Selenskyj: Krieg könnte nÀchstes Jahr vorbei sein
24.09.2024 - 04:12:38Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj geht davon aus, dass der Krieg in seinem Land gegen den Angreifer Russland im kommenden Jahr beendet werden kann. «Entschlossenes Handeln jetzt kann ein faires Ende der russischen Aggression gegen die Ukraine im nĂ€chsten Jahr beschleunigen», schrieb Selenskyj auf der Plattform X nach einem Treffen mit einer ĂŒberparteilichen Delegation des US-Kongresses. «Unser Siegesplan wird dazu beitragen, Russland praktisch zum Frieden zu zwingen.»
Selenskyj will sein Vorhaben rund um den UN-Gipfel in New York in GesprĂ€chen und möglicherweise auch öffentlichen Reden vorstellen. Damit will er sich zusĂ€tzliche politische und militĂ€rische UnterstĂŒtzung der VerbĂŒndeten sichern. Einem Bericht der britischen «The Times» zufolge enthĂ€lt der Plan die Forderung nach westlichen Sicherheitsgarantien Ă€hnlich denen einer Nato-Mitgliedschaft. Zudem sollen nicht nĂ€her genannte Waffen und weitere Finanzhilfen angefordert werden.Â
Selenskyj soll heute an der Sitzung des UN-Sicherheitsrats zur Ukraine-Frage teilnehmen und am Mittwoch voraussichtlich in der UN-Generalversammlung sprechen. US-PrĂ€sident Joe Biden wird ihn zudem im WeiĂen Haus empfangen.
Selenskyj sagte nach dem Treffen mit der Delegation des US-Kongresses: «Jetzt, am Ende des Jahres, haben wir eine echte Chance, die Zusammenarbeit zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten zu stĂ€rken.» Er sei dem US-Kongress, beiden Parteien und Kammern, fĂŒr ihr unerschĂŒtterliches Engagement dankbar.
«Putin wird niemals die Zukunft der Welt stehlen»
Selenskyj sagte bei seiner Rede auf dem Zukunftsgipfel der Vereinten Nationen im UN-Hauptquartier in New York am Montag (Ortszeit), derzeit werde der zweite Friedensgipfel vorbereitet. Er lade alle Staats- und Regierungschefs und Nationen ein, die gemeinsamen BemĂŒhungen um eine gerechte und friedliche Zukunft weiterhin zu unterstĂŒtzen. «(Russlands PrĂ€sident Wladimir) Putin hat schon viel gestohlen, aber er wird niemals die Zukunft der Welt stehlen. Dessen bin ich mir sicher», betonte Selenskyj.Â
Moskau lehnt eine Teilnahme an dem Friedensgipfel weiter ab. Im Juni hatten Dutzende Staaten ohne Russland und China an einem ersten Treffen in der Schweiz teilgenommen. Selenskyj plant ein zweites Treffen im November.Â
Scholz will Regeln fĂŒr Einsatz deutscher Waffen nicht lockern
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bekrĂ€ftigte vor seinem Treffen mit Selenskyj, dass er die Regeln fĂŒr den Einsatz deutscher Waffen im ukrainischen Abwehrkampf gegen Russland nicht weiter lockern wolle. Die Bundesregierung habe mit Blick auf die militĂ€rische UnterstĂŒtzung der Ukraine «ein paar Entscheidungen» getroffen, «die fĂŒr mich sehr klar sind», sagte der SPD-Politiker. Dazu gehöre auch, dass Deutschland ReichweitenbeschrĂ€nkungen nicht aufheben werde. «Das ist mit meiner persönlichen Haltung nicht vereinbar. (...) Wir werden das nicht machen. Und dafĂŒr haben wir gute GrĂŒnde.»
Selenskyj bittet die VerbĂŒndeten immer wieder um weitreichende Waffen, um russische Logistik und MilitĂ€rflugplĂ€tze weit hinter der Frontlinie auf russischem Territorium angreifen zu können. Die weitreichendste von Deutschland gelieferte Waffe ist der Raketenwerfer Mars II, der Ziele in 84 Kilometern Entfernung treffen kann. FĂŒr ein begrenztes Gebiet rund um Charkiw hat die Bundesregierung den Einsatz dieser Waffe und der Panzerhaubitze 2000 mit einer Reichweite von 56 Kilometern auch gegen Ziele auf russischem Boden erlaubt.
Kremlchef Putin hat erklĂ€rt, dass er den Einsatz weitreichender westlicher PrĂ€zisionswaffen gegen Ziele tief auf russischem Territorium als Kriegsbeteiligung der Nato werten wĂŒrde.Â
Selenskyj bedankt sich bei Deutschland
Der ukrainische PrĂ€sident stellte das Treffen mit Scholz trotz der Abfuhr bei den Raketen positiv dar. Er danke Deutschland fĂŒr die Hilfe, schrieb er auf seinem Telegram-Kanal. Dabei nannte er vor allem Berlins Beitrag zur Friedenskonferenz in der Schweiz. Auf Scholz' Absage zu den Raketenlieferungen ging Selenskyj nicht explizit ein, er mahnte nur allgemein dazu, Einigkeit zu demonstrieren.Â
Kiew nennt Lage im Osten der Ukraine angespannt
Trotz des deutschen Nein setzt Kiew weiter auf die Freigabe von Waffen durch andere Partner. Mit ihnen will die Ukraine vor allem russische Flugzeuge am Boden zerstören, ehe sie Verteidigungsstellungen oder StÀdte in der Ukraine bombardieren.
Im Osten des Landes steht das ukrainische MilitĂ€r nach eigenen Angaben weiter unter Druck. «Die Lage im Raum Pokrowsk und Kurachowe bleibt angespannt», teilte der Generalstab in Kiew in seinem abendlichen Lagebericht mit. Von den insgesamt 125 russischen Angriffen entlang der Front seien mehr als 50 in diesem Abschnitt gefĂŒhrt worden.
WĂ€hrend den Ukrainern selbst von unabhĂ€ngigen Beobachtern bescheinigt wird, den Vormarsch der Russen auf das strategisch wichtige Pokrowsk abgebremst zu haben, bleibt die Lage nahe dem weiter sĂŒdlich gelegenen Kurachowe gefĂ€hrlich fĂŒr die Verteidiger. Durch VorstöĂe russischer Truppen bei der Bergarbeiterstadt Hirnyk droht dort mehreren Einheiten die Einkesselung.Â
Eine Ă€hnliche Umgehung der Verteidigungsstellungen deutet sich auch noch weiter sĂŒdlich nahe der Stadt Wuhledar an, die die Russen in der Vergangenheit vergeblich durch frontale Sturmangriffe einzunehmen suchten.
Russische Angriffe aus der Luft
Am Abend und in der Nacht startete Russland zudem weitere Angriffe auf das ukrainische Hinterland. Luftalarm gab es in mehreren ukrainischen Regionen. Im sĂŒdukrainischen Gebiet Saporischschja wurde nach Behördenangaben ein Objekt der kritischen Infrastruktur getroffen. Zudem sei ein Geschoss in einem Wohnhaus eingeschlagen, eine Person ums Leben gekommen und zwei weitere seien verletzt worden, schrieb der MilitĂ€rgouverneur von Saporischschja.





