USA, EU

Snyder: Parallelen zwischen Trumps Regierungsstil und Nazi-Methoden

31.01.2026 - 09:00:00

Der US-Historiker Timothy Snyder sieht Parallelen zwischen dem Regierungsstil des US-PrĂ€sidenten Donald Trump und den Methoden der Nazis.In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) nannte er als Beispiel den fĂŒhrenden US-Beamten Greg Bovino, der beim gewaltsamen Vorgehen der Grenzschutzbehörde ICE in Minneapolis Kleidung trug, die manche an SS-Uniformen erinnerte.

Snyder sagte dazu, Bovino stilisiere sich "als Himmler oder Heydrich". Auch in den Internetauftritten von US-Ministerien fĂ€nden sich "Inhalte, die als Chiffren fĂŒr weißen Nationalismus oder Faschismus bekannt sind".

Besonders scharfe Kritik ĂŒbte Snyder am MultimilliardĂ€r Elon Musk, der "vielleicht einflussreichsten Person Amerikas". Der habe die Parameter seiner Plattform X so geĂ€ndert, "dass es heute viel einfacher ist, Nazi-Inhalte zu verbreiten". Eine Geste Musks mit ausgestrecktem Arm sei nur deshalb als Hitlergruß interpretiert worden, "weil es ein Hitlergruß war". Es sei "schon lustig zu beobachten, wie manche versuchen, sichtbare Dinge nicht zu sehen".

Snyder widersprach dem in Deutschland verbreiteten Argument, Nazi-Vergleiche seien unzulÀssig, weil sie den Holocaust banalisierten oder seine Einzigartigkeit infrage stellten. Die Annahme, "dass solche Dinge anderswo nicht auch passieren können", sei "eine Art negativer nationaler Exzeptionalismus".

Wer Vergleiche zwischen gegenwĂ€rtigen Entwicklungen und der Nazi-Diktatur ausschließen wolle, mache "die historische Erforschung des Holocausts nutzlos". In der Geschichte sei zwar alles einzigartig, aber man mĂŒsse sich "vor dem Fehlschluss hĂŒten, dass deshalb aus dem Holocaust nichts gelernt werden kann". Das Gegenteil sei richtig. "Wer den Holocaust ernst nimmt, erforscht alle Elemente, die ihn möglich gemacht haben, und versucht dadurch, die Gegenwart besser zu verstehen".

Im Augenblick gebe es "eine ziemliche Anzahl von Amerikanern in fĂŒhrenden Positionen, fĂŒr die das Dritte Reich ein positives Beispiel" sei. "Und diese Menschen können wir nicht analysieren, wenn wir uns vom Wissen ĂŒber das Dritte Reich abschneiden". Es sei "eine Perversion zu sagen, wir wollen Widerstand gegen Faschismus leisten, aber zugleich wollen wir nichts ĂŒber ihn wissen."

Angesichts imperialer Tendenzen der FĂŒhrungen in Amerika, Russland und China verwies Snyder auf die Bedeutung der EuropĂ€ischen Union. Die sei deshalb heute so wichtig, weil sie eine Antwort auf die Frage gebe, "was nach den Imperien kommen kann". Sie versuche "eine große integrierte Zone zu schaffen, die nicht auf Ausbeutung beruht und nicht auf dem GefĂ€lle zwischen Zentrum und Peripherie". Viele europĂ€ische Nationen hĂ€tten das aber nicht begriffen. "Sie sehen nicht, dass Europa die Hoffnung verkörpert, dass es auch etwas anderes geben kann." Die EuropĂ€er mĂŒssten verstehen, dass "heute ihre grĂ¶ĂŸten Konkurrenten Imperien sind. Dann wĂŒrden sie vielleicht auch erkennen, wie wichtig ihre Union als Alternativentwurf ist."

Nach Snyders Analyse spielt Deutschland in dieser Lage eine zentrale Rolle. "Ob es in der Welt Demokratie geben wird, hĂ€ngt von Europa ab, und Europa hĂ€ngt von Deutschland ab." FĂŒr Deutsche sei das "nicht immer bequem". Sie hĂ€tten sich an den Gedanken gewöhnt, dass sie "nicht fĂŒhren" sollten. "Aber wenn ihr nicht fĂŒhrt, legt ihr die Macht vollstĂ€ndig in die HĂ€nde der Amerikaner und der Russen."

In dieser Lage sei die AfD "deshalb besonders gefĂ€hrlich, weil sie mit den amerikanischen Social-Media-Oligarchen" zusammenwirke. "Sie will diesen Leuten erlauben, den deutschen Informationsraum zu beherrschen." Er betrachte die AfD deshalb "weniger als eine deutsche Partei denn als ein Instrument der amerikanischen Tech-Giganten". Musk und der US-VizeprĂ€sident J.D. Vance unterstĂŒtzten sie, "weil sie die EU aufbrechen wollen und damit auch die Regeln der EU zur Kontrolle der digitalen Medien. Sie wollen Geld machen, und die Verbreitung von antieuropĂ€ischem Faschismus ist ihr Mittel." Die UnterstĂŒtzung der AfD sei "Teil eines Projekts zur Zerstörung der europĂ€ischen Demokratien und der EU".

@ dts-nachrichtenagentur.de

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