Putin, Befehlshaber

Putin trifft chinesischen Befehlshaber in Moskau

08.11.2023 - 15:26:28

Der russische PrĂ€sident und ein ranghoher chinesischer Befehlshaber bekrĂ€ftigen ihre MilitĂ€rkooperation - warum die Zusammenarbeit fĂŒr Putin eine bedeutende Rolle spielt.

Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin hat in Moskau Chinas ranghohen Befehlshaber Zhang Youxia zu GesprĂ€chen ĂŒber einen Ausbau ihrer militĂ€rischen Kooperation getroffen. Die Zusammenarbeit mit China im militĂ€rischen Hochtechnologiebereich stehe an vorderster Stelle, sagte Putin im Kreml.

Zhang Youxia, der stellvertretende Vorsitzende von Chinas Zentraler MilitĂ€rkommission und damit zweithöchster Befehlshaber der StreitkrĂ€fte nach Staats- und Parteichef Xi Jinping ist, lobte laut russischer Übersetzung Moskaus FĂ€higkeit, den westlichen Sanktionen standzuhalten.

Putin: Zusammenarbeit spielt bedeutende Rolle

Der Westen wirft China vor, Russland in seinem Krieg gegen die Ukraine mit Waffen zu unterstĂŒtzen. Putin sagte bei dem Treffen, dass die Zusammenarbeit Moskaus und Pekings eine bedeutende Rolle bei der Stabilisierung der internationalen Lage spiele.

Nach dem Treffen dĂŒrfte sich Xi in Peking ĂŒber die aktuelle Situation in Russlands Krieg informieren. Er will kommende Woche in San Francisco auch mit US-PrĂ€sident Joe Biden zusammentreffen. China, das sich als neutral bezeichnet in dem Konflikt, hatte zu Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine aufgerufen.

China und Russland wollen ihre Beziehungen im militÀrischen Bereich und die Zusammenarbeit ihrer Armeen ausweiten, wie Zhang Youxia der Agentur Interfax zufolge sagte. Er sprach demnach von einer «allumfassenden Partnerschaft und einer strategischen Zusammenarbeit auf höchstem Niveau».

China derzeit ohne Verteidigungsminister

China hat derzeit keinen Verteidigungsminister, nachdem Peking Li Shangfu vor wenigen Wochen offiziell abgesetzt hatte. Ein Grund dafĂŒr wurde offiziell bislang nicht genannt. Beobachter spekulieren, dass gegen Li wegen Korruption ermittelt wurde. Normalerweise vertritt der Verteidigungsminister Chinas militĂ€rische Belange im Ausland.

JĂŒngst hatte das US-Finanzministerium mehrere chinesische Firmen wegen ihrer Verbindungen zu Russland auf eine Sanktionsliste gesetzt. Ihnen wurde vorgeworfen, Russland in seinem Krieg gegen die Ukraine zu helfen. China kritisierte die Entscheidung und forderte, die USA sollten aufhören, Chinas Firmen unangemessen zu unterdrĂŒcken.

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu erklÀrte, dass die militÀrische Zusammenarbeit Moskaus und Pekings nicht gegen Drittstaaten gerichtet sei. «Wir schmieden im Unterschied zu einigen aggressiven Staaten des Westens keinen militÀrischen Block», sagte Schoigu mit Blick auf die Nato.

Ukraine verlÀngert Kriegsrecht und Mobilmachung

Angesichts der weiter anhaltenden KĂ€mpfe gegen die russischen Truppen hat die Ukraine das geltende Kriegsrecht sowie die allgemeine Mobilmachung um weitere 90 Tage bis zum 14. Februar verlĂ€ngert. FĂŒr beide Gesetze stimmte jeweils eine deutliche Zweidrittelmehrheit im Parlament, wie ukrainische Medien berichteten. Kriegsrecht und Mobilmachung waren unmittelbar nach Beginn der russischen Invasion vor mehr als 20 Monaten eingefĂŒhrt worden.

