BestÀtigung, Trump-Sieg

BestÀtigung von Trump-Sieg: Wahlleute in den USA stimmen ab

17.12.2024 - 17:02:09

Der PrÀsident wird in den USA nicht direkt vom Volk gewÀhlt - sondern indirekt. Hier kommen die Wahlleute ins Spiel. Sie richten sich bei ihrer Abstimmung nach dem Ergebnis in ihrem Bundesstaat.

Mit der Abstimmung der Wahlleute in den US-Bundesstaaten rĂŒckt die AmtsĂŒbernahme des designierten PrĂ€sidenten Donald Trump nĂ€her. Den Anfang machten am Dienstagmorgen (Ortszeit) die zehn Wahlleute in Maryland an der OstkĂŒste. Sie gaben ihre Stimmen fĂŒr US-Vize Kamala Harris ab, die den Bundesstaat bei der PrĂ€sidentschaftswahl am 5. November geholt hatte. Über den Tag verteilt stimmen insgesamt 538 Wahlleute in den Bundesstaaten ab. Der Vorgang ist eine Formalie, Überraschungen sind nicht zu erwarten. Auf den Republikaner Trump entfallen 312 Wahlleute, wĂ€hrend die Demokratin Harris auf 226 Wahlleute kommt. 

Jeder Wahlmann und jede Wahlfrau bekommt einen eigenen Stimmzettel, der inklusive Unterschrift an VizeprĂ€sidentin Harris in ihrer Funktion als PrĂ€sidentin des US-Senats ĂŒbermittelt wird. Kopien gehen an den StaatssekretĂ€r des Bundesstaates, den Vorsitzenden Richter des Bezirks, in dem die Wahlleute zusammenkommen, und an das Nationalarchiv der USA in Washington. Das offizielle Ergebnis wird erst am 6. Januar im Kongress bekanntgegeben, der 47. PrĂ€sident der Vereinigten Staaten zwei Wochen spĂ€ter vereidigt.

Klarer Wahlsieg gegen Harris

Trump hatte die Wahl im November klar gegen Harris gewonnen. Er konnte nicht nur in allen entscheidenden «Swing States» siegen, sondern war auch der erste Republikaner seit George W. Bush im Jahr 2004, der die absolute Mehrheit der abgegebenen WÀhlerstimmen («Popular Vote») erhielt. 

WĂ€hrend der «Popular Vote» die Gesamtzahl der Stimmen aller WĂ€hlerinnen und WĂ€hler im ganzen Land widerspiegelt, ist fĂŒr den Wahlsieg die Mehrheit im Wahlleutegremium entscheidend. Dieses System beruht auf dem komplizierten «Winner take all»-Prinzip - dadurch kann es vorkommen, dass ein US-PrĂ€sident gewĂ€hlt wird, auch wenn er landesweit weniger Stimmen erhalten hat als sein Gegner oder seine Gegnerin.

Der formelle Abschluss des Wahlprozesses erfolgt mit der AmtseinfĂŒhrung des neuen PrĂ€sidenten am 20. Januar. Bei einer feierlichen Zeremonie vor dem Kapitol in Washington wird Trump seinen Amtseid ablegen («Inauguration»). 

Pressekonferenz in Mar-a-Lago

Zu Wochenbeginn nutzte Trump seine erste ausfĂŒhrliche Pressekonferenz seit der Wahl, um auf Fragen von Reportern zu innen- und außenpolitischen Themen einzugehen. Dabei wirkten seine Antworten teils unsortiert - er schweifte hĂ€ufig ab, wiederholte sich und fĂŒgte persönliche Anekdoten ein. Der designierte PrĂ€sident sprach in seinem Anwesen Mar-a-Lago im Bundesstaat Florida unter anderem ĂŒber ...

  • ... seine Einwanderungspolitik: Trump bekrĂ€ftigte seine PlĂ€ne fĂŒr Massenabschiebungen und erklĂ€rte, die betroffenen LĂ€nder wĂŒrden die Migranten schon «zurĂŒcknehmen». Andernfalls werde es «wirtschaftlich sehr harte» Konsequenzen geben. Zudem signalisierte er, den Bau der Grenzmauer zu Mexiko fortsetzen zu wollen. Ob die LĂ€nder Migranten tatsĂ€chlich umfassend zurĂŒcknehmen wĂŒrden oder ĂŒberhaupt könnten, ist unklar - das hĂ€ngt stark von bilateralen Abkommen, politischem Druck und den KapazitĂ€ten der einzelnen Staaten ab.
     
  • ... den Ukraine-Krieg: Trump verurteilte die Entscheidung des amtierenden PrĂ€sidenten Joe Biden, der Ukraine Angriffe mit weitreichenden westlichen Waffen auf russisches Staatsgebiet zu erlauben, als «sehr dumm». Er schloss nicht aus, den Beschluss nach seinem Amtsantritt rĂŒckgĂ€ngig zu machen. Trump forderte außerdem ein schnelles Ende des Krieges, ohne jedoch konkrete Maßnahmen dafĂŒr zu benennen. Fragen zu GesprĂ€chen mit Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin und territorialen ZugestĂ€ndnissen der Ukraine ließ er unbeantwortet.
     
  • ... den Nahost-Konflikt: Trump bezeichnete die TĂŒrkei als SchlĂŒsselakteur in Syrien. Auf die Frage, ob er Angriffe auf iranische Atomanlagen in Betracht ziehe, wollte er keine direkte Antwort geben. Seinen jĂŒngsten Austausch mit dem israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu bezeichnete Trump als «sehr gutes GesprĂ€ch». Mit Blick auf die BemĂŒhungen zur Befreiung der Geiseln im Gazastreifen warnte er, es werde «unangenehm», sollte dies nicht bis zu seiner AmtsĂŒbernahme am 20. Januar geschehen.

Parlamentarischer RĂŒckenwind

Bei den zeitgleich mit der PrĂ€sidentschaftswahl stattfindenden Kongresswahlen in den USA sicherten sich die Republikaner sowohl im Senat als auch im ReprĂ€sentantenhaus die Mehrheit. Damit verfĂŒgt Trump ĂŒber eine mĂ€chtige Ausgangsposition fĂŒr die Umsetzung seiner politischen Agenda. Offen bleibt, ob er sich stĂ€rker mit fĂŒhrenden Republikanern abstimmen oder – wie in der Vergangenheit – eine eher impulsive und eigenstĂ€ndige Linie verfolgen wird.

@ dpa.de