Friedensprozess und Energie: Baerbock in Kolumbien
08.06.2023 - 05:16:41AuĂenministerin Annalena Baerbock setzt ihre sechstĂ€gige Lateinamerikareise heute in Kolumbien fort. In Cali, der mit 2,5 Millionen Einwohnern drittgröĂten Stadt des Landes, will die GrĂŒnen-Politikerin mit der kolumbianischen VizeprĂ€sidentin Francia MĂĄrquez sprechen. Bei den GesprĂ€chen Baerbocks stehen der Friedensprozess im Land sowie die Themen Klima, Energie, Rohstoffe und Frauenrechte im Vordergrund.
Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD), der Baerbock seit Sonntag auf der Reise in Brasilien begleitet hatte, fliegt unterdessen von der brasilianischen Stadt BelĂ©m aus nach Deutschland zurĂŒck.
Produktion, Nutzung und Export von grĂŒnem Wasserstoff
Die kolumbianische Regierung von PrĂ€sident Gustavo Petro will die Erneuerbaren Energien weiter ausbauen. Die Bundesregierung setzt hier etwa stĂ€rkere Zusammenarbeit mit dem Land. Petro ist seit August 2022 im Amt. Zu seinen Wahlversprechen gehörte auch der Stopp neuer Lizenzen fĂŒr die Kohle- und Ălförderung sowie der Offshore-Ălförderung. Kolumbien ist zudem an der Produktion, der Nutzung und dem Export von grĂŒnem Wasserstoff interessiert - auch hier könnte es Zusammenarbeit geben. Traditionell gilt Kolumbien auch als enger Partner Deutschlands beim Klimaschutz.
Kolumbien ist das viertgröĂte Land SĂŒdamerikas und hat etwa 50 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Die 41 Jahre alte MĂĄrquez ist die erste schwarze VizeprĂ€sidentin des sĂŒdamerikanischen Landes. Die Menschenrechtsaktivistin und UmweltschĂŒtzerin kĂ€mpfte in der von der Gewalt besonders betroffenen Region Cauca gegen illegale Goldsucher und wurde mehrmals bedroht. 2018 erhielt sie fĂŒr ihren Einsatz den renommierten Goldman-Preis.
52 Jahre BĂŒrgerkrieg und ein Friedensprozess
Kolumbien litt 52 Jahre lang unter einem BĂŒrgerkrieg zwischen linken Rebellen, rechten ParamilitĂ€rs und dem MilitĂ€r. 220.000 Menschen kamen ums Leben, Millionen wurden vertrieben. Zwar hat sich die Sicherheitslage nach dem Friedensabkommen 2016 zwischen der Regierung und der gröĂten Rebellengruppe Farc verbessert. Noch immer werden aber Teile des Landes von illegalen Gruppen kontrolliert.
Da die Wiedereingliederung in das zivile Leben oftmals scheiterte, haben sich viele ehemalige KĂ€mpfer wieder kriminellen Banden angeschlossen. Vor allem die Gewalt gegen soziale Aktivisten, Indigene und UmweltschĂŒtzer hat deutlich zugenommen. PrĂ€sident Gustavo Petro will nun den «totalen Frieden» erreichen. Allerdings kommt es dabei immer wieder zu RĂŒckschlĂ€gen, weil sich die bewaffneten Gruppen nicht an den Waffenstillstand halten.
Dritte Runde der FriedensgesprÀche soll zu Ende gehen
Heute sollte die dritte Runde der FriedensgesprĂ€che zwischen der kolumbianischen Regierung und der linken Guerillaorganisation ELN in Havanna zu Ende gehen. PrĂ€sident Petro wollte zum Abschluss in die kubanische Hauptstadt reisen. Es wurde damit gerechnet, dass die UnterhĂ€ndler einen Waffenstillstand ankĂŒndigen.
Nach vier Jahren Pause hatten die Vertreter der Regierung und der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) Ende 2022 die Friedensverhandlungen wieder aufgenommen. Die VorgÀnger-Regierung des konservativen PrÀsidenten Ivån Duque hatte die FriedensgesprÀche mit der ELN 2019 nach einem Bombenanschlag der Gruppe auf eine Polizeiakademie in Bogotå mit 22 Todesopfern abgebrochen. Petro, ein Ex-Guerillero der Gruppe M-19, schob nach seinem Amtsantritt im August 2022 den Friedensprozess wieder an.
Die marxistisch-leninistische ELN hat rund 5000 KĂ€mpfer. Die Organisation orientierte sich zunĂ€chst stark am kubanischen Sozialismusmodell, spĂ€ter schlossen sich viele von der Befreiungstheologie geprĂ€gte Geistliche der Gruppe an. Sie verĂŒbt vor allem im Osten Kolumbiens AnschlĂ€ge und nimmt Geiseln.
Podiumsdiskussion zu feministischem Friedensprozess
Am Abend (Ortszeit) wollte Baerbock das deutsch-kolumbianische Friedensinstitut Capaz besuchen und an einer Podiumsdiskussion zur feministischen Friedenspolitik und zum Friedensprozess in dem Land teilnehmen. Bei der Verleihung des Preises des deutsch-lateinamerikanisch-karibischen Frauennetzwerkes «Unidas» (deutsch: «Vereinigt») an VizeprÀsidentin Mårquez wollte Baerbock die Laudatio halten. «Unidas» wurde 2019 ins Leben gerufen. Es ist Bestandteil der Lateinamerika- und Karibik-Initiative des AuswÀrtigen Amts, bei der Baerbock die Schirmherrschaft hat.


