Ukraine, Russland

Selenskyj prÀsentiert Entwurf von 20-Punkte-Friedensplan

24.12.2025 - 10:23:52

Der ukrainische PrĂ€sident Selenskyj hat nach Verhandlungen in den USA ĂŒber die Beendigung des russischen Angriffskrieges erstmals die 20 Punkte fĂŒr einen Friedensplan dargelegt. Was steht drin?

  • Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hat erstmals die bisherigen 20 Punkte fĂŒr einen möglichen Friedensplan fĂŒr sein Land dargelegt. (Archivbild) - Foto: Peter Dejong/AP/dpa

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  • Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hat erstmals die bisherigen 20 Punkte fĂŒr einen möglichen Friedensplan fĂŒr sein Land dargelegt. (Archivbild) - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

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Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hat erstmals die bisherigen 20 Punkte fĂŒr einen möglichen Friedensplan fĂŒr sein Land dargelegt. (Archivbild) - Foto: Peter Dejong/AP/dpaDer ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hat erstmals die bisherigen 20 Punkte fĂŒr einen möglichen Friedensplan fĂŒr sein Land dargelegt. (Archivbild) - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hat erstmals öffentlich die 20 Punkte fĂŒr einen von den USA angestoßenen Friedensplan öffentlich ausgebreitet. Laut dem Entwurf sind etwa Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine nach dem Vorbild von Artikel 5 der Nato - das ist die Beistandsklausel - und eine StĂ€rke der Armee von 800.000 Soldaten vorgesehen, wie Selenskyj ukrainischen Medien zufolge vor Journalisten in Kiew erklĂ€rte. 

Der PrĂ€sident selbst sprach von einem Entwurf fĂŒr ein Rahmendokument und wiederholte seine Äußerungen vom Vortag, nach denen es weiter KlĂ€rungs- und GesprĂ€chsbedarf gebe. UngeklĂ€rt ist etwa weiter die Frage um die von Russland fĂŒr einen Waffenstillstand geforderten Gebietsabtretungen vor allem im Gebiet Donezk, das die Ukraine noch zu einem Teil kontrolliert. Auch die Kontrolle ĂŒber das aktuell von Russland besetzte Atomkraftwerk Saporischschja mĂŒsse noch geklĂ€rt werden, sagte Selenskyj.

Demnach sind in dem Papier neben ukrainischen auch russische und US-Positionen enthalten. Selenskyj sagte, es habe bei vielen Punkten eine AnnĂ€herung der Positionen gegeben und teils auch Konsens. Russen und Ukrainer hatten am Wochenende in getrennten GesprĂ€chen mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff ĂŒber den Friedensplan gesprochen und die Treffen als konstruktiv bezeichnet.

Im Einzelnen listete Selenskyj nun diese Punkte auf:

1. BestÀtigung der SouverÀnitÀt der Ukraine.

2. Vereinbarung zwischen Russland und der Ukraine ĂŒber einen Nichtangriff samt einem Überwachungsmechanismus.

3. VerlĂ€ssliche Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine.

4. Ukraine soll in Friedenszeiten eine Armee mit einer StÀrke von 800.000 Soldaten haben.

5. Die USA, Nato und europĂ€ische Staaten sollen der Ukraine Sicherheitsgarantien nach dem Vorbild von Artikel 5 des MilitĂ€rbĂŒndnisses geben. Bei einem neuen russischen Angriff sollen demnach alle globalen Sanktionen gegen Moskau wieder in Kraft treten. Bei einem Angriff der Ukraine auf Russland sollen alle Sicherheitsgarantien wegfallen. Wenn Russland die Ukraine angreift, sollen die Sicherheitsgarantien ziehen.

6. Juristisch verbindliche Verpflichtung Russlands zu einem Nichtangriff auf die Ukraine und Europa. Moskau soll dies durch Gesetze und Ratifizierung der Staatsduma absichern.

7. EU-Beitritt der Ukraine und bis dahin vorrangiger Zugang zum europÀischen Binnenmarkt.

8. Vereinbarung ĂŒber ein Investitions- und Entwicklungspaket fĂŒr die Ukraine, darunter auch die Zusammenarbeit mit US-Firmen beim Wiederaufbau, bei der Modernisierung der Gasinfrastruktur und beim Abbau von Rohstoffen.

