Biden, Todesurteile

Biden wandelt 37 Todesurteile in Haftstrafen um

23.12.2024 - 11:01:35

Der scheidende US-PrĂ€sident spricht sich gegen die Todesstrafe auf Bundesebene aus. Sein Nachfolger Donald Trump ist komplett anderer Meinung. FĂŒr drei Todeskandidaten macht das keinen Unterschied.

Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit wandelt US-PrĂ€sident Joe Biden die Todesurteile Dutzender Personen in lebenslange Haftstrafen ohne BewĂ€hrung um. Das Weiße Haus veröffentlichte die Namen der 37 nach Bundesrecht verurteilten Betroffenen, ĂŒber die sich Biden als erklĂ€rter Gegner der Todesstrafe wie folgt Ă€ußerte: «TĂ€uschen Sie sich nicht: Ich verurteile diese Mörder, trauere um die Opfer ihrer verabscheuungswĂŒrdigen Taten und leide mit all den Familien, die einen unvorstellbaren und endgĂŒltigen Verlust erlitten haben.» 

Dass er sich trotzdem so entschieden habe, begrĂŒndete der 82 Jahre alte Demokrat mit seinem Gewissen sowie seinen Erfahrungen als Pflichtverteidiger und Politiker. 

Moratorium dĂŒrfte unter Trump enden

«Ich bin mehr denn je davon ĂŒberzeugt, dass wir die Anwendung der Todesstrafe auf Bundesebene beenden mĂŒssen», betonte Biden. Unter seiner Ägide galt seit Juli 2021 ein Moratorium fĂŒr Hinrichtungen auf Bundesebene.

In den Bundesstaaten verurteilte Todeskandidaten kann der PrĂ€sident nicht begnadigen. Nach Angaben des Death Penalty Information Center sitzen derzeit mehr als 2.000 Menschen in den Todestrakten von US-GefĂ€ngnissen. Drei der insgesamt 40 auf Bundesebene zum Tode verurteilten HĂ€ftlinge hat Biden explizit von der Umwandlung ihrer Strafen ausgeschlossen – nĂ€mlich solche, die wegen Terrorismus oder durch Hass motivierte Massenmorde verurteilt wurden, darunter der ĂŒberlebende Boston-Marathon-AttentĂ€ter Dschochar Zarnajew.

«Ich kann nicht tatenlos zusehen, wie eine neue Regierung Hinrichtungen wieder aufnimmt, die ich ausgesetzt habe», erklĂ€rte Biden. Sein Nachfolger Donald Trump, der am 20. Januar das Amt ĂŒbernehmen wird, ist ein entschiedener BefĂŒrworter der Todesstrafe. Es wird angenommen, dass der Republikaner Bidens Moratorium beenden wird. Trumps Sprecher bezeichnete Bidens Entscheidung als «abscheulich». Sie sei ein Schlag ins Gesicht der Opfer und ihrer Angehörigen.

Trump hatte sich im Wahlkampf unter anderem fĂŒr die Hinrichtung von Migranten ausgesprochen, die US-BĂŒrger oder Polizisten getötet haben. In den letzten sieben Monaten seiner ersten Amtszeit ließ Trump 13 Hinrichtungen auf Bundesebene vollstrecken – so viele wie kein US-PrĂ€sident seit Jahrzehnten.

Haltung zur Todesstrafe Àndert sich

Die Todesstrafe ist in den USA noch auf Bundesebene, beim MilitĂ€r und in 27 Bundesstaaten erlaubt, wird jedoch de facto nicht mehr ĂŒberall vollstreckt. Zwar unterstĂŒtzen die meisten Amerikaner nach wie vor die Todesstrafe fĂŒr Mörder, doch ihre knappe Mehrheit in dieser Frage wird kontinuierlich kleiner.

Fortschritte in der Forensik sowie EnthĂŒllungen ĂŒber JustizirrtĂŒmer stellen die vermeintliche Schuld bereits hingerichteter StrĂ€flinge infrage. Gleichzeitig wird die Diskriminierung im Strafjustizsystem kritisiert – denn Studien zeigen, dass die Todesstrafe eher verhĂ€ngt wird, wenn die Opfer weiß sind. Außerdem erhalten Schwarze bei Ă€hnlichen Verbrechen oft hĂ€rtere Strafen als Weiße. Auch die QualitĂ€t der Rechtsvertretung spielt eine entscheidende Rolle und fĂŒhrt oft zu Ungleichheiten.

Große Begnadigungsaktion vor dem Abschied

Vor etwas mehr als einer Woche hatte Biden bereits die Haftstrafen von fast 1.500 Personen auf Bundesebene reduziert und 39 weitere begnadigt – eine Tradition, der viele US-PrĂ€sidenten am Ende ihrer Amtszeit folgen. Besonderes Aufsehen erregte die Begnadigung seines Sohnes Hunter Biden Anfang Dezember. Der 54-JĂ€hrige hatte Steuervergehen eingerĂ€umt und war zudem wegen VerstĂ¶ĂŸen gegen das Waffenrecht schuldig gesprochen worden.

@ dpa.de