Umstrittenes Trump-Dekret: Aufruf zu Protesten in Washington
12.08.2025 - 04:37:54Gegner von US-PrĂ€sident Donald Trump mobilisieren zu Protesten gegen seine AnkĂŒndigung, die Polizei in Washington unter Bundeskontrolle zu stellen und Soldaten in der US-Hauptstadt einzusetzen. In sozialen Medien wurde ĂŒber lokale Accounts zu Protestaktionen aufgerufen: Anwohner sollten Plakate in ihre Fenster hĂ€ngen und abends unter anderem auf Töpfe einschlagen, um ihrem Unmut Luft zu machen. Auf einer beliebten Ausgehmeile in der Innenstadt blockierten einige Dutzend Demonstranten zeitweise den Verkehr. GröĂere Proteste gab es zunĂ€chst aber nicht, am Abend (Ortszeit) blieb die Lage weitgehend ruhig.
Trump hatte am Montag per Dekret angeordnet, dass die Polizei im Hauptstadtbezirk Washington wegen angeblich ausufernder KriminalitĂ€t vorerst unter den Befehl von Justizministerin Pam Bondi gestellt wird. AuĂerdem sollten zunĂ€chst 800 Soldaten der Nationalgarde zum Einsatz kommen. Bei Bedarf will Trump noch mehr EinsatzkrĂ€fte mobilisieren, um - so die offizielle BegrĂŒndung - die öffentliche Sicherheit in der Hauptstadt wiederherzustellen. Der Fall erinnert an den heftig umstrittenen Einsatz von Soldaten auf den StraĂen der WestkĂŒstenmetropole Los Angeles im Juni, ist rechtlich aber anders gelagert.
«So sieht Faschismus aus», rief eine Teilnehmerin der Demo in der Innenstadt ĂŒbers Megafon. Eine andere sagte der Deutschen Presse-Agentur, sie wolle SolidaritĂ€t mit ihrer Stadt zeigen â Washington habe kein Problem mit KriminalitĂ€t. «Ich bin Tag und Nacht unterwegs. Es ist hier sehr sicher», erklĂ€rte Robyn Galbraith. Trump suche nur einen Vorwand, um von schlechten Umfragewerten und innenpolitischen Problemen abzulenken, sagte die pensionierte Lehrerin. Ihren Kindern drohe ein Leben unter «einem autoritĂ€ren Regime».
Medien sprechen von Novum in der US-Geschichte
Trump behauptet, die örtliche Regierung der US-Hauptstadt habe die Kontrolle ĂŒber die Sicherheit verloren. Er stĂŒtzt sein ungewöhnliches Dekret auf ein Gesetz namens «Home Rule Act», das im Notstand die Polizei in Washington unter Bundeskommando stellt - und sagt SĂ€tze wie: «Wir werden unsere Hauptstadt zurĂŒckerobern.» US-Medien zufolge ist es das erste Mal, dass ein PrĂ€sident die Polizei in Washington unter Bundeskontrolle bringt.
Die zum US-Heer gehörende Nationalgarde war hingegen schon hĂ€ufiger in der Hauptstadt aktiv. Zwar haben ĂŒblicherweise die Bundesstaaten die Kontrolle ĂŒber diese militĂ€rische Reserveeinheit. In besonderen Lagen - etwa bei Naturkatastrophen, Unruhen und NotfĂ€llen im Inneren - kann der PrĂ€sident sie aber unter Bundeskommando stellen. Im Sonderfall der US-Hauptstadt, die kein eigener Bundesstaat ist, untersteht die Nationalgarde ohnehin direkt dem PrĂ€sidenten.
Laut dem US-Sender CNN schien es vor Trumps AnkĂŒndigung nur wenig Abstimmung mit der demokratischen BĂŒrgermeisterin Muriel Bowser gegeben zu haben. Unklar sei deshalb auch, wie genau das Zusammenspiel zwischen lokalen und Bundesbehörden funktionieren solle.Â
Andere Stadt, gleicher Vorwurf
Der Vorwurf, die Regierung setze sich auf Kosten der eigentlich zustĂ€ndigen Behörden vor Ort in Szene, steht auch jetzt wieder im Raum - so wie schon vor einigen Wochen in Los Angeles. Damals schickte Trump nach Protesten gegen Abschieberazzien der Einwanderungsbehörde ICE zur Abschreckung zeitweise Soldaten in die StraĂen der Millionenstadt - gegen den ausdrĂŒcklichen Willen von Kaliforniens demokratischem Gouverneur Gavin Newsom. Kritiker werteten das als Tabubruch. Der Streit wird lĂ€ngst vor Gericht ausgefochten.
Einsatz maximal 30 Tage ohne Kongresszustimmung
Der US-PrĂ€sident darf die lokale Polizei von Washington zunĂ€chst bis zu 48 Stunden unter Bundeskontrolle stellen, bevor er das Parlament informieren muss. Ohne Zustimmung beider Kongresskammern â Senat und ReprĂ€sentantenhaus â kann es höchstens 30 Tage dabei bleiben. Danach ist eine Abstimmung erforderlich. Das Parlament ist allerdings gerade in der Sommerpause, weshalb wohl eine Sonderregelung greifen dĂŒrfte, die Trump etwas mehr Zeit verschafft.
Polizeistatistiken widersprechen Trumps Darstellung
Im Dekret wird ferner als Argument aufgefĂŒhrt, dass es im Bundesdistrikt Washington «eine der höchsten Raub- und Mordraten unter den GroĂstĂ€dten des Landes» gebe.
Ein Blick auf die KriminalitĂ€tsstatistik der örtlichen Polizei zeigt indes einen RĂŒckgang der gemeldeten Delikte. Demnach sank die Zahl der Gewaltverbrechen bis Anfang August dieses Jahres gegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum um gut ein Viertel. Die Gesamtzahl aller Delikte ging um sieben Prozent zurĂŒck. Auch zwischen 2023 und 2024 nahm die Zahl der gemeldeten Verbrechen ab. Laut der Staatsanwaltschaft des Hauptstadtbezirks war 2024 das Jahr mit den wenigsten Gewaltverbrechen seit 30 Jahren.
Trump macht seit Wochen Stimmung gegen Kriminelle und auch Obdachlose in Washington. «Die Obdachlosen mĂŒssen wegziehen, SOFORT», hatte er am Sonntag auf seiner Plattform Truth Social geschrieben. Dazu postete er Fotos, die Zelte und MĂŒll am StraĂenrand zeigen - versehen mit der AnkĂŒndigung: «Wir werden euch UnterkĂŒnfte anbieten, aber WEIT WEG von der Hauptstadt.»