Da ein Kriegsende nicht in Sicht ist, wurde die Geltungsdauer seitdem mehrfach verlĂ€ngert. MĂ€nner im wehrpflichtigen Alter zwischen 18 und 60 Jahren dĂŒrfen das osteuropĂ€ische Land daher nur in AusnahmefĂ€llen verlassen.

Deutschland beendet Einsatz von Flugabwehrsystemen in Polen

Die Bundeswehr wird den Einsatz von Soldaten mit dem Flugabwehrsystem Patriot in Polen am Freitag beenden. Der Luftverteidigungsauftrag werde wieder von Polen ĂŒbernommen, teilte das Verteidigungsministerium in Berlin mit.

Die deutschen Patriot-Einsatzstaffeln waren im Januar bei Zamosc im SĂŒdosten Polens im Einsatz, um den Luftraum des Landes nach einem tödlichen Raketeneinschlag zu schĂŒtzen. Die Stadt liegt unweit der Grenze zur Ukraine. UrsprĂŒnglich sollten die Patriot-Systeme fĂŒr ein halbes Jahr dort stationiert sein. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) dankte den Soldaten am Mittwoch und erklĂ€rte: «Polen und Deutschland, Schulter an Schulter beim Schutz der Nato-Ostflanke - das ist fĂŒr mich ein ganz wichtiges Zeichen der SolidaritĂ€t im BĂŒndnis sowie der Freundschaft und Verbundenheit zwischen unseren Nationen.»

Berichte: Kiews Truppen bringen gepanzerte Technik ĂŒber den Dnipro

Die ukrainischen Truppen haben russischen Berichten zufolge ihre PrĂ€senz am sĂŒdlichen Ufer des Flusses Dnipro im sĂŒdukrainischen Gebiet Cherson ausgebaut. Es gebe Anzeichen fĂŒr die Verlegung von gepanzerter Technik ĂŒber den Fluss, teilte das US-Institut fĂŒr Kriegsstudien ISW (Ortszeit) unter Berufung auf russische MilitĂ€rblogger mit. Zudem sollen inzwischen mehr als 300 ukrainische Soldaten auf das vorher russisch kontrollierte Ufer beim Dorf Krynky ĂŒbergesetzt haben. Von ukrainischer Seite lagen keine BestĂ€tigungen dafĂŒr vor.

Das ukrainisch kontrollierte Ufer am Unterlauf des Dnipro wird seit Wochen massiv von russischer Artillerie beschossen und von der russischen Luftwaffe bombardiert. Der Großteil des Gebiets Cherson ist weiter von russischen Truppen besetzt.

Luhansk: Prominenter Besatzungsvertreter bei Autoexplosion getötet

Ein prominenter Vertreter der russischen Besatzungsverwaltung im ostukrainischen Gebiet Luhansk ist ĂŒbereinstimmenden Angaben zufolge bei einem Anschlag getötet worden. Im Auto des 48 Jahre alten Michail Filiponenko sei ein Sprengsatz detoniert, meldeten mehrere staatliche russische Nachrichtenagenturen. In einer Mitteilung bekannte sich der ukrainische MilitĂ€rgeheimdienst zu dem Anschlag. «Alle Kriegsverbrecher und Kollaborateure erhalten ihre gerechte Strafe!», erklĂ€rte die Behörde.

Filiponenko soll der ukrainischen Behörde zufolge fĂŒr Folter in dem von Russland völkerrechtswidrig annektierten Gebiet verantwortlich gewesen sein und auch selbst brutal gefoltert haben.

Der 1975 in der damals noch zur Sowjetunion gehörenden Ukraine geborene Filiponenko arbeitete schon lange vor Russlands offiziellem Einmarsch in die Ukraine fĂŒr Moskauer Interessen. Nachdem von Moskau gesteuerte KrĂ€fte 2014 mit der Abspaltung von Luhansk begonnen hatten, fĂŒhrte Filiponenko zwischenzeitlich die Miliz der abtrĂŒnnigen Region an. Zuletzt war er Abgeordneter im Parlament des mittlerweile von Russland einverleibten Gebiets. Medienberichten zufolge hatte es bereits in der Vergangenheit Anschlagsversuche auf ihn gegeben.

@ dpa.de