Aufruf zu mehr SolidaritÀt und Reparationen
11.12.2023 - 13:58:49Zum 75. Jahrestag der Annahme der Allgemeinen MenschenrechtserklĂ€rung haben Menschenrechtsverteidiger, Diplomaten und UN-Vertreter an bestehende Herausforderungen erinnert. Der UN-Hochkommissar fĂŒr Menschenrechte, Volker TĂŒrk, rief zu mehr SolidaritĂ€t weltweit auf. «Die Verfasser der Allgemeinen ErklĂ€rung ĂŒberwanden geopolitische Auseinandersetzungen und wirtschaftliche Differenzen», sagte er. «Sie lieĂen viele schreckliche Streitigkeiten beiseite, um diesen erleuchtenden Text zu verfassen, der den Weg zu Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit erhellt».
Forderung nach Reparationen
In Podiumsdiskussionen prangerten Vertreterinnen indigener Völker und unabhĂ€ngige UN-Expertinnen den wachsende Graben zwischen Arm und Reich zwischen LĂ€ndern und innerhalb von Gesellschaften an. So blieben die Menschenrechte fĂŒr viele Menschen eine Wunschvorstellung. Das Thema Reparationen - die finanzielle Wiedergutmachung von SchĂ€den - mĂŒsse auf dem Tisch bleiben: im Zusammenhang mit Kolonialverbrechen, aber auch mit dem menschengemachten Klimawandel, fĂŒr den ĂŒber Jahrzehnte hinweg fast nur die westlichen IndustrielĂ€ndern mit ihren TreibhausgasausstöĂen verantwortlich gewesen seien.
Gedenken an Kriegsopfer
Die ErklĂ€rung habe Befreiungsbewegungen beflĂŒgelt, sagte TĂŒrk. Gleichzeitig seien ihre Werte zu oft verraten worden. «Meine Gedanken sind bei den Millionen Menschen, die unertrĂ€glich leiden, in den besetzten palĂ€stinensischen Gebieten, vor allem Gaza, in Israel, im Sudan, in der Ukraine, in Myanmar und an vielen anderen Orten.» Er begann die Veranstaltung mit einer Schweigeminute fĂŒr Opfer von Menschenrechtsverletzungen.
Die am 10. Dezember 1948 von den damaligen Mitgliedern der gerade gegrĂŒndeten Vereinten Nationen angenommene ErklĂ€rung gilt als Meilenstein der gesellschaftlichen Entwicklung. Sie schreibt in 30 Artikeln unter anderem die Freiheit und Gleichheit aller Menschen sowie Meinungs- und Versammlungsfreiheit und Schutz vor StaatswillkĂŒr fest. Die ErklĂ€rung wurde von einem Ausschuss mit Vertretern aus zahlreichen LĂ€ndern formuliert, darunter aus China. Vorsitzende war Eleanor Roosevelt. Ihr verstorbener Mann Franklin D. Roosevelt war von 1933 bis 1945 US-PrĂ€sident gewesen. Das 1949 verabschiedete deutsche Grundgesetz mit seinem ersten Artikel («Die WĂŒrde des Menschen ist unantastbar») fuĂt unmittelbar auf der ErklĂ€rung.
Deutschland verspricht: Menschenrechte als PrioritÀt
Das UN-MenschenrechtsbĂŒro hatte dazu aufgerufen, Versprechen zum besseren Schutz der Menschenrechte abzugeben. Dem Aufruf folgten Dutzende, darunter auch LĂ€nder, in denen die Menschenrechte nach UN-Berichten wenig beachtet werden. Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Luise Amtsberg, sagte, Menschenrechte seien die Grundlage der deutschen AuĂenpolitik. Schriftlich versprach die Bundesregierung, Herausforderungen im Menschenrechtsbereich in bilateralen politischen Dialogen als PrioritĂ€t anzusprechen.


