Baerbock und Heil werben in Brasilien um PflegekrÀfte
05.06.2023 - 16:50:10Angesichts des Mangels an PflegekrĂ€ften in Deutschland sehen AuĂenministerin Annalena Baerbock und Arbeitsminister Hubertus Heil gute Chancen, mehr qualifizierte Mitarbeiter aus Brasilien anzuwerben.
«Brasilianische PflegekrĂ€fte und kolumbianische Elektriker finden in Deutschland bereits offene Arme. Diese Partnerschaft wollen wir ausbauen», sagte Baerbock zum Auftakt einer Lateinamerika-Reise in der Hauptstadt Brasilia. Zusammen mit Heil warb sie fĂŒr Deutschland als Standort mit guten Arbeits- und Lebensbedingungen.
Brasilien ist das einzige Land der Region, mit dem Deutschland seit 2008 durch eine strategische Partnerschaft verbunden ist. Das gröĂte Land SĂŒdamerikas ist dort auch wichtigster deutscher Handelspartner. Aktuell arbeiten nach Heils Angaben bis zu 200 brasilianische PflegekrĂ€fte in Deutschland.
Heil wirbt um FachkrÀfte
In der Pflege sei der Bedarf an FachkrĂ€ften in Deutschland groĂ, wĂ€hrend es in Brasilien einen Ăberhang an gut ausgebildeten KrĂ€ften gebe, sagte der SPD-Minister. Die Arbeitslosenquote bei Pflegerinnen und Pflegern liege dort bei zehn Prozent. Heil warb in einer AusbildungsstĂ€tte der Katholischen UniversitĂ€t Brasilia (UCB) um Zuwanderer. Als er sich in einem Seminarraum von Pro-Rektorin Adriana Pelizzari per VideoprĂ€sentation die Arbeit erklĂ€ren lĂ€sst, wird er als «Herr Hubertus» empfangen.
Minister fĂŒr faire Arbeits- und Lohnbedingungen
Heil sagte, Arbeits- und Bezahlungsbedingungen in der Pflege mĂŒssten in beiden LĂ€ndern verbessert werden. Pelizzari zeigte sich aufgeschlossen fĂŒr einen Austausch von Studenten und Zusammenarbeit in der Forschung. Heil sagte, die UniversitĂ€t Göttingen habe daran Interesse. In Deutschland suche man hĂ€nderingend PflegekrĂ€fte.
Der Minister nannte die Anwerbung von PflegekrĂ€ften ein sensibles Thema. Nach den Regeln der Weltgesundheitsorganisation WHO dĂŒrfe man LĂ€ndern, die zu wenig PflegekrĂ€fte hĂ€tten, keine abjagen. Wenn man besser kooperiere und faire Regeln aufstelle, «auch fĂŒr faire Migration, dann ist das im wechselseitigen Interesse». In der Vergangenheit habe es viel zu bĂŒrokratische Verfahren und ein abschreckendes Einwanderungsrecht gegeben.
Die UCB ist die zweitgröĂte Hochschule der brasilianischen Hauptstadt. In einem vierjĂ€hrigen Studiengang werden PflegekrĂ€fte mit Bachelor-Abschluss ausgebildet.
BA betreut derzeit mehr als 370 Bewerber auf Pflegeberufen
Die Bundesagentur fĂŒr Arbeit (BA) und die Gesellschaft fĂŒr Internationale Zusammenarbeit (GIZ) stellen nur dann PflegefachkrĂ€fte ein, wenn die HerkunftslĂ€nder zustimmen. Mit der brasilianischen Pflegekammer Cofen hat die BA vor einem Jahr eine Absprache zur Vermittlung von PflegefachkrĂ€ften unterzeichnet. Darin stehen Regeln zur Bewerberauswahl, zum Vermittlungsprozess, zum Spracherwerb und zur Anerkennung beruflicher Qualifikationen.
Heil zufolge hĂ€lt die BA die Anwerbung von bis zu 700 PflegekrĂ€ften pro Jahr fĂŒr möglich. In Brasilien gibt es nach Angaben des Berufsverbands Cofen 2,5 Millionen Krankenpfleger. Die Arbeitslosenquote in dem Sektor lag 2021 bei mehr als zehn Prozent.
Die BA rekrutiert seit 2018 brasilianische FachkrĂ€fte fĂŒr den deutschen Arbeitsmarkt. Derzeit betreut sie nach eigenen Angaben 374 Bewerber aus Pflegeberufen, 43 aus technischen und Handwerksberufen sowie 42 aus Ingenieur- und IT-Berufen.
PatientenschĂŒtzer: Am Sprachniveau nicht rĂŒtteln
Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, warnte, es sei davon auszugehen, dass in den nĂ€chsten Jahren 500.000 FachkrĂ€fte in KrankenhĂ€usern, stationĂ€ren und ambulanten Diensten in Rente gingen. Die Planbarkeit der BeschĂ€ftigung sei weiterhin mangelhaft. Am Sprachniveau dĂŒrfe nicht gerĂŒttelt werden.
Baerbock trifft Umweltministerin
Zum Auftakt ihres sechstÀgigen Besuches in Brasilien, Kolumbien und Panama traf Baerbock die brasilianische Umweltministerin Marina Silva. In einer gemeinsamen ErklÀrung wollten beide Seiten den Willen bekrÀftigen, bei der Klimapolitik gemeinsam voranzugehen. Das Papier enthÀlt auch ein Bekenntnis zum UN-Verhandlungsrahmen.
Silva hatte das Umweltressort schon wĂ€hrend der ersten beiden Amtszeiten des heutigen PrĂ€sidenten Luiz InĂĄcio Lula da Silva 2003 bis 2008 gefĂŒhrt. Nach Streit ĂŒber die Ausrichtung der Umweltpolitik trat sie zurĂŒck. Silva wuchs in einer Kautschuksammler-Siedlung im Amazonasgebiet auf. Sie studierte Geschichte, schloss sich der linken Arbeiterpartei (PT) an und grĂŒndete mit dem spĂ€ter ermordeten UmweltschĂŒtzer Chico Mendes eine Gewerkschaft im Amazonasgebiet.





