Erdogan erklÀrt sich zum Sieger der PrÀsidentenwahl
28.05.2023 - 20:25:02Der tĂŒrkische PrĂ€sident Recep Tayyip Erdogan hat sich bereits vor Ende der StimmauszĂ€hlung zum Wahlsieger in der PrĂ€sidentschaftswahl erklĂ€rt. Er danke allen, die es ihm ermöglicht hĂ€tten, die nĂ€chsten fĂŒnf Jahre zu regieren, sagte Erdogan vor jubelnden AnhĂ€ngern in Istanbul. Er werde «bis ans Grab» bei seinen AnhĂ€ngern sein. In Ankara fĂŒllten am frĂŒhen Abend bereits Autokorsos mit wehenden Fahnen die StraĂen. Auch in Istanbul waren Hupkonzerte zu hören.
Wie bereits im Wahlkampf hetzte Erdogan gegen lesbische, schwule, bisexuelle und transidente Menschen. «Meine BrĂŒder, ist diese CHP denn nicht fĂŒr die LGBT?», sagte er auch am Sonntag mit Bezug auf die Partei Kilicdaroglus. In seinem eigenen WahlbĂŒndnis gebe es so etwas nicht, so Erdogan. Er erhielt dafĂŒr laute Zustimmung aus dem Publikum.
Obwohl am frĂŒhen Abend viele Stimmen noch nicht ausgezĂ€hlt waren, deutete sich eine klare Tendenz an. Erdogan habe bislang rund 55,41 Prozent der Stimmen erhalten, sagte der Chef der Wahlbehörde, Ahmet Yener, am Sonntag in Ankara nach AuszĂ€hlung von zwei Drittel der Stimmen. Sein Herausforderer Kemal Kilicdaroglu komme auf 46,59 Prozent. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur kam der tĂŒrkische PrĂ€sident nach AuszĂ€hlung von knapp 99 Prozent der Stimmen auf 52 Prozent, Kilicdaroglu auf 48 Prozent. Die oppositionsnahe Agentur Anka verzeichnete fast gleiche Werte.
Wahlbeteiligung bei rund 85 Prozent
Die Wahlbeteiligung lag Anadolu zufolge bei rund 85 Prozent und damit niedriger als bei der ersten Runde mit 87 Prozent. Auch in Deutschland zeichnete sich den vorlÀufigen Zahlen von Anadolu zufolge ein deutlicher Sieg Erdogans ab - nach knapp 45 Prozent der ausgezÀhlten Stimmen lag der Staatschef bei 67 Prozent.
Als einer der ersten gratulierte Viktor Orban dem tĂŒrkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan, ebenfalls vor Bekanntgabe der offiziellen Wahlergebnisse, zum Sieg. Der ungarische MinisterprĂ€sident schrieb auf Twitter am Sonntag von einem «unbestrittenen Wahlsieg». Zuvor hatten Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani und Libyens MinisterprĂ€sident Abdul Hamid Dbaiba dem tĂŒrkischen Staatschef bereits gratuliert. «Mein lieber Bruder Recep Tayyip Erdogan, herzlichen GlĂŒckwunsch zu Ihrem Sieg», schrieb das Staatsoberhaupt Katars auf Twitter.
Die Opposition Ă€uĂerte sich vorerst nicht zu den Ergebnissen. Kilicdaroglu wollte sich noch am Abend Ă€uĂern. Der Abstimmungstag war laut Wahlbehörde ruhig verlaufen, es hatte jedoch mehrere Meldung von gewaltvollen ZwischenfĂ€llen gegeben.
Erdogan seit 20 Jahren an der Macht
Erdogan fĂŒhrt die TĂŒrkei seit 20 Jahren. 2003 wurde Erdogan zunĂ€chst MinisterprĂ€sident, 2014 StaatsprĂ€sident. Seit EinfĂŒhrung eines PrĂ€sidialsystems 2018 hat er so viel Macht wie nie zuvor. BefĂŒrchtet wird, dass er nach der Wahl noch autoritĂ€rer regieren wird. Die TĂŒrkei ist Nato-Mitglied, pflegt enge Beziehungen zu Russland ebenso zur Ukraine und ist Akteurin im syrischen BĂŒrgerkrieg. Die Wahl wurde entsprechend auch international mit groĂer Aufmerksamkeit verfolgt.
Die Wahl galt unter anderem vor dem Hintergrund einer grassierenden Wirtschaftskrise als eine der gröĂten Herausforderungen seiner politischen Laufbahn. Dass die Mehrheit der WĂ€hler der Krisen zum Trotz fĂŒr Erdogan stimmte, liegt Beobachtern zufolge auch an der Kontrolle der Regierung ĂŒber die Medienlandschaft. In einem Interview kurz vor der Wahl etwa erklĂ€rte Erdogan unhinterfragt, wirtschaftliche Probleme seien eine MĂ€r der Opposition.
Insgesamt waren rund 64 Millionen Menschen zur Stimmabgabe aufgerufen, davon rund 3,4 Millionen im Ausland.
Im Parlament konnte sich das BĂŒndnis um den tĂŒrkischen Staatschef nach vorlĂ€ufigen Zahlen bereits am 14. Mai eine Mehrheit sichern, trotz Verlusten im Vergleich zu 2018.
Migration und Wirtschaft wichtigste Wahlkampfthemen
Bestimmendes Thema im Wahlkampf waren die Themen Migration sowie die kriselnde Wirtschaft und die hohe Inflation. Erdogan hetzte gegen die Opposition, in dem er ihr Verbindungen zu Terroristen vorwarf und sie wegen der UnterstĂŒtzung von schwulen, lesbischen und queeren Menschen anging.
Die Opposition war in einem historisch einmaligen BĂŒndnis aus sechs Parteien angetreten. Sie versprach eine Demokratisierung des Landes und einen harten Kurs gegen FlĂŒchtlinge. FĂŒr einen Sieg reichte das aller Voraussicht nach jedoch nicht.
Der Wahlkampf verlief unfair. Erdogan konnte neben der Kontrolle ĂŒber die Medien auch auf staatliche Ressourcen zurĂŒckgreifen. Im ersten Wahlgang, den Erdogan gewann, hatte es Berichte ĂŒber UnregelmĂ€Ăigkeiten gegeben, die jedoch nichts am Wahlausgang Ă€nderten.







