EU zahlt Millionen an Tunesien - Deutlich mehr AsylantrÀge
22.09.2023 - 17:08:49Die EU-Kommission will Tunesien rund 127 Millionen Euro auszahlen, um die Migration ĂŒber das nordafrikanische Land zu verringern und die schwĂ€chelnde Wirtschaft anzukurbeln.
Rund 67 Millionen Euro davon sollen im Zusammenhang mit einer umstrittenen Migrationsabsprache der EU-Kommission mit Tunesien bereitgestellt werden, wie eine Sprecherin der BrĂŒsseler Behörde mitteilte. Dazu kommen noch 60 Millionen Euro HaushaltsunterstĂŒtzung, damit sich das Land von der Corona-Krise erholt. Tunesien ist eines der HaupttransitlĂ€nder fĂŒr FlĂŒchtlinge aus Afrika mit Ziel Europa.
Vorwurf der Menschenrechtsverletzung
Ein Teil der 67 Millionen Euro fĂ€llt unter das bereits im Juni angekĂŒndigte Paket von knapp 105 Millionen Euro fĂŒr neue Schiffe und WĂ€rmekameras, Such- und Rettungsaktionen, MaĂnahmen gegen Schleuