Kreuzfahrtschiff, Kanaren

Kreuzfahrtschiff rettet vor Kanaren fast 70 Migranten

21.06.2024 - 19:41:55

Die atlantische Migrationsroute von Westafrika zu den Kanaren gilt als eine der gefĂ€hrlichsten der Welt. Notlagen gehören dort zum Alltag. Nun gab es eine außergewöhnliche Rettungsaktion.

Die Besatzung eines Kreuzfahrtschiffes auf dem Weg von den Kapverden zu den Kanaren hat im Atlantik Dutzende Migranten gerettet, die auf einem Boot in Seenot geraten waren.

Die Rettungsaktion sei bereits am Donnerstag gut 800 Kilometer sĂŒdlich der zu Spanien gehörenden Insel Teneriffa erfolgt, teilte der spanische Rettungsdienst mit. Das Kreuzfahrtschiff «Insignia» habe in Santa Cruz de Tenerife mit 67 lebenden und 4 toten Migranten angelegt, hieß es. 

Fast alle geborgenen Migranten, darunter drei Kinder im Alter zwischen sieben und neun Jahren, stammen den Angaben zufolge aus afrikanischen LĂ€ndern sĂŒdlich des Sahara. FĂŒnf der Geretteten seien wegen Verletzungen oder schwerer Dehydrierung ins Krankenhaus gebracht worden. Auch eine schwangere Frau sei vorsichtshalber eingewiesen worden.

Mindestens sechs Tote

Auf dem Boot seien mindestens sechs Personen ums Leben gekommen, schrieb der Rettungsdienst auf der Plattform X. Wegen der stĂŒrmischen See habe die Besatzung des Kreuzfahrtschiffes zwei Leichen nicht bergen können.

Nach ErzĂ€hlungen der Geretteten könnte die Zahl der Todesopfer allerdings sogar bei ĂŒber 30 liegen. In dem Boot sollen demnach mehr als hundert Menschen gewesen sein, als es im nordwestafrikanischen Mauretanien in See stach. Überlebende hĂ€tten erzĂ€hlt, dass zahlreiche Leichen wĂ€hrend der Überfahrt ĂŒber Bord geworfen worden seien, berichtete der staatliche Fernsehsender RTVE.

Die Sprecherin des spanischen Roten Kreuzes, Marcela Posca, erklÀrte, sie habe mit mehreren der Geretteten gesprochen. Sie hÀtten erzÀhlt, dass sie bereits seit fast drei Wochen auf See gewesen seien, als sie gefunden wurden. Inzwischen gehe es den meisten Migranten den UmstÀnden entsprechend gut, wurde Posca von RTVE auf Teneriffa zitiert.

Passagiere sind gerĂŒhrt von Einsatz der Crew

«Es war schon sehr hart. Du bist da in einer Fantasiewelt und wirst plötzlich mit der traurigen RealitÀt konfrontiert», sagte eine Passagierin des Kreuzfahrtschiffes zu RTVE. Ihr Ehemann hob den Einsatz der Crew hervor: «Sie haben sie (die an Bord geholten Migranten) ernÀhrt, gewaschen, gepflegt und medizinisch versorgt.»

Auf der Inselgruppe der Kanaren rund 100 Kilometer vor der NordwestkĂŒste Afrikas kommen schon seit lĂ€ngerer Zeit mehr FlĂŒchtlingsboote an. Nach der jĂŒngsten Erhebung des Innenministeriums in Madrid waren es dieses Jahr bis zum 15. Juni knapp 19.000 Migranten. Das sind rund 220 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

@ dpa.de