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Supreme Court prĂŒft: Ist Trump immun gegen Strafverfolgung?

25.04.2024 - 04:37:17

Der Supreme Court steht vor einer historischen Entscheidung. Ex-PrÀsident Trump pocht auf ImmunitÀt. Sollte er Recht bekommen, könnte das die Strafverfahren gegen ihn auf den Kopf stellen.

In der historischen Frage nach ImmunitĂ€t vor Strafverfolgung fĂŒr Ex-PrĂ€sidenten hat sich das Oberste Gericht der USA skeptisch gegenĂŒber den Argumenten von Donald Trumps Anwalt gezeigt. Bei der Anhörung deutete sich aber auch an, dass mit einem schnellen Prozessbeginn von Trumps Wahlbetrugs-Verfahren in Washington nicht unbedingt zu rechnen ist - also noch vor der PrĂ€sidentenwahl im November. Auch das wĂ€re ein Erfolg fĂŒr Trump. Knackpunkt ist die Frage, was als offizielles und privates Handeln im Amt gilt. Bei dem Fall vor dem Supreme Court geht es um nicht weniger als die Zukunft der Strafverfahren gegen den Republikaner und die Grenzen des Rechtsstaats. Ein Urteil wird erst in einigen Wochen erwartet. 

Vor dem Supreme Court wurde auch darĂŒber debattiert, wie weit Straffreiheit fĂŒr PrĂ€sidenten gehen soll. Trumps Anwalt D. John Sauer lieferte sich einen Schlagabtausch mit der liberalen Richterin Sonia Sotomayor. Die Richterin fragte Sauer:  «Wenn der PrĂ€sident entscheidet, dass sein Rivale eine korrupte Person ist, und er dem MilitĂ€r befiehlt, oder jemand anderem befiehlt, diesen zu ermorden, wĂ€re das im Rahmen seiner offiziellen Amtshandlungen und damit straffrei?» Sauer antwortete darauf, das sei eine hypothetische Frage und davon hĂ€nge die Antwort ab. Aber es könne sich dabei «durchaus um eine offizielle Amtshandlung handeln», fĂŒgte er hinzu.

Trump saß am Donnerstag im Gericht in New York, wo ein Strafprozess wegen mutmaßlich unrechtmĂ€ĂŸig verbuchter Schweigegeldzahlungen an eine Pornodarstellerin gegen ihn lĂ€uft.

Darum geht es vor dem Supreme Court

Trump, der nach der PrĂ€sidentenwahl im November wieder ins Weiße Haus einziehen möchte, ist in der US-Hauptstadt im Zusammenhang mit versuchtem Wahlbetrug angeklagt. AnhĂ€nger Trumps hatten am 6. Januar 2021 den Parlamentssitz in Washington gestĂŒrmt. Trump hatte bereits vor dem Sturm auf das Kapitol auf verschiedenen Ebenen versucht, das Wahlergebnis zu kippen. 

Trump und seine AnwĂ€lte wollen erreichen, dass die Anklage in Washington fallen gelassen wird. Sie berufen sich dabei auf die ImmunitĂ€t Trumps in seinem damaligen Amt als PrĂ€sident. Sie argumentieren, dass Trump nicht rechtlich fĂŒr Taten belangt werden könne, die zu seinen Pflichten als PrĂ€sident gehörten. Mit dieser Argumentation waren sie bereits vor einem Berufungsgericht US-Hauptstadt gescheitert. Zuvor hatte auch die zustĂ€ndige Richterin in dem Fall dieses Argument zurĂŒckgewiesen. Trumps AnwĂ€lte reichten Berufung ein, weshalb der Fall nun vor dem Supreme Court gelandet ist. 

Fall mit großer Tragweite

Das Urteil dĂŒrfte auch immense Bedeutung fĂŒr kĂŒnftige PrĂ€sidenten haben. Sollten diese wirklich ImmunitĂ€t genießen, könnten sie möglicherweise Straftaten im Amt begehen, ohne Konsequenzen fĂŒrchten zu mĂŒssen. Das ist natĂŒrlich davon abhĂ€ngig, wie das Urteil formuliert sein wird und was als offizielle Handlung im Amt gilt. Aber der Supreme Court, der unter Trump wegen mehrerer Nachbesetzungen weit nach rechts gerĂŒckt ist, wird Stellung beziehen mĂŒssen, wie groß die Macht von US-PrĂ€sidenten ist und wo die Grenzen des Rechtsstaats liegen. Die Verfassung gewĂ€hrt PrĂ€sidenten nicht explizit ImmunitĂ€t, auch nicht wĂ€hrend ihrer Zeit im Amt. Allerdings ist das Justizministerium traditionell der Auffassung, dass PrĂ€sidenten wĂ€hrend ihrer Zeit im Weißen Haus nicht angeklagt werden können. 

