Warum Ex-PrĂ€sident RaĂșl Castro in Kuba so wichtig ist
22.05.2026 - 04:09:03 | dpa.deRaĂșl Castro ist ein KĂ€mpfer der ersten Stunde: Er war schon dabei, als sein Bruder Fidel Castro die Karibikinsel Kuba im Jahr 1959 in einen sozialistischen BrĂŒckenkopf direkt vor den Toren der USA verwandelte. Fast sieben Jahrzehnte spĂ€ter will sich US-PrĂ€sident Donald Trump das Ărgernis 145 Kilometer entfernt von Florida endgĂŒltig vom Leib schaffen, und der 94 Jahre alte kubanische Ex-PrĂ€sident steht wieder im Fokus des Konflikts mit den Vereinigten Staaten. Warum ist er so wichtig?
Obwohl RaĂșl Castro sich â abgesehen von seinem eher symbolischen Sitz in der Nationalversammlung â schon seit einigen Jahren aus der aktiven Politik zurĂŒckgezogen hat, fiel sein Name zuletzt immer wieder. Sei es im Zusammenhang mit vertraulichen GesprĂ€chen zwischen der US-Regierung und Havanna oder wegen der Anklage, die die USA kĂŒrzlich gegen den General a.D. erhoben haben.Â
Dabei geht es um den Abschuss von zwei Cessna-Flugzeugen einer exilkubanischen Organisation durch die kubanische Luftwaffe im Jahr 1996, bei dem vier Menschen ums Leben kamen. Castro war damals Verteidigungsminister. Der amtierende US-Justizminister Todd Blanche will ihn dafĂŒr in den Vereinigten Staaten vor Gericht bringen. «Wir erwarten, dass er sich entweder freiwillig oder auf andere Weise hier einfinden wird», sagte er in Miami. NĂ€here Angaben dazu machte er nicht.Â
Der jĂŒngere Bruder des verstorbenen RevolutionsfĂŒhrers Fidel Castro ist in Kuba nicht irgendjemanden. «RaĂșl es RaĂșl» (RaĂșl ist RaĂșl), heiĂt es derzeit oft in den sozialen Netzwerken der kubanischen Regierung als Reaktion auf die Anklage der USA. Er steht fĂŒr das politische Erbe seiner Familie, die das Schicksal der Insel ĂŒber ein halbes Jahrhundert prĂ€gte.
RaĂșl Castro war bei der Landung der Jacht «Granma» zu Beginn der Revolution in Kuba mit der ersten Handvoll Rebellen sowie als GuerillakĂ€mpfer gegen die Diktatur von Fulgencio Batista in den Bergen der Sierra Maestra dabei. SpĂ€ter wurde er mĂ€chtiger MilitĂ€rchef und PrĂ€sident. Er gilt weiterhin als SchlĂŒsselfigur auf der Insel, obwohl er seit einigen Jahren weder ein Regierungsamt noch eine FĂŒhrungsposition in der Kommunistischen Partei innehat.
RaĂșl Castro hat Einfluss auf die Wirtschaft und das MilitĂ€rÂ
RaĂșl Castro regierte Kuba ab 2006 zunĂ€chst provisorisch, spĂ€ter offiziell zwischen 2008 und 2018. WĂ€hrend seiner Amtszeit kam es zu einigen wirtschaftlichen Reformen sowie zu einem vorsichtigen Tauwetter in den Beziehungen zur US-Regierung unter dem damaligen US-PrĂ€sidenten Barack Obama. 2016 empfing er Obama in Havanna zum ersten Besuch eines US-PrĂ€sidenten auf Kuba seit mehr als 80 Jahren.
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Als langjĂ€hriger Verteidigungsminister von 1959 bis 2008 und bedeutendster verbliebener Vertreter der Guerillageneration verfĂŒgt RaĂșl Castro ĂŒber groĂen Einfluss innerhalb des MilitĂ€rs. Er prĂ€gte auch die heutige Wirtschaftsstruktur Kubas, in der das MilitĂ€r ĂŒber den Konzern Gaesa groĂe Teile der Wirtschaft kontrolliert â darunter Tourismus, Bauwesen, Hafenlogistik und Finanzdienstleistungen.
Rubio ist vom Verlauf der Verhandlungen enttĂ€uschtÂ
Nach EinschĂ€tzung von Experten wollen die USA mit den VorwĂŒrfen gegen RaĂșl Castro den Druck auf Kuba weiter erhöhen, um wirtschaftliche und politische Reformen im Sinne der US-Interessen zu forcieren. US-AuĂenminister Marco Rubio zeigte sich zuletzt wenig optimistisch hinsichtlich einer Einigung mit Havanna. «Die Wahrscheinlichkeit, dass das geschieht, ist angesichts der Menschen, mit denen wir es derzeit zu tun haben, nicht hoch», sagte er. Einer dieser Menschen, auf die er sich bezieht, dĂŒrfte RaĂșl Castro sein.Â
Im MĂ€rz sagte der kubanische PrĂ€sident Miguel DĂaz-Canel, dass Castro an der Gestaltung des Verhandlungsprozesses mit Washington beteiligt sei. Ein Enkel Castros, der als sein engster Vertrauter gilt, soll Medienberichten zufolge Washingtons Hauptansprechpartner sein â oder gewesen sein. Ohne Castros Zustimmung dĂŒrfte sich derzeit auf dem Verhandlungstisch wenig bewegen.
Kuba-Experte: Die Fronten dĂŒrften sich verhĂ€rten
Die US-EnttĂ€uschung ĂŒber die Verhandlungen, die kaum vorankommen, und die Anklage fallen zeitlich zusammen. Einige Kuba-Experten halten einen US-MilitĂ€reinsatz wie im Januar in Venezuela zur Gefangennahme des inzwischen entmachteten Staatschefs NicolĂĄs Maduro fĂŒr unwahrscheinlich. Auch Rubio bevorzugt eine friedliche Lösung. «Das ist immer unsere PrĂ€ferenz», sagte der US-AuĂenminister.
Die Anklage gegen RaĂșl Castro dĂŒrfte die Fronten allerdings weiter verhĂ€rten, wie der mexikanische Kuba-Experte Ricardo Pascoe im Podcast «Broojula» sagte. Nicht nur unter den Exilkubanern in Miami, sondern auch auf Kuba hat sich die Rhetorik verschĂ€rft.Â
Kuba hat heute zu einer Kundgebung vor der US-Botschaft in Havanna zur UnterstĂŒtzung von Castro aufgerufen. Die «Helden des Vaterlandes» dĂŒrfe man nicht missachten, schrieb PrĂ€sident DĂaz-Canel auf der Plattform X in Bezug auf Castro. Der erneute Angriff der USA habe die Kubaner noch enger zusammengebracht, und den antiimperialistischen Geist des Landes gestĂ€rkt, sagte er. «Der General ist Kuba, und Kuba verdient Respekt.»
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