Maduro ĂŒber OppositionsfĂŒhrer: «MĂŒssten hinter Gittern sein»
01.08.2024 - 11:42:01Im Machtkampf nach der umstrittenen Wahl in Venezuela verschĂ€rft sich der Ton. Der autoritĂ€re PrĂ€sident NicolĂĄs Maduro sagte, die OppositionsfĂŒhrerin MarĂa Corina Machado und ihr Kandidat Edmundo GonzĂĄlez Urrutia gehörten ins GefĂ€ngnis. «Als BĂŒrger sage ich: Diese Leute mĂŒssten hinter Gittern sein», erklĂ€rte Maduro am Mittwoch (Ortszeit) vor Journalisten in Caracas.Â
Die Opposition ihrerseits hĂ€lt daran fest, die Wahl vom Sonntag gewonnen zu haben, bei der Maduro trotz BetrugsvorwĂŒrfen zum Sieger erklĂ€rt worden war. Die USA fordern in verschĂ€rftem Ton, dass die Wahlbehörde die Listen mit den abgegebenen Stimmen öffentlich mache. Zwar sagte Maduro eine ĂberprĂŒfung der Wahl zu, doch das zustĂ€ndige Oberste Gericht gilt als regierungstreu.
Maduro bezeichnete Machado und GonzĂĄlez als Kriminelle und Feiglinge. Bereits in den Tagen davor hatten fĂŒhrende Köpfe der sozialistischen Regierungspartei Haft fĂŒr die beiden Regierungsgegner gefordert. Der PrĂ€sident machte die Opposition fĂŒr die gewaltsamen Proteste nach der Wahl verantwortlich.Â
Tote und Hunderte Festnahmen
Bei den Ausschreitungen starben nach Angaben regierungsunabhĂ€ngiger Organisationen aus Venezuela mindestens elf Menschen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch schrieb auf X, sie habe Berichte erhalten, laut denen es bislang sogar 20 Tote gegeben habe. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft wurden mehr als 1.000 Menschen festgenommen.Â
Die Opposition gibt der Regierung die Schuld an den Protesten. «Venezuela und die ganze Welt wissen, dass Gewalt das letzte Mittel des Maduro-Regimes ist», schrieb Machado auf der Plattform X. «Nach dem klaren Wahlsieg, den wir Venezolaner errungen haben, ist die Antwort des Regimes Mord, EntfĂŒhrung und Verfolgung. Diese Verbrechen werden nicht ungesĂŒhnt bleiben.»
Haftbefehl fĂŒr Maduro gefordert
Der GeneralsekretĂ€r der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), Luis Almagro, will in diesem Zusammenhang beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag einen Haftbefehl gegen Maduro beantragen. Vor der Wahl hatte dieser vor einem Blutbad und einem BĂŒrgerkrieg in dem sĂŒdamerikanischen Land gewarnt, sollte er nicht wiedergewĂ€hlt werden.Â
Es sei empörend, dass Maduro dieses Blutbad nun vollziehe, sagte Almagro. Es seien Vorsatz, HeimtĂŒcke und Grausamkeit im Spiel. «Es ist an der Zeit, Anklage zu erheben und einen Haftbefehl seitens des Internationalen Strafgerichtshofes gegen die Hauptverantwortlichen zu beantragen, einschlieĂlich Maduro», schrieb Almagro auf der Plattform X. Der Strafgerichtshof ermittelt bereits seit Jahren gegen Maduros Regierung wegen mutmaĂlicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit.Â
Nach der PrĂ€sidentenwahl am Sonntag hatte die regierungstreue Wahlbehörde Maduro offiziell zum Sieger erklĂ€rt. Die Opposition wirft der Regierung aber WahlfĂ€lschung vor und reklamiert den Sieg fĂŒr ihren Kandidaten GonzĂĄlez. Sie hat nach eigenen Angaben Zugang zu mehr als 80 Prozent der detaillierten Wahlergebnisse aus den einzelnen Stimmbezirken, die der Nationale Wahlrat bislang nicht veröffentlicht hat. Demnach soll GonzĂĄlez auf 67 Prozent der Stimmen und Maduro auf 30 Prozent kommen.
Viele LĂ€nder zweifeln Wahlergebnis an
Auch die USA, die EU und eine Reihe lateinamerikanischer LĂ€nder zweifeln das offizielle Wahlergebnis an. Peru erkannte sogar den Oppositionskandidaten GonzĂĄlez als Wahlsieger an, woraufhin Venezuela die diplomatischen Beziehungen zu dem sĂŒdamerikanischen Land abbrach.
FĂŒr die US-Regierung warnte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby: «Unsere Geduld und die der internationalen Gemeinschaft endet langsam.» Die Zeit fĂŒr die venezolanische Wahlbehörde werde knapp, um «vollstĂ€ndige und detaillierte Daten» zu veröffentlichen, «damit jeder die Ergebnisse sehen kann».Â
Maduro schaltet regierungstreues Oberstes Gericht ein
Maduro beantragte beim Obersten Gerichtshof demonstrativ eine Untersuchung der Wahl und kĂŒndigte an, die detaillierten Ergebnislisten bald zu veröffentlichen. Allerdings gilt das Gericht als regierungstreu und nicht als unabhĂ€ngig, wie etwa das Carter Center betonte. Die unabhĂ€ngige US-Organisaton hatte Wahlbeobachter nach Venezuela geschickt und die Abstimmung als nicht demokratisch bezeichnet.Â
Venezuela steckt seit Jahren in einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise, die auch auf Misswirtschaft der sozialistischen Regierung unter Maduro beruht. In dem einst wohlhabenden Land mit groĂen Erdölvorkommen leben mehr als 80 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Immer wieder kommt es zu StromausfĂ€llen, Benzin, Gas und Medikamente sind knapp. Mehr als sieben Millionen Menschen - ein Viertel der Bevölkerung - haben Venezuela in den vergangenen zehn Jahren wegen Armut und Gewalt verlassen.