Doch was passiert, wenn sie nicht mehr im Amt sind? Die Frage hat sich in dieser Form bisher nicht gestellt, weil vor Trump noch nie ein ehemaliger US-PrĂ€sident mit einem Strafverfahren konfrontiert war. Ex-PrĂ€sident Richard Nixon wurde 1974 von seinem Nachfolger Gerald Ford begnadigt, nachdem er wegen der Watergate-AffĂ€re zurĂŒckgetreten war. Es war ein innenpolitischer Skandal um Amts- und Machtmissbrauch, der mit dem ersten und bis jetzt letzten RĂŒcktritt eines US-PrĂ€sidenten endete. Zu einer Anklage kam es wegen der vorsorglichen Begnadigung nie. 

Gegen Trump laufen mittlerweile mitten im Wahlkampf sogar vier Strafverfahren. Es geht neben versuchtem Wahlbetrug auch noch um die mutmaßlich gesetzeswidrige Aufbewahrung von Geheimdokumenten und möglicherweise unrechtmĂ€ĂŸig verbuchte Schweigegeldzahlungen an eine Pornodarstellerin. 

Richter nehmen AnwÀlte ins Kreuzverhör

Fast drei Stunden nahmen sich die Richterinnen und Richter die Argumente von Trumps Anwalt und der Gegenseite vor. «Dieser Fall hat enorme Auswirkungen auf die PrĂ€sidentschaft, auf die Zukunft der PrĂ€sidentschaft, auf die Zukunft des Landes», sagte der konservative Richter Brett Kavanaugh. WĂ€hrend der Anhörung nahmen die Richterinnen und Richter zwar die Argumentation von Trumps Anwalt Sauer auseinander. Dieser fordert absolute ImmunitĂ€t fĂŒr ehemalige PrĂ€sidenten, da diese sonst ihr Amt nicht ausĂŒben können. Die Argumente der Gegenseite schienen das Gericht aber auch nicht vollends zu ĂŒberzeugen. 

Einige Richter ließen in ihren Fragen durchblicken, dass sie zwar keine vollumfĂ€ngliche ImmunitĂ€t unterstĂŒtzen - aber gewisse Handlungen doch vor Strafverfolgung geschĂŒtzt sein sollten. Ein mögliches Urteil könnte Fachleuten zufolge so aussehen, dass das Verfahren um mutmaßlichen Wahlbetrug in Washington an untere Instanzen zurĂŒckgewiesen wird, um die Anklagepunkte noch einmal auseinanderzunehmen. Dies könnte mehrere Monate dauern. Damit wĂŒrde ein Prozessbeginn noch vor der PrĂ€sidentenwahl unwahrscheinlich. 

Bei der Abstimmung im November lĂ€uft es auf ein Kopf-an-Rennen zwischen Trump und dem demokratischen Amtsinhaber Joe Biden hinaus. Auch auf das Verfahren im Bundesstaat Georgia, das sich um Ă€hnliche VorwĂŒrfe dreht, und das Verfahren in Florida um die Mitnahme geheimer Unterlagen aus dem Weißen Haus, könnte das Urteil ebenfalls Einfluss haben. 

Erfolgreiche Verzögerungstaktik

Bisher haben Trump die strafrechtlichen Ermittlungen in Umfragen nicht geschadet. Der Republikaner beteuert in allen Verfahren seine Unschuld und stellt die Ermittlungen gegen ihn als Versuch seiner politischen Gegner dar, ihn kaltzustellen. Trumps Opfernarrativ verfĂ€ngt bei seinen AnhĂ€ngern. Dies könnte sich aber Ă€ndern, wenn Trump gleich in mehreren Prozessen im Gerichtssaal von Zeugen schwer belastet werden wĂŒrde. Das will Trump unbedingt verhindern. Trumps AnwĂ€lte fluten die zustĂ€ndigen Gerichte mit AntrĂ€gen - und sind dabei recht erfolgreich. FĂŒr Trump geht besonders um die Außenwirkung. Denn weder die Anklage noch mögliche Verurteilungen sind eine rechtliche HĂŒrde fĂŒr seine Kandidatur. 

@ dpa.de