Zahl, Leopard-Panzer

Nur noch «sehr geringe Zahl» Leopard-Panzer im Kampfeinsatz

02.01.2024 - 07:57:59

Deutschland hat der Ukraine im MĂ€rz 18 moderne Kampfpanzer ĂŒbergeben. Nach dem Fronteinsatz dauert die Instandsetzung lĂ€nger als nötig - so das Ergebnis eines Ortsbesuchs. Es gibt mehrere Probleme.

Ersatzteilmangel und SchĂ€den durch Reparaturversuche der Ukrainer: Von den aus Deutschland gelieferten modernen Kampfpanzern Leopard 2A6 stehen nur noch sehr wenige im Abwehrkampf gegen Russland - der GrĂŒnen-HaushĂ€lter Sebastian SchĂ€fer fordert deshalb schnellere Schritte, um sie wieder einsatzbereit zu machen.

Der Fachmann fĂŒr den Verteidigungsetat hat gemeinsam mit Verteidigungsminister Boris Pistorius vor Weihnachten die Reparaturwerkstatt der Industrie («Hub») in Litauen besucht.

Zum Jahreswechsel schreibt er nun an die beteiligten RĂŒstungsunternehmen Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann (KMW): «Leider ist festzustellen, dass nur noch eine sehr geringe Zahl der gelieferten Kampfpanzer von der Ukraine eingesetzt werden kann.» Die Schreiben liegen der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor.

Die Bundesregierung hatte der Ukraine im MĂ€rz nach langem Zögern insgesamt 18 Leopard-2-Panzer aus dem Bestand der Bundeswehr ĂŒbergeben. Die Lieferung ist Teil der Hilfe gegen den russischen Angriff. An den Fahrzeugen gibt es nun GefechtsschĂ€den, aber teils auch erheblichen technischen Verschleiß durch den Fahr- und Schießbetrieb.

Die Hoffnung, die modernen Kampfpanzer könnten die Ukrainer befĂ€higen, Angriffsschwerpunkte so zu bilden, dass damit die stark ausgebauten russischen Linien durchstoßen werden können, haben sich bisher nicht erfĂŒllt. Teils nutzten die Ukrainer die Panzer auch anders, als es westliche MilitĂ€rplaner erwartet haben.

SchÀfer: Reparatur dauert sehr lange

Mehr Zeit als nötig erfordert nun die Instandsetzung nach dem Fronteinsatz. «Die Reparatur der Systeme dauert sehr lange, da nach Auskunft im Hub u. a. ein Mangel an geeigneten Ersatzteilen besteht. Hier scheint es aus meiner Sicht dringende Handlungsnotwendigkeiten zu geben, die Ersatzteillage schnell zu verbessern», schreibt SchĂ€fer. «Auch besteht offenbar ein Problem darin, dass es teilweise zu Reparaturversuchen durch die ukrainische Armee kommt, die dann zu weiteren SchĂ€den an den Kampfpanzern fĂŒhren. Es ist zu prĂŒfen, inwiefern dies durch eine bessere Schulung der Mechaniker oder durch die Bereitstellung von Anleitungen verhindert werden kann.»

Zudem stelle sich die Frage, warum der langwierige Transport der defekten Panzer nach Litauen weiter notwendig sei. Das dortige Wartungszentrum ist Teil der Lithuania Defense Services (LDS), der litauischen Gemeinschaftsfirma von KMW und Rheinmetall. SchĂ€fer schreibt an Rheinmetall: «In Lwiw wurde nach Angaben Ihres Unternehmens jetzt mit der Versorgung erster Systeme vom Typ «Marder» begonnen. Es wĂ€re aus meiner Sicht dringend notwendig, auch fĂŒr die komplexeren Leopard II - Systeme die Möglichkeit der Reparatur in der Ukraine zu schaffen.»

Litauen hat sich allerdings fĂŒr Politik und MilitĂ€r in Deutschland in den vergangenen Jahren als verlĂ€sslicher Partner erwiesen. Hingegen gab es sowohl in Polen als auch in der Slowakei Probleme mit militĂ€rischen Kooperationsprojekten fĂŒr die Instandsetzung von Waffensystemen fĂŒr die Ukraine. Allerdings ist fĂŒr die Reparatur im Baltikum der lange Transportweg quer durch Polen zu bewĂ€ltigen.

Forderung nach Taurus-Marschflugkörpern

SchĂ€fer fordert, in der Hilfe fĂŒr die Ukraine nicht nachzulassen, sondern sich auf eine Ausweitung einzustellen. «Die Situation in der Ukraine ist sehr schwierig», sagte der GrĂŒnen-Politiker der dpa. «Wir mĂŒssen uns auch darauf einstellen, dass die UnterstĂŒtzung aus den Vereinigten Staaten nachlĂ€sst.» Dass Deutschland nach den USA die meiste UnterstĂŒtzung gebe, gelte leider nur nominal. Im VerhĂ€ltnis zur Wirtschaftsleistung sei Deutschland «nur unter ferner liefen».

«Das muss sich Àndern», fordert er. Nötig sei «endlich auch die Lieferung von weitreichenden Taurus-Marschflugkörpern aus BestÀnden der Bundeswehr». Es gelte, die Ukraine gegen die Truppen Putins in eine stÀrkere Position zu bringen.

Die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sagte dem Nachrichtenportal t-online am Dienstag, die Zusicherung, der Ukraine solange wie nötig zu helfen, werde «zur Phrase, wenn wir nicht gemeinsam mit unseren europĂ€ischen Partnern die Ukraine weiter und deutlich stĂ€rker unterstĂŒtzen». Die Ukraine benötige mehr Munition, mehr Ersatzteile und der Taurus muss sofort auf den Weg gebracht werden, um endlich den russischen Nachschub zu erschweren.» Mit Blick auf den russischen PrĂ€sidenten fĂŒgte die Vorsitzende des Bundestags-Verteidigungsausschusses hinzu: «Putin setzt darauf, dass wir Angst vor der eigenen Courage haben. Und offensichtlich liegt er richtig. Dieses Zögern ist so bitter.»

@ dpa.de