NeugewÀhlter, PrÀsident

NeugewÀhlter slowakischer PrÀsident will vorsichtigen Ukraine-Kurs

07.04.2024 - 03:56:02

Der Sozialdemokrat Peter Pellegrini gewinnt die slowakische PrÀsidentschaftswahl. Bei Waffenlieferungen an die benachbarte Ukraine mahnt er zur Vorsicht. Und beruft sich dabei auch auf Olaf Scholz.

  • Rund 4,4 Millionen slowakische Wahlberechtigte waren aufgerufen, in einer Stichwahl ein neues Staatsoberhaupt zu wĂ€hlen. Ein PrĂ€sidentschaftskandidat ist Peter Pellegrini. - Foto: Denes Erdos/AP

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  • PrĂ€sidentschaftskandidat Peter Pellegrini, Mitte, feiert nach der Stichwahl in der Slowakei. Laut AuszĂ€hlungen gewinnt er noch in der Nacht die Kandidatur. - Foto: Denes Erdos/AP/dpa

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Rund 4,4 Millionen slowakische Wahlberechtigte waren aufgerufen, in einer Stichwahl ein neues Staatsoberhaupt zu wÀhlen. Ein PrÀsidentschaftskandidat ist Peter Pellegrini. - Foto: Denes Erdos/APPrÀsidentschaftskandidat Peter Pellegrini, Mitte, feiert nach der Stichwahl in der Slowakei. Laut AuszÀhlungen gewinnt er noch in der Nacht die Kandidatur. - Foto: Denes Erdos/AP/dpa

Klarer als erwartet hat ParlamentsprĂ€sident Peter Pellegrini die PrĂ€sidentschaftswahl in der Slowakei gewonnen. Das in der Nacht veröffentlichte, noch inoffizielle Ergebnis der staatlichen Wahlkommission ließ keine Zweifel an seinem Sieg ĂŒber Oppositionskandidat Ivan Korcok, der seine Niederlage einrĂ€umte.

Der Triumph des 48 Jahre alten Sozialdemokraten dĂŒrfte auch Auswirkungen auf den außenpolitischen Kurs des EU- und Nato-Landes haben, das im Osten an die von Russland angegriffene Ukraine grenzt. WĂ€hrend sein in der Stichwahl mit rund 47 zu 53 Prozent unterlegener Kontrahent Korcok stets fĂŒr eine entschlossene militĂ€rische UnterstĂŒtzung der Ukraine eintrat, mahnte Pellegrini im Wahlkampf zur Vorsicht bei Waffenlieferungen, damit die Slowakei nicht in den Krieg hineingezogen werde.

Mit Blick auf Deutschland

Dabei berief er sich ausdrĂŒcklich auch auf die Position von Bundeskanzler Olaf Scholz, dessen SPD in derselben europĂ€ischen Parteienfamilie verwurzelt ist. Pellegrini gehört mit der von ihm gegrĂŒndeten Partei «Stimme - Sozialdemokratie» (Hlas-SD) zur Dreiparteienkoalition unter FĂŒhrung des linkspopulistischen Regierungschefs Robert Fico.

Von dessen Partei «Richtung - Slowakische Sozialdemokratie» (Smer-SSD) hatten sich Pellegrini und Gleichgesinnte 2020 auch deshalb abgespalten, weil Fico immer nationalistischer agierte und Korruptionsverdacht in seinem Umfeld nach dem international beachteten Mord am Journalisten Jan Kuciak zu Massenprotesten fĂŒhrte. Zur Koalition gehören als mit Abstand kleinster Partner auch die Nationalisten der prorussischen Slowakischen Nationalpartei SNS.

Kritik an Kursanpassung

Fico Ă€ußerte sich wiederholt kritisch zur Ukraine-Politik der EU, stimmte aber - im Unterschied zu Ungarns Regierungschef Viktor Orban - allem zu, was in BrĂŒssel zugunsten der Ukraine und gegen Russland beschlossen wurde. Die Fico-Regierung befĂŒrwortet einen Beitritt der Ukraine zur EU, nicht aber zur Nato.

Nach der Parlamentswahl im Herbst 2023 hatte Pellegrini darauf verzichtet, selbst die FĂŒhrung eines RegierungsbĂŒndnisses aus liberalen und konservativen Parteien gegen Wahlsieger Fico zu ĂŒbernehmen. Weil er mit diesen Partnern nicht seine Vorstellung eines starken Sozialstaats hĂ€tte verwirklichen können, trat er lieber in eine Koalition mit Fico ein.

Kritiker werfen Pellegrini vor, seitdem auch seine klar prowestlichen außenpolitischen Positionen an die Koalitionspartner angepasst zu haben. Das betrifft vor allem Waffenlieferungen an die Ukraine, die er im Unterschied zu Fico und der SNS ursprĂŒnglich befĂŒrwortet hatte.

Mobilisierend fĂŒr Korcok wirkten Massenproteste der bei der Wahl unterlegenen liberalen und konservativen Oppositionsparteien gegen Ficos RĂŒckkehr an die Macht. Zuletzt konnte Korcok diese Proteste in Wahlkampfveranstaltungen zu seinen Gunsten nutzen. Protestiert wurde unter anderem gegen eine Justizreform und die von der Fico-Regierung geplante Umstrukturierung der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt RTVS.

@ dpa.de