Vucic-Partei siegt bei Wahl - Opposition wittert Betrug
18.12.2023 - 15:16:43 | dpa.de
Die vorgezogene Parlamentswahl in Serbien hat den erwarteten Sieg fĂŒr die regierende Serbische Fortschrittspartei (SNS) gebracht. Die rechts-nationale Liste von PrĂ€sident Aleksandar Vucic kam am Sonntag auf 47 Prozent der Stimmen, wie die Wahlkommission am Montag nach AuszĂ€hlung in 95 Prozent der Wahllokale mitteilte. Wahlforschern zufolge dĂŒrfte die SNS auf 127 bis 128 Mandate in der 250-sitzigen Volksversammlung (Skupstina) kommen und damit ĂŒber eine absolute Mehrheit verfĂŒgen.
Vucic hatte die Wahl nur 17 Monate nach der jĂŒngsten Parlamentswahl angesetzt. Obwohl der PrĂ€sident so gut wie alles im Land selbst bestimmt, war er nervös geworden: Nach zwei AmoklĂ€ufen im Mai mit 18 Toten hatte sich eine spontane Protestbewegung formiert, die ein Ende seiner Herrschaft forderte. Das Ergebnis der Parlamentswahl scheint seine Machtstellung zu festigen.
Zweifel an Korrektheit der Wahl
Das liberale OppositionsbĂŒndnis «Serbien gegen Gewalt», das sich nach den AmoklĂ€ufen gebildet hatte, wurde den Angaben zufolge mit 23 Prozent der Stimmen und 64 bis 65 Mandaten zweitstĂ€rkste Kraft. Politiker des BĂŒndnisses reklamierten rund 450 VerstöĂe gegen die Wahlordnung. Insbesondere in der Hauptstadt Belgrad, in der zeitgleich hart umkĂ€mpfte Kommunalwahlen stattfanden, habe die SNS mit Hilfe staatlicher Stellen massiv betrogen, behaupteten sie in der Wahlnacht.
«Nach unseren SchĂ€tzungen wurden in Belgrad 40.000 Personalausweise an Menschen ausgestellt, die nicht hier leben», sagte OppositionsfĂŒhrer Miroslav Aleksic. Medien berichteten von Autobussen, die Menschen aus dem serbischen Teil Bosnien-Herzegowinas zur Belgrader Arena brachten, wo sie an der Wahl teilgenommen haben sollen. FĂŒr Montagabend kĂŒndigte die Opposition einen Protest vor dem Belgrader Rathaus an.
In der Belgrader Stadtversammlung, die den BĂŒrgermeister wĂ€hlt, zeichnet sich indes eine Pattsituation ab. Weder SNS als relativ stĂ€rkste Kraft noch die Opposition dĂŒrften eine Mehrheit haben. Das Wahlforschungszentrum CRTA erklĂ€rte am Montag, dass «die Ergebnisse aufgrund der WĂ€hlerwanderung in Belgrad und anderer UnregelmĂ€Ăigkeiten nicht den Willen der WĂ€hler widerspiegeln».
Kritiker sehen Machtmissbrauch
Formell hat Vucic als PrĂ€sident eher nur protokollarische Befugnisse. In wechselnden Funktionen bestimmt er dennoch seit 2012 die Geschicke des Landes. Kritiker werfen ihm einen autoritĂ€ren Regierungsstil vor. Diesen Stimmen zufolge missbraucht er den Regierungsapparat, Polizei und Geheimdienste, um politische Konkurrenten wirtschaftlich zu ruinieren und in der Ăffentlichkeit zu diffamieren. Die von ihm kontrollierten Boulevard-Medien schĂŒren Hass und Aggression gegen politische Konkurrenten und Kritiker. Die seit 2017 amtierende MinisterprĂ€sidentin Ana Brnabic, die einer weiteren Amtszeit entgegensieht, ist ihm treu ergeben.
Serbien verhandelt seit 2014 ĂŒber einen EU-Beitritt. Da die FĂŒhrung unter Vucic keine echten Reformen anstrebt, verlaufen die Verhandlungen schleppend. Zugleich verfolgt der Serbe eine Schaukelpolitik zwischen dem Westen auf der einen und Russland und China auf der anderen Seite. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine schloss sich Serbien als einziges EU-Beitrittsland nicht den Sanktionen des Westens gegen Russland an.
GlĂŒckwĂŒnsche aus Russland und Ungarn
Moskau gratulierte dem Wahlsieger umgehend. «Wir begrĂŒĂen solch einen Erfolg von Herrn Vucic», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag der russischen staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge. Auch Ungarns MinisterprĂ€sident Viktor Orban gratulierte Vucic, den er immer wieder zu GesprĂ€chen trifft, auf der Plattform X, vormals Twitter. Ungarn ist zwar Mitglied in der EU, muss aber wegen Korruption und mangelnder Rechtsstaatlichkeit ein teilweises Einfrieren der ihm zustehenden EU-Hilfen hinnehmen.
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