SchĂŒsse auf Trump-Golfplatz schĂŒren Angst vor Gewaltspirale
16.09.2024 - 16:10:56 | dpa.deNach SchĂŒssen auf einem Golfklub von Ex-PrĂ€sident Donald Trump in Florida wĂ€chst in den USA nur wenige Wochen vor der Wahl die Sorge vor politischer Gewalt. Zwar sind noch viele Fragen offen zu dem, was sich am Sonntag in West Palm Beach ereignete und was die Bundespolizei FBI als einen möglichen weiteren Anschlagsversuch auf den republikanischen PrĂ€sidentschaftskandidaten wertet. Klar aber ist: Die Angst vor einer Eskalation der Gewalt im ohnehin aufgeheizten US-Wahlkampf ist enorm. Der Vorfall stellt Amerika, sein Volk und seine Demokratie einmal mehr auf die Probe.
Das FBI geht davon aus, dass ein mit einem Sturmgewehr bewaffneter Mann den republikanischen PrĂ€sidentschaftskandidaten Trump am Sonntagnachmittag (Ortszeit) beim Golfspielen in seinem Club erschieĂen wollte. Der Secret Service, der in den USA fĂŒr den Schutz hochrangiger Politiker zustĂ€ndig ist, entdeckte den VerdĂ€chtigen nach eigenen Angaben wenige hundert Meter von Trump entfernt in den BĂŒschen am Zaun um den Golfplatz und eröffnete das Feuer. Trump blieb unverletzt, der VerdĂ€chtige wurde kurz Zeit spĂ€ter festgenommen.
Erst im Juli hatte es einen schwerwiegenden Anschlag auf Trump gegeben, als ein SchĂŒtze in Butler im US-Bundesstaat Pennsylvania wĂ€hrend einer Wahlkampfveranstaltung das Feuer auf Trump eröffnete. Der Republikaner wurde am Ohr verletzt, ein Besucher kam ums Leben. SicherheitskrĂ€fte töteten den SchĂŒtzen, dessen Motiv bis heute nicht klar ist. Der Vorfall markierte eine ZĂ€sur im Wahlkampf. Politikerinnen und Politiker verurteilten ĂŒber Parteigrenzen hinweg jegliche politische Gewalt.Â
Warnungen vor Gewalt und Schuldzuweisungen
Auch auf den Vorfall in Florida folgte eine Verurteilung von Gewalt - aber es gab auch gefĂ€hrliche Provokationen und Schuldzuweisungen. Die demokratische PrĂ€sidentschaftskandidatin Kamala Harris verurteile politische Gewalt und mahnte: «Wir alle mĂŒssen unseren Teil dazu beitragen, dass dieser Vorfall nicht zu weiterer Gewalt fĂŒhrt.»Â
PrĂ€sident Joe Biden teilte mit, es gebe in Amerika keinen Platz fĂŒr politische oder irgendeine andere Art von Gewalt. Er stelle sicher, dass der Secret Service ĂŒber alle Ressourcen verfĂŒge, um Trump zu schĂŒtzen. Biden sagte am Montag auch, der Secret Service mĂŒsse besser ausgestattet werden und appellierte an den Kongress, dies zu ermöglichen.
