Ecowas: MilitÀreinsatz im Niger, falls Diplomatie scheitert
19.08.2023 - 04:46:50Viel Spielraum gibt es nicht mehr. Die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas hat sich nach dem Putsch im Niger zu einer MilitĂ€rintervention bereiterklĂ€rt. Demnach steht ein Zieldatum fĂŒr den Einsatz zwar fest, es soll aber nicht veröffentlicht werden.
Der Niger, gemeinsam mit seinen NachbarlĂ€ndern Mali und Burkina Faso, hat als Antwort darauf eine Verteidigungstrategie mit «konkreten MaĂnahmen» entwickelt, falls sich Ecowas fĂŒr «die Ausbreitung eines Krieges» entscheide, teilte das nigrische Staatsfernsehen mit.
«Wir sind fĂŒr einen Angriff vorbereitet», sagte Burkina Fasos Verteidigungsminister, Kassoum Coulibaly, nach einem Treffen von Vertretern der drei LĂ€nder in der nigrischen Hauptstadt Niamey. Mali und Burkina Faso werden wie der Niger seit Putschen in ihren LĂ€ndern vom MilitĂ€r regiert. Am FuĂballstadion von Niamey standen am Samstag Tausende junge MĂ€nner Schlange, um der Armee beizutreten.
MilitÀreinsatz oder friedliche Lösung?
Am spĂ€ten Freitag hatte Ecowas verkĂŒndet, ihre Einsatztruppen seien bereit, nach dem Putsch vor gut drei Wochen im Niger zu intervenieren, «sobald der Befehl erteilt» sei. Ein Zieldatum fĂŒr einen Einsatz sei gesetzt, werde aber nicht öffentlich genannt, sagte der Ecowas-Kommissar fĂŒr politische Angelegenheiten, Frieden und Sicherheit, Abdel-Fatau Musah.
Dennoch solle die Suche nach einer friedlichen Lösung weiter Vorrang haben. Alle Optionen, einschlieĂlich einer diplomatischen Lösung, blieben auf dem Tisch, so Musah. MilitĂ€rchefs von neun der 15 MitgliedslĂ€nder hatten sich am Donnerstag und Feritag in Ghanas Hauptstadt Accra beraten.
Eine Ecowas-Mission war am Samstag umgehend in den Niger gereist. Falls diese scheitere, werde der Staatenbund auf eine militĂ€rische Lösung zur Wiederherstellung der verfassungsmĂ€Ăigen Ordnung im Niger zurĂŒckgreifen, sagte Musah. Alle Mitgliedsstaaten auĂer den von MilitĂ€rs regierten Staaten sowie Kap Verde wollten sich beteiligen.
Ebenfalls am Samstag sprach eine UN-Delegation in Niamey mit dem nigrischen Premierminister Lamine Zeine. Es gebe «keine Krise ohne Lösung, und im Dialog findet man immer eine Lösung», sagte der UN-Sonderbeauftragte fĂŒr Westafrika, Leonardo Santos SimĂŁo, im staatlichen Fernsehen.
Auch die neue US-Botschafterin Kathleen FitzGibbon traf am Samstag in Niamey ein, um die BemĂŒhungen zur Lösung der politischen Krise zu verstĂ€rken. «Als hochrangige Diplomatin mit langjĂ€hriger Erfahrung in Westafrika sei sie in der einzigartigen Lage, die BemĂŒhungen der US-Regierung zur UnterstĂŒtzung der amerikanischen Gemeinschaft und zur Bewahrung der hart erarbeiteten Demokratie in Niger anzufĂŒhren», so das US-AuĂenministerium.
TatsĂ€chlich stellen sich hinsichtlich eines MilitĂ€reinsatzes noch viele offene Fragen. In Nigeria mĂŒsste das Parlament erst einem Einsatz zustimmen. Vor allem in den an den Niger grenzenden Bundesstaaten gibt es groĂen Widerstand. Eine Intervention wĂ€re auch in der Bevölkerung extrem unbeliebt. Auch in Ghana sperrt sich bislang das Parlament gegen eine Entsendung von Truppen.
Der Einsatz selbst dĂŒrfte fĂŒr die Ecowas ein schwieriges Unterfangen werden. Der Flugraum ĂŒber dem Niger ist seit dem Putsch geschlossen, der Flughafen in der Hauptstadt Niamey von der Junta kontrolliert. Diese gilt als gut trainiert und ausgerĂŒstet.
Ecowas könnte unterlegen sein
Als Partner des Westens hatten die USA, Kanada, Italien, Belgien, Deutschland und teils auch Frankreich Tausende nigrische Soldaten ausgebildet und ausgerĂŒstet. Eine Interventionstruppe der Ecowas könnte in einer Konfrontation durchaus unterlegen sein, warnen Experten. Sie könnten stattdessen einen regionalen Konflikt in Westafrika entfachen.
Die Ecowas fordert nach dem Putsch vom 26. Juli im Niger eine Wiedereinsetzung der Verfassung und des entmachteten PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum, der unter Hausarrest steht. Der Niger, ein Sahel-Staat mit rund 26 Millionen Einwohnern und einer der Ă€rmsten Bevölkerungen der Welt, war bis zu dem Putsch einer der letzten demokratischen Partner der USA und europĂ€ischer Staaten am sĂŒdlichen Rand der Sahara.Â
In einem Interview mit der New York Times versprach ein ziviles Mitglied der Junta, dass PrÀsident Bazoum keinen Schaden erleiden werde. Die neuen Machthaber hatten Bazoum zuvor des Hochverrats bezichtigt. Darauf steht im Niger die Todesstrafe.