9. Schaffung von Fonds fĂŒr den wirtschaftlichen Wiederaufbau mit dem Ziel, 800 Milliarden Dollar (678 Milliarden Euro) an Investitionen anzulocken.

10. Ukraine beschleunigt den Prozess fĂŒr ein Freihandelsabkommen mit den USA.

11. Ukraine bestÀtigt ihren neutralen Status als Staat ohne Atomwaffen.

12. Das Atomkraftwerk Saporischschja soll gemeinsam genutzt werden. Nach US-Vorstellungen sollen Russland und die Ukraine das AKW zu gleichen Teilen nutzen. Die Ukraine will dagegen ein Joint Venture mit den USA zum Betrieb des Kraftwerks - ohne russische Beteiligung.

13. Ukraine und Russland sollen Bildungsprogramme auflegen, in den gegenseitiges VerstÀndnis und Toleranz Themen sind. Die Ukraine soll sich auch zu EU-Normen der religiösen Toleranz und zum Schutz der Sprachen von Minderheiten bekennen.

14. Territoriale Aufteilung. Russland zieht seine Truppen aus den Gebieten Dnepropetrowsk, Mykolajiw, Sumy und Charkiw ab. Variante A sieht ein Einfrieren der Frontlinie in den Gebieten Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson vor; Variante B eine per Referendum bestÀtigte Freihandelszone im Donbass.

15. Nach einer BestÀtigung der Territorialvereinbarung verpflichten sich Russland und die Ukraine, keine gewaltsamen VerÀnderungen vorzunehmen.

16. Russland verpflichtet sich, die Ukraine nicht bei der Nutzung des Flusses Dnepr und des Schwarzen Meers zu hindern. 

17. Schaffung eines Komitees fĂŒr humanitĂ€re Fragen, das sich etwa um den Austausch aller Kriegsgefangenen und um die RĂŒckkehr aller inhaftierten Zivilisten, darunter Kinder und politische Gefangene, kĂŒmmern soll.

18. Die Ukraine soll möglichst schnell nach Unterzeichnung der Vereinbarung Wahlen abhalten, zuerst fĂŒr das PrĂ€sidentenamt, dann auch fĂŒr das Parlament und auf kommunaler Ebene.

19. Die Friedensvereinbarung ist juristisch bindend und soll durch einen Friedensrat unter FĂŒhrung von US-PrĂ€sident Donald Trump kontrolliert werden. In dem Rat soll es auch Vertreter der Ukraine, der EU, Nato, USA und Russlands geben.

20. Nach Zustimmung aller Seiten soll ein vollstÀndiger Waffenstillstand in Kraft treten.

Selenskyj teilte auch mit, dass er eine Antwort von russischer Seite noch am 24. Dezember erwarte. «Dann werden wir unsere nĂ€chsten Schritte und den möglichen Zeitrahmen fĂŒr bestimmte Entscheidungen verstehen», sagte er. Die Ukraine sei bereit zu einem neuen Treffen mit den USA auf höchster Ebene, um sensible Fragen wie die zu den Gebieten zu klĂ€ren. Selenskyj hatte die von Russland geforderten Gebietsabtretungen immer wieder kategorisch abgelehnt.

Kremlsprecher Dmitri Peskow verwies der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge erneut auf die russische Linie, solche Themen nicht ĂŒber Veröffentlichungen in den Medien zu besprechen. PrĂ€sident Wladimir Putin habe sich von seinem UnterhĂ€ndler Kirill Dmitrijew nach dessen RĂŒckkehr aus Miami ĂŒber die Ergebnisse vom Wochenende in allen Nuancen unterrichten lassen, sagte Peskow. 

Nun formuliere Russland seine Position und setze die Kontakte mit den USA in nĂ€chster Zeit fort. Zugleich betonte Peskow, dass Russland ĂŒber die unfertigen Punkte nicht in der Öffentlichkeit spreche. Die Ukraine wehrt sich seit fast vier Jahren gegen den russischen Angriffskrieg. Ein Ende ist ungeachtet der laufenden Verhandlungen nicht in Sicht.

@ dpa.de

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