Malta-Konferenz:Â Kiew sieht RĂŒckhalt fĂŒr Friedensformel
29.10.2023 - 17:41:44Nach einer groĂen Konferenz in Malta mit Vertretern aus mehr als 60 Staaten sieht die Ukraine Fortschritte fĂŒr ihre Friedensformel zur Beendigung des russischen Angriffskriegs. Die hohe Teilnehmerzahl zeige eine wachsende UnterstĂŒtzung fĂŒr die Formel, die unter anderem die Wiederherstellung der territorialen IntegritĂ€t der Ukraine vorsieht, teilte das PrĂ€sidialamt in Kiew mit.
In Russland gab es unterdessen einen Brand in einer Ălraffinerie. Vermutet wurde ein Drohnenangriff. Trotz groĂer EinschrĂ€nkungen durch die russischen Behörden versammelten sich zudem in mehreren StĂ€dten des Riesenlandes Menschen zum Gedenken an Opfer stalinscher Repressionen.
Selenskyj appelliert an «Einheit der Welt»
Die Ukraine bereitete bei der Konferenz in Malta ihren geplanten Friedensgipfel weiter vor. «Die Beendigung von Europas gröĂtem Krieg seit dem Zweiten Weltkrieg mit einem gerechten, dauerhaften und umfassenden Frieden wird einen groĂen positiven Einfluss haben auf andere explosive Konflikte, die sich in der Welt entfalten», sagte der Leiter des ukrainischen PrĂ€sidentenamtes, Andrij Jermak, am Samstag. «Wir bringen den Frieden nĂ€her.» Jermak kĂŒndigte konkrete Ergebnisse des Treffens an, ohne Details zu nennen.
Deutschland war nach Angaben aus Regierungskreisen auf «hoher Beamtenebene aus dem Kanzleramt und dem AuswĂ€rtigen Amt» vertreten. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj lobte das Treffen als Zeichen der Einheit gegen den Aggressor Russland. «Die Einheit der Welt ist das, was es wirklich braucht, um den Aggressor zu schlagen», sagte er in seiner am Samstagabend verbreiteten Videobotschaft. Ăhnliche Konferenzen hatte es zuvor in Kopenhagen und Dschidda gegeben.
Brand in russischer Raffinerie: Drohnenangriff vermutet
Auf dem GelĂ€nde einer sĂŒdrussischen Ălraffinerie brach in der Nacht ein Brand aus. Opfer und SchĂ€den gab es keine, wie die Behörden der Region Krasnodar mitteilten. Das Feuer sei mittlerweile gelöscht. Offiziell wurde keine Brandursache genannt. In sozialen Netzwerken wurde allerdings vermutet, dass eine Drohne das GelĂ€nde attackierte. Es wurde auch ein Video geteilt, das den Vorfall zeigen sollte. Aus Krasnodar starten immer wieder russische Kampfflugzeuge ihre Angriffe gegen die Ukraine.
Gedenken in Russland fĂŒr Opfer politischer Repressionen
Trotz enormer BeschrĂ€nkungen durch die Behörden gedachten in mehreren russischen StĂ€dten Menschen der Opfer politischer Repressionen zu Sowjetzeiten. Mit Blick auf den offiziellen Gedenktag am 30. Oktober legten etwa am Lubjanka-Platz im Zentrum von Moskau bereits am Sonntag unter anderem mehrere Botschafter westlicher Staaten Blumen ab. Auch prominente russische Menschenrechtler waren anwesend, darunter die MitbegrĂŒnderin sowie der Vorsitzende der mittlerweile von der russischen Justiz verbotenen Organisation Memorial, Swetlana Gannuschkina und Oleg Orlow.
Die Menschen wurden von der Polizei jedoch nur vereinzelt zum sogenannten Solowezki-Stein durchgelassen, der mit Gittern abgesperrt war. Der Stein dient in Moskau als Mahnmal fĂŒr die Millionen Menschen, die insbesondere unter Sowjetdiktator Josef Stalin von 1924 bis 1953 ums Leben kamen. Noch bis vor wenigen Jahren hatten Menschenrechtler an dem Ort immer am 29. Oktober zu gröĂeren Aktionen aufgerufen und unter dem Motto «RĂŒckgabe der Namen» traditionell Namen der Opfer vorgelesen, von denen viele in den 1930er Jahren erschossen wurden.
Aktuell sind solche Aktionen verboten. Offiziell begrĂŒnden die russischen Behörden das mit angeblichen Anti-Covid-MaĂnahmen. Da es in Russland aber schon lange so gut wie keine Corona-EinschrĂ€nkungen mehr gibt, werten Kremlkritiker das als reine Schikane in Zeiten des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.
Offene politische Diskussionen in Russland immer schwieriger
Der Kreml arbeitet nach EinschĂ€tzung britischer Geheimdienste weiter daran, die Meinungsfreiheit im Land zu beschrĂ€nken. Das russische Bildungs- und Wissenschaftsministerium soll UniversitĂ€ten Berichten zufolge Mitte Oktober angewiesen haben, offene Diskussionen ĂŒber jegliche «negativen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen» in Russland bei akademischen AktivitĂ€ten zu vermeiden. Das schrieb das britische Verteidigungsministerium in seinem tĂ€glichen Geheimdienst-Update zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.


