Polens neuer PrÀsident Karol Nawrocki vereidigt
06.08.2025 - 10:20:13Polens neuer rechtskonservativer PrĂ€sident Karol Nawrocki ist bei Amtsantritt auf deutlichen Konfrontationskurs zur Regierung von Donald Tusk gegangen. «Ich werde die Stimme der BĂŒrger sein, die SouverĂ€nitĂ€t wollen, die Sicherheit wollen», sagte Nawrocki nach der Vereidigung in seiner Antrittsrede. Er werde entschieden und konsequent vorgehen. «Nein zu illegaler Migration, ja zum Zloty, nein zum Euro.»
Der 42 Jahre alte parteilose Historiker, der von der rechtskonservativen Oppositionspartei PiS unterstĂŒtzt wurde, war aus der Stichwahl Anfang Juni als Gewinner hervorgegangen. Der Sieg des politischen Newcomers Nawrocki ĂŒber den liberalen Warschauer OberbĂŒrgermeister Rafal Trzaskowski war eine schwere politische Niederlage fĂŒr die proeuropĂ€ische Regierung von MinisterprĂ€sident Tusk.Â
Es wird erwartet, dass der Trump-Fan und EU-Skeptiker Nawrocki versuchen wird, einen Kurswechsel in Polen herbeizufĂŒhren - mit Folgen fĂŒr Deutschland und Europa. Im Wahlkampf hatte er antideutsche und antieuropĂ€ische Töne von sich gegeben.
Nawrocki ist Nachfolger von Andrzej Duda, der nach zwei Amtszeiten ausscheiden muss. Traditionell legt der PrĂ€sident in Polen seinen Amtseid vor der Nationalversammlung ab, die aus beiden Kammern des Parlaments besteht. MinisterprĂ€sident Tusk verfolgte die Vereidigung und Rede Nawrockis mit versteinerter Miene.Â
«Die EU darf Polen keine Kompetenzen entziehen»
In seiner Rede betonte Nawrocki, er werde die Beziehungen Polens zur EU pflegen. «Aber ich werde niemals zustimmen, dass die EU Polen Kompetenzen entzieht, insbesondere in Angelegenheiten, die nicht in den EuropÀischen VertrÀgen verankert sind, und daran sollte sich nichts Àndern.»
Der neue Staatschef betonte die Bedeutung internationaler Allianzen fĂŒr sein Land, darunter auch die mit den USA. Er erklĂ€rte, dass er sich um die Position Polens in der Nato kĂŒmmern werde. «Polen sollte eine fĂŒhrende Rolle beim Aufbau der StĂ€rke, des Immunsystems und der Verantwortung fĂŒr die Ostflanke der Nato ĂŒbernehmen», sagte er.
Polen soll kein Zulieferbetrieb mehr fĂŒr den Westen sein
Polen ist einer der wichtigsten politischen und militĂ€rischen UnterstĂŒtzer der von Russland angegriffenen Ukraine. Das Land fĂŒhlt sich auch selbst von Russland bedroht und rĂŒstet massiv auf. Nawrocki versicherte, er werde alle ModernisierungsbemĂŒhungen der polnischen Armee unterstĂŒtzen und sich dafĂŒr einsetzen, dass sie die gröĂte Nato-Streitmacht innerhalb der EU werde.
Der neue PrĂ€sident will sich zudem fĂŒr den umstrittenen Bau eines GroĂflughafens in der NĂ€he von Warschau und den Ausbau polnischer HĂ€fen einsetzen. «Wir können nicht lĂ€nger ein Zulieferbetrieb fĂŒr unsere westlichen Nachbarn und die gesamte EU sein», sagte er. Polen mĂŒsse auch gegenĂŒber Westeuropa wettbewerbsfĂ€hig werden.
Nawrocki will Justiz reparieren - GelÀchter von Regierungsbank
GelÀchter von den Abgeordneten des Regierungslagers erntete Nawrocki, als er die Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit und die Reparatur des Justizwesens anmahnte. Die rechtskonservative PiS, der er nahe steht, hatte in ihrer Regierungszeit von 2015 bis 2023 das Justizsystem nach ihren Vorstellungen umgebaut.
