Putin, GeschÀft

Putin wirbt um mehr GeschÀft mit China

17.05.2024 - 14:09:36

Der Westen hat Putins Angriffskrieg in der Ukraine mit Sanktionen bestraft. Daher ist der Kremlchef auf einen florierenden Handel mit China angewiesen. Und setzt auf den Energiesektor.

Zum Abschluss seines Staatsbesuchs in China wirbt Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin um einen Ausbau der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Peking - und kritisiert zugleich die Sanktionen des Westens scharf. «Russland ist bereit und in der Lage, die chinesische Wirtschaft, Unternehmen, StĂ€dte und Dörfer kontinuierlich und zuverlĂ€ssig mit ökologisch sauberer und erschwinglicher Energie, Strom und WĂ€rme zu versorgen», sagte der Kremlchef bei der Eröffnung einer russisch-chinesischen Messe in der chinesischen Millionenstadt Harbin. Er sei sicher, dass beide Staaten ihre strategische Allianz im Energiebereich weiter stĂ€rken wĂŒrden.

Das derzeitige Handelsvolumen von 240 Milliarden Dollar (rund 220 Milliarden Euro) sei noch lange nicht das Ende der Möglichkeiten, sagte Putin. Neben dem Energiesektor hofft Moskau nach der Abwanderung westlicher Autohersteller auch auf eine stĂ€rkere Zusammenarbeit im Fahrzeugbau und in der Landwirtschaft. Russland ist auch aufgrund westlicher Sanktionen gegen seinen Öl- und Gassektor nach dem von Putin befohlenen Angriffskrieg gegen die Ukraine gezwungen, neue AbsatzmĂ€rkte fĂŒr seine EnergietrĂ€ger zu suchen.

Daher will Russland eine weitere Gaspipeline durch die Mongolei nach China bauen. Eine entsprechende Vereinbarung werde in wenigen Tagen unterzeichnet, hatte Vizeregierungschef Alexander Nowak am Vortag angekĂŒndigt. Derzeit laufe die finale Abstimmung ĂŒber die wirtschaftlichen und kommerziellen Bedingungen fĂŒr das Projekt. Die Leitung Kraft Sibiriens 2 soll eine KapazitĂ€t von 50 Milliarden Kubikmetern pro Jahr haben. Über die bisher schon bestehende Pipeline Kraft Sibiriens sind im vergangenen Jahr 22,7 Milliarden Kubikmeter Gas geflossen.

Putin: Westliche Sanktionen Teil einer Wettbewerbsverzerrung

In Harbin kritisierte Putin die westlichen Sanktionen als Teil einer Wettbewerbsverzerrung, die der gesamten Weltwirtschaft schade. «Das sind nicht marktgerechte, absolut dumme und perspektivlose Entscheidungen», sagte Putin vor Vertretern russischer Staatsmedien. Die USA wĂŒrden mit diesen Sanktionen den Dollar schwĂ€chen und den «Ast absĂ€gen, auf dem sie sitzen», meinte der Kremlchef. Deutschland und damit ganz Europa leide schon jetzt an den Nebenwirkungen der selbst verhĂ€ngten Restriktionen.

Putin bestritt, dass die Sanktionen mit dem von ihm befohlenen Angriffskrieg gegen die Ukraine zusammenhingen. Seiner Darstellung nach wolle sich der Westen damit vielmehr einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Dies werde jedoch nicht gelingen, sagte er. Zwar seien die Sanktionen auch fĂŒr die Betroffenen mit Unannehmlichkeiten verbunden, doch die Allianz zwischen Russland und China sei in der Lage, viele Probleme zu lösen, meinte er. Putin hatte sich wĂ€hrend seines zweitĂ€gigen Besuchs auch stundenlang mit Chinas Staats- und Parteichef persönlich ĂŒber dieses und andere Themen unterhalten.

Angesprochen wurde Putin auf die Sanktionen auch vor dem Hintergrund von Informationen, dass chinesische Banken den Zahlungsverkehr mit russischen Kunden erschwert hĂ€tten, um Folgesanktionen der USA zu umgehen. Das Thema sei besprochen worden, sagte Putin. Eine konkrete und schnelle Lösung des vor allem fĂŒr Russland drĂ€ngenden Problems konnte er jedoch nicht prĂ€sentieren.

Harmonische Geste zum Abschied

Mit einer harmonischen Geste hatten Putin und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping am Vorabend ihre GesprÀche in Peking beendet. Nach einem eintÀgigen Programm reichten sie sich am zunÀchst die HÀnde und umarmten sich kurz darauf zum Abschied, wie auf einem Video des Staatssenders CCTV zu sehen war. Xi winkte seinem Gast nach, als dieser in einer Limousine in die Dunkelheit fuhr.

Bei ihren Beratungen hatten Putin und Xi eine weitere enge Zusammenarbeit vereinbart. China und Russland sprachen sich zur Beendigung des Kriegs in der Ukraine außerdem fĂŒr eine Lösung durch politische Einigung aus. Putin lobte Chinas FriedensbemĂŒhungen. FĂŒr die im Juni geplante Friedenskonferenz in der Schweiz hat Peking bislang allerdings nicht zugesagt. Ein vor mehr als einem Jahr vorgeschlagener Zwölf-Punkte-Plan zu Lösung des Konflikts stieß international wegen seiner vagen VorschlĂ€ge auf wenig Zuspruch.

@ dpa.de