FĂŒr Entsetzen sorgte Trump-UnterstĂŒtzer Elon Musk mit einer Reaktion auf X, die er nach kurzer Zeit wieder löschte. Auf seiner Online-Plattform schrieb er: «Und es versucht noch nicht mal jemand, Biden/Kamala zu ermorden.» Hinter die Worte setzte er ein Emoticon mit einem nachdenklichen Gesicht.Â
Trump selbst verschickte nach dem Vorfall Nachrichten mit Spendenaufrufen. «Es gibt Menschen auf dieser Welt, die alles Notwendige tun, um uns zu stoppen», hieĂ es in einer dieser Nachrichten. «Ich werde nicht aufgeben, fĂŒr euch zu kĂ€mpfen. Ich werde niemals aufgeben.» Die rechte Influencerin Laura Loomer, die zuletzt mehrfach an Trumps Seite aufgetreten war, schrieb auf X: «Die Medien versuchen, PrĂ€sident Trump und seine UnterstĂŒtzer zu töten.»Â
Motiv des TĂ€ters weiter unklarÂ
Das Motiv des Mannes war unklar. Zu dem VerdĂ€chtigen machten die Behörden noch keine offiziellen Angaben. Medien zufolge handelt es sich um einen 58 Jahre alten Bauunternehmer aus dem Bundesstaat North Carolina, der sich in sozialen Netzwerken politisch Ă€uĂerte - dem Sender CNN zufolge auch kritisch ĂŒber Trump. Vom Tatort soll in einem Auto geflĂŒchtet sein und das Gewehr und eine Kamera zurĂŒckgelassen haben. Kurze Zeit spĂ€ter wurde er auf einer Autobahn in der NĂ€he festgenommen.Â
Die «New York Times» berichtete unter Berufung auf Polizeiquellen, der Mann sei zuletzt nach Hawaii gezogen. Der Zeitung zufolge soll sich der VerdĂ€chtige mehrfach öffentlich fĂŒr die UnterstĂŒtzung der Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen Russland eingesetzt haben. In einem Beitrag in sozialen Medien habe er geschrieben, er sei bereit, in der Ukraine zu kĂ€mpfen und zu sterben. Ob es einen Zusammenhang zwischen seiner politischen Orientierung und dem Vorfall in Florida gibt, ist offen.
Vorfall sorgt weltweit fĂŒr Entsetzen
Spitzenpolitiker bekundeten Trump nach dem Vorfall ihre SolidaritĂ€t. Der israelische MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu schrieb auf der Plattform X: «Sara und ich waren geschockt ĂŒber den zweiten Attentatsversuch gegen PrĂ€sident Trump, und wir waren erleichtert zu hören, dass er ebenfalls gescheitert ist. Aber wir sollten uns nicht auf GlĂŒck allein verlassen.»Â
Auch der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj verurteilte das mögliche Attentat: «Ich bin froh, zu hören, dass Donald Trump sicher und unverletzt ist», schrieb er auf X. Er wĂŒnsche ihm und seiner Familie alles Gute. FĂŒr Kiew sei klar, dass Gewalt keinen Platz in der Politik haben dĂŒrfe.
Immer wieder politische Gewalt in den USA
Trump (78) tritt bei der PrĂ€sidentenwahl am 5. November gegen die Demokratin Harris (59) an, die aktuell Bidens VizeprĂ€sidentin ist. Umfragen deuten bislang auf ein sehr knappes Rennen hin.Â
Der Vorfall wirft erneut Fragen zur Sicherheit der PrĂ€sidentschaftskandidaten auf. Dem VerdĂ€chtigen scheint es immerhin gelungen zu sein, mit einer schweren Waffe bis auf wenige hundert Meter an Trump heranzukommen. Der zustĂ€ndige Sheriff sagte, dass Trump weniger Schutz genieĂe als ein amtierender PrĂ€sident. «Er ist nicht der amtierende PrĂ€sident - wenn er es wĂ€re, hĂ€tten wir den gesamten Golfplatz umstellt», sagte er.
Floridas republikanischer Gouverneur Ron DeSantis, der Trump im Wahlkampf unterstĂŒtzt, kĂŒndigte eigene Ermittlungen des Bundesstaats an. Diese sollten «die Wahrheit» ĂŒber den Vorfall ans Licht bringen.
Gewalt gegen hochrangige Politiker hat es in den USA immer wieder gegeben - auch PrĂ€sidenten wurden mehrmals zur Zielscheibe. 1865 wurde US-PrĂ€sident Abraham Lincoln in der Loge eines Theaters in der Hauptstadt Washington erschossen, wĂ€hrend er eine Komödie verfolgte. US-PrĂ€sident John F. Kennedy wurde bei einem Attentat am 22. November 1963 in Dallas im Bundesstaat Texas erschossen. Als PrĂ€sident Ronald Reagan 1981 in Washington angeschossen wurde, warf sich ein LeibwĂ€chter schĂŒtzend ĂŒber ihn.
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