Zoff um Oligarchen: EU hat Kompromiss zu Russland-Sanktionen
14.03.2026 - 17:09:56 | dpa.deDie EU-Staaten haben sich nach wochenlangen schwierigen Diskussionen doch noch rechtzeitig auf eine VerlĂ€ngerung von Sanktionen gegen Russland geeinigt. Ein Kompromiss sieht vor, dass die zwei prominenten Oligarchen Alischer Usmanow und Michail Fridman entgegen Forderungen der Slowakei und Ungarns vorerst mit StrafmaĂnahmen belegt bleiben. Die Sanktionen gegen die beiden und insgesamt rund 2.600 weitere Personen und Organisationen werden allerdings nur um sechs Monate und nicht wie ursprĂŒnglich geplant um zwölf Monate verlĂ€ngert.
Zudem werden die Sanktionen gegen zwei Personen nicht verlĂ€ngert, bei denen es nur sehr schwache Hinweise auf eine UnterstĂŒtzung des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine gibt, wie der Rat der Mitgliedstaaten mitteilte. Bei ihnen handelt es sich nach Angaben aus dem EU-Amtsblatt vom Samstagabend um Maja Nikolajewna Bolotowa und Niels Troost.
Bolotowa war vor allem gelistet worden, weil sie die Tochter von Nikolai Tokarew ist, der als enger Vertrauter des russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin gilt und das bedeutende russische Ăl- und Gasunternehmens Transneft fĂŒhrt. Der niederlĂ€ndische GeschĂ€ftsmann Troost kam 2024 auf die EU-Sanktionsliste, weil ihm eine Mitverantwortung fĂŒr VerstöĂe gegen den westlichen Preisdeckel fĂŒr russische Ălexporte vorgeworfen worden war.Â
Die Sanktionen der EU umfassen in der Regel ReisebeschrÀnkungen, das Einfrieren von Vermögenswerten sowie das Verbot der Bereitstellung von Geldern oder anderen wirtschaftlichen Ressourcen. Sie wurden in den meisten FÀllen als Reaktion auf die aus EU-Sicht ungerechtfertigte und grundlose militÀrische Aggression Russlands gegen die Ukraine verhÀngt. Betroffen sind zahlreiche russische Politiker und Spitzenbeamte, aber auch etliche Unternehmer mit geschÀftlichen AktivitÀten in der EU. Letztere werden von den Sanktionen besonders hart getroffen. Ohne die VerlÀngerungsentscheidung wÀren sie an diesem Sonntag ausgelaufen.
Noch immer blockiert ist unterdessen ein Paket mit neuen Russland-Sanktionen. Ungarn will ihm erst zustimmen, wenn der aktuelle Konflikt um unterbrochene russische Ăllieferungen ĂŒber die Druschba-Pipeline beigelegt ist. Die Regierung von MinisterprĂ€sident Viktor Orban wirft der Ukraine vor, eine Wiederaufnahme des Betriebs der Pipeline zu verhindern. Diese fĂŒhrt von Russland ĂŒber Belarus und die Ukraine nach Ungarn und in die Slowakei.
TĂŒrkei setzte sich fĂŒr Usmanow ein
Der genaue Hintergrund fĂŒr das Engagement der LĂ€nder fĂŒr Fridman und Usmanow war bis zuletzt unklar. Der slowakische AuĂenminister Juraj Blanar hatte allerdings am Donnerstag im Europa-Ausschuss des slowakischen Parlaments bestĂ€tigt, dass sich die Slowakei fĂŒr die beiden Oligarchen einsetze.
Nach einem Bericht von Radio Free Europe soll der slowakische MinisterprĂ€sident Robert Fico einen Brief des tĂŒrkischen PrĂ€sidenten Recep Tayyip Erdogan weitergeleitet haben, in dem dieser sich vor allem fĂŒr Usmanow einsetzen soll, weil dieser sich um die Ăffnung der Turkvölker-Staaten gegenĂŒber dem Westen verdient gemacht habe.
Fridman klagte auch gegen Sanktionen
Bei Fridman, der auch die israelische Staatsangehörigkeit hat, dĂŒrften starke Lobbyarbeit und zudem ein Gerichtsurteil des EU-Gerichts eine Rolle spielen. Das Gericht hatte 2024 SanktionsbeschlĂŒsse der EuropĂ€ischen Union gegen Fridman gekippt mit der BegrĂŒndung, der Rat der EU habe bei Entscheidungen zwischen Februar 2022 und MĂ€rz 2023 keine hinreichenden Belege fĂŒr die Aufnahme in die Sanktionsliste geliefert.Â
Die Entscheidung bedeutete allerdings nicht, dass Fridman von der EU-Sanktionsliste gestrichen wurde. Denn der Rat der EU hatte zum Zeitpunkt des Urteils bereits aktualisierte SanktionsbeschlĂŒsse gegen ihn erlassen.
EU-Entscheidung birgt Risiken
Ăber die Forderungen der Slowakei und Ungarn war bis zuletzt intensiv gestritten worden, weil etliche Mitgliedstaaten sie nicht akzeptieren wollten. Als Risiko galt, dass die Aufhebung der Sanktionen anderen Russen Argumente fĂŒr weitere Klagen gegen StrafmaĂnahmen geben könnte.Â
So hieĂ es bislang im Sanktionsbeschluss gegen Usmanow, dieser sei ein kremlfreundlicher Oligarch, «der besonders enge Verbindungen zum russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin» unterhalte und als einer der von Putin besonders favorisierten Oligarchen betrachtet werde. In Deutschland ist Usmanow bekannt, weil gegen ihn von der Staatsanwaltschaft MĂŒnchen wegen Verdachts zweier VerstöĂe gegen das AuĂenwirtschaftsgesetz und möglicher SanktionsverstöĂe ermittelt wurde. Das Verfahren wurde erst im vergangenen Jahr gegen Zahlung einer Geldauflage von zehn Millionen Euro eingestellt.
Nach Angaben der Ermittler bestand der Verdacht, dass Usmanow im Zeitraum von April bis September 2022 ĂŒber im Ausland ansĂ€ssige Unternehmen rund 1,5 Millionen Euro fĂŒr die Ăberwachung zweier Immobilien am Tegernsee bezahlt haben soll. Zudem soll er diverse WertgegenstĂ€nde, etwa Schmuck, GemĂ€lde und Weine nicht bei der zustĂ€ndigen Behörde gemeldet haben.
EU: Fridman profitierte von Putin
Fridman wurde in den EU-Dokumenten bis zuletzt ebenfalls als ein GeschĂ€ftsmann mit engen Verbindungen zu Putin und UnterstĂŒtzern des inneren Kreises von Putin gezĂ€hlt. Durch seine Verbindungen zur Regierung habe er Staatsvermögen erwerben können und Putin habe die LoyalitĂ€t der Alfa Group gegenĂŒber der Regierung Russlands mit politischer UnterstĂŒtzung fĂŒr auslĂ€ndische InvestitionsplĂ€ne der Gruppe belohnt, heiĂt es im aktuellen Sanktionsbeschluss. Fridman ist laut EU der GrĂŒnder und einer der Anteilseigner der Alfa Group, zu der die wichtigste Bank Russlands, die Alfa Bank, gehört.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.