Die EU-Kommission sah die UnabhĂ€ngigkeit der Justiz dadurch gefĂ€hrdet und leitete ein sogenanntes Artikel-7-Verfahren gegen Polen ein - dieses kann am Ende sogar zu einem Entzug der Stimmrechte bei EU-Entscheidungen fĂŒhren. Das Verfahren wurde erst gestoppt, nachdem die seit Dezember 2023 amtierende Mitte-Links-Regierung von Tusk einen Reformplan zur Beseitigung der Defizite vorgelegt hatte.
Allerdings mĂŒht sich Tusks Regierung seitdem damit ab, die Justizreformen der PiS zurĂŒckzudrehen. Dies hat stellenweise zu noch mehr Chaos im Justizwesen gefĂŒhrt. Nawrocki kĂŒndigte an, ein neuer Rat beim PrĂ€sidenten solle sich mit der Neugestaltung befassen. Auch möchte er bis zum Jahr 2030 eine neue Verfassung ausarbeiten lassen.Â
Polens PrÀsident hat viel Macht
In Polen wird das Staatsoberhaupt fĂŒr eine Amtszeit von fĂŒnf Jahren gewĂ€hlt und hat mehr Vollmachten als etwa der BundesprĂ€sident in Deutschland. Der PrĂ€sident darf die Linien der AuĂenpolitik mitbestimmen, ist Oberbefehlshaber der StreitkrĂ€fte und kann vom Parlament beschlossene Gesetze mit seinem Vetorecht stoppen. So kann er zwar nicht mitregieren, aber das Regieren erheblich erschweren.Â
Nawrocki hatte noch nie ein politisches Amt inne. Zuletzt war er Direktor des Instituts fĂŒr Nationales Gedenken (IPN), das in etwa der mittlerweile aufgelösten Stasi-Unterlagen-Behörde in Deutschland entspricht. Seinen Aufstieg verdankt er dem mĂ€chtigen PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski, einem politischen Erzfeind Tusks. Seit Nawrockis Wahlerfolg wittert die PiS ihre Chance auf eine RĂŒckkehr an die Macht - zumal Regierungschef Tusk abgeschlafft wirkt und zuletzt unglĂŒcklich agierte.Â
Tusk reagierte scharf auf Nawrockis Antrittsrede. «Ich hoffe, dass dieser manchmal recht abschĂ€tzige und konfrontative Ton keine praktischen Konsequenzen haben wird», sagte er. In der Rede sei zu spĂŒren gewesen, dass der neue Staatschef gerne ĂŒber die Kompetenzen der Regierung und des MinisterprĂ€sidenten verfĂŒgen wĂŒrde. «Aber wenn es sein muss, werden wir als HĂŒter der Verfassung und der Regeln hart bleiben.»
Amateurboxer, TĂŒrsteher und Trump-Fan
Der gebĂŒrtige Danziger Nawrocki gibt gern den harten Kerl. Er wuchs im Arbeiterviertel Sielce auf und holte als junger Mann einen Titel im Amateurboxen. WĂ€hrend des Studiums jobbte er als TĂŒrsteher in einem Luxushotel im Ostseebadeort Sopot. Aus dieser Zeit werden ihm gute Kontakte zum Rotlichtmilieu nachgesagt.
Der Trump-Fan steht fĂŒr die Politik der PiS. Der Vater von zwei Kindern, dessen Frau ihren Ă€ltesten Sohn als drittes Kind mit in die Ehe brachte, will polnische traditionelle Werte bewahren. Als kĂŒrzlich ultrarechte BĂŒrgerwehren an der deutsch-polnischen Grenze eigenmĂ€chtige Patrouillen organisierten, um Migranten zu stoppen, lobte Nawrocki dies als «BĂŒrgerengagement».













