Regierungschef Fico nach Attentat weiter in Lebensgefahr
16.05.2024 - 16:04:38 | dpa.deNach dem Attentat auf den slowakischen Regierungschef Robert Fico schwebt der Politiker weiter in Lebensgefahr. Den Ărzten gelang es zwar, den 59-JĂ€hrigen zu stabilisieren, sein Zustand war am Donnerstag aber weiter ernst. Gegen den mutmaĂlichen AttentĂ€ter wurden Ermittlungen wegen vorsĂ€tzlichen Mordes aufgenommen. Mit Blick auf die Europawahl im Juni mahnten die scheidende PrĂ€sidentin und ihr gewĂ€hlter Nachfolger, den Wahlkampf vorerst auszusetzen oder zumindest den Ton zu mĂ€Ăigen.
Der 59-JĂ€hrige Fico war am Mittwoch in der Kleinstadt Handlova von einem Rentner niedergeschossen worden. Schwer verletzt wurde er nach Banska Bystrica geflogen, wo er sich im Krankenhaus einer fĂŒnfstĂŒndigen Notoperation unterziehen musste. Zuvor sei ein CT-Scan gemacht worden, sagte Krankenhausdirektorin Miriam Lapunikova. Die Folgen seiner Schussverletzungen könnten eine Genesung erschweren, sagte Lapunikova weiter.
In Bratislava kam nun der slowakische Sicherheitsrat zu einer Sondersitzung zusammen. Verteidigungsminister Robert Kalinak sagte anschlieĂend, Ficos Zustand sei «weiter ernst». Der Regierungschef sei von vier Kugeln getroffen worden, die Verletzungen seien sehr schwerwiegend. «Den Ărzten ist es gelungen, den Zustand zu stabilisieren», sagte Kalinak. Fico sei aber noch nicht auĂer Lebensgefahr. «Wir haben eine schwere Nacht hinter uns», sagte Kalinak, der in seiner Funktion als Vize-Regierungschef Fico im Amt vertritt.
Wurde Fico ausreichend geschĂŒtzt?
Bei dem TatverdĂ€chtigen handelt es sich um einen 71-JĂ€hrigen aus der Kleinstadt Levice, rund 78 Kilometer sĂŒdlich von Handlova. Gegen ihn werde wegen versuchten Mordes ermittelt, sagte Innenminister Matus Sustaj Estok. Es handele sich bei dem Mann um einen «einsamen Wolf», der mit der politischen Entwicklung in der Slowakei unzufrieden sei. Der Innenminister sprach erneut von einem politisch motivierten Angriff. Er sei jedoch kein Mitglied einer radikalisierten politischen Gruppierung, weder einer rechten noch einer linken.
Zudem prĂŒfen die Behörden, ob Ficos PersonenschĂŒtzer den Regierungschef nicht ausreichend geschĂŒtzt haben. Entsprechende Ermittlungen «wegen Behinderung der Aufgaben eines AmtstrĂ€gers» seien bereits am Mittwoch eingeleitet worden, sagte eine Behördensprecherin der Nachrichtenagentur TASR. Mehrere slowakische Experten kritisierten die Sicherheitsvorkehrungen. Sie rĂŒgten unter anderem, dass die LeibwĂ€chter unmittelbar nach dem Attentat chaotisch vorgegangen seien.
Polizei droht mit harten Strafen fĂŒr BeitrĂ€ge im Internet
Unterdessen luden die scheidende StaatsprÀsidentin Zuzana Caputova und ihr gewÀhlter Nachfolger Peter Pellegrini die politischen Parteien zu gemeinsamen GesprÀchen ein. «Lassen Sie uns aus dem Teufelskreis des Hasses und der gegenseitigen Beschuldigungen aussteigen», appellierte Caputova in Bratislava.
Der Anschlag sei zwar eine individuelle Tat gewesen. «Aber die angespannte AtmosphĂ€re des Hasses war unser gemeinsames Werk.» Pellegrini rief die politischen Parteien auf, ihren Wahlkampf vor der Europawahl am 9. Juni vorerst auszusetzen oder zumindest einzuschrĂ€nken, bis sich die Lage beruhigt habe.Â
Die Polizei drohte mit harten Strafen fĂŒr BeitrĂ€ge im Internet, «die das Verbrechen gutheiĂen und Hass verbreiten». Die Behörden hĂ€tten den digitalen Diskussionsraum genau im Blick, betonte die slowakische Polizei auf Facebook. Innenminister Sutaj Estok rief Medien und Ăffentlichkeit zur MĂ€Ăigung auf und warnte davor, Ăl ins Feuer zu gieĂen.
«Man sollte sich sehr gut ĂŒberlegen, ob es richtig ist, von der Tastatur aus jemandem den Tod zu wĂŒnschen oder öffentlich das Attentat auf den slowakischen MinisterprĂ€sidenten gutzuheiĂen», mahnte er. Die Polizei habe bereits 32 FĂ€lle von Personen registriert, welche die Tat in den sozialen Medien gutgeheiĂen hĂ€tten.
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