Olaf Scholz, Ursula von der Leyen

EU-Gipfel berĂ€t ĂŒber Migration und Aufnahme neuer LĂ€nder

06.10.2023 - 04:46:28

Die 27 Staats- und Regierungschefs der EU-LÀnder treffen sich in Granada. Beim Thema Migration droht Zoff. Dazu stellt sich die Frage: Wie muss sich die EU verÀndern, damit neue LÀnder beitreten können?

Beim informellen EU-Gipfel im spanischen Granada droht heute erneut Streit ĂŒber die gemeinsame Migrationspolitik. Bis zum Donnerstagabend war unklar, ob LĂ€nder wie Polen und Ungarn bereit sind, eine geplante gemeinsame ErklĂ€rung zum Thema mitzutragen. Grund ist nach Angaben von Diplomaten vor allem, dass die derzeitigen PlĂ€ne fĂŒr eine Reform des europĂ€ischen Asylsystems ein Pflicht zur SolidaritĂ€t vorsehen.

Stark belasteten Staaten wie Italien und Griechenland soll demnach kĂŒnftig ein Teil der Asylsuchenden abgenommen werden. LĂ€nder, die keine FlĂŒchtlinge aufnehmen wollen, wĂŒrden zu Ausgleichszahlungen gezwungen werden. Beim Juni-Gipfel hatten SpitzengesprĂ€che zum Thema Migration wegen dieses Streits ergebnislos und ohne ErklĂ€rung geendet.

Ungarn und Polen halten zudem auch die am Mittwoch vereinbarten PlĂ€ne fĂŒr einen Krisenmechanismus innerhalb des EU-Asylsystems fĂŒr unzureichend. Sie wollen bei einem Massenzustrom von Migranten weitreichend von normalen Schutzstandards fĂŒr diese Menschen abweichen können.

Am Rande des informellen Gipfels wird es voraussichtlich auch zu einem GesprĂ€ch zwischen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Italiens MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni kommen. Meloni hatte sich in einem Brief an Scholz kĂŒrzlich ĂŒber deutsche Finanzhilfen fĂŒr Nichtregierungsorganisationen beschwert, die Bootsmigranten aus dem Mittelmeer retten, um sie dann in Italien an Land zu bringen. Die Bundesregierung verweist bislang darauf, dass die Hilfe bereits vom Bundestag genehmigt wurde und nicht mehr rĂŒckgĂ€ngig zu machen sei.

Offene Fragen vor der geplanten EU-Erweiterung

Auch eine Debatte ĂŒber Reformen vor einer möglichen Erweiterung der EuropĂ€ischen Union steht auf der Tagesordnung. Knackpunkt ist dabei, wie die Union handlungsfĂ€hig bleiben kann, auch wenn sie deutlich grĂ¶ĂŸer werden sollte. Im Dezember soll entschieden werden, ob mit der Ukraine und Moldau Beitrittsverhandlungen aufgenommen werden und ob Georgien den Status des Beitrittskandidaten bekommt.

EU-RatsprĂ€sident Charles Michel sprach sich zuletzt dafĂŒr aus, dass die EU bis 2030 bereit fĂŒr die Aufnahme von LĂ€ndern wie der Ukraine sein muss. EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen befĂŒrwortete eine rasche Erweiterung, nennt jedoch kein Datum. Ein Beitritt der Ukraine gilt als kniffelig, etwa weil das kriegsgeplagte Land vergleichsweise groß ist und vermutlich auf nicht absehbare Zeit ZuschĂŒsse erhalten mĂŒsste. Zudem wĂŒrde die riesige Landwirtschaft eine umfangreiche Reform der EU-Agrarförderungen notwendig machen.

Berlin und Paris wollen Reformen

Frankreich und Deutschland warben zuletzt fĂŒr Reformen, die den Weg fĂŒr eine grĂ¶ĂŸere Union ebnen könnten. Demnach soll zum Beispiel das in manchen Politikbereichen ĂŒbliche Einstimmigkeitsprinzip aufgeweicht werden, um die Blockade von BeschlĂŒssen durch Vetos unwahrscheinlicher zu machen. Außerdem könnten neue Einnahmequellen fĂŒr den EU-Haushalt erschlossen und die Möglichkeit von MittelkĂŒrzungen bei VerstĂ¶ĂŸen gegen EU-Standards ausgeweitet werden. Mit einer schnellen Einigung rechnet derzeit allerdings niemand. Dazu liegen die Vorstellungen bislang noch zu weit auseinander.

Beitrittsverhandlungen fĂŒhrte die EU zuletzt mit den Balkanstaaten Montenegro, Albanien, Serbien, Bosnien-Herzegowina und Nordmazedonien. Zudem sind neben der Ukraine auch noch das Kosovo sowie Moldau, Georgien und die TĂŒrkei BewerberlĂ€nder. Mit der TĂŒrkei gab es bereits lange Beitrittsverhandlungen, sie liegen allerdings seit Jahren wegen rechtsstaatlicher Defizite auf Eis.

VorschlĂ€ge fĂŒr neue Ukraine-Hilfen

Auch ĂŒber die weitere UnterstĂŒtzung fĂŒr die kriegsgebeutelte Ukraine im Kampf gegen Russland soll heute geredet werden. EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen und Chefdiplomat Josep Borrell haben vorgeschlagen, im Zeitraum bis Ende 2027 zusĂ€tzliche 70 Milliarden Euro bereitzustellen.

20 Milliarden Euro davon sollen fĂŒr die Lieferung von Waffen und militĂ€rischer AusrĂŒstungen dienen, die anderen 50 Milliarden Euro vor allem zur StĂŒtzung des ukrainischen Staatshaushalts und den Wiederaufbau. Da der Gipfel ein informeller ist, wird es allerdings keine offiziellen BeschlĂŒsse geben. Am Tag zuvor fand ebenfalls in Granada bereits ein Europa-Gipfel mit rund 50 Staats- und Regierungschefs statt.

@ dpa.de