven AtmosphÀre statt.
Keine Pressekonferenzen nach den GesprÀchen
Nach den GesprĂ€chen im Schloss Bellevue und im Kanzleramt fanden keine Pressekonferenzen statt, was bei einem so wichtigen Partner Deutschlands wie Polen ungewöhnlich ist. Dies hatte schon vor dem Besuch zu kritischen Nachfragen von Hauptstadtjournalisten gefĂŒhrt. Auch polnische Medien zitierten Nawrocki zu seinem Besuch in Berlin lediglich mit dessen Post auf dem Portal X.Â
Merz will Neustart der Beziehungen
Merz hatte unmittelbar nach seiner Wahl zum Kanzler im Mai erst Frankreich und dann sofort Polen besucht. Er strebt nach eigenen Worten mit beiden Staaten einen «Neustart» in den beiderseitigen Beziehungen an.
Das VerhĂ€ltnis zu Polen trĂŒbte sich allerdings durch die neue Migrationspolitik der schwarz-roten Koalition mit der ZurĂŒckweisung auch von Asylsuchenden erst einmal ein. Polen reagierte darauf mit der EinfĂŒhrung eigener Kontrollen an der Grenze zu Deutschland. Nawrocki warf Deutschland vor, es habe «Polen illegale Migranten zugeschoben». Das Thema Migration spielte dem Vernehmen nach auch bei den GesprĂ€chen jetzt in Berlin eine Rolle.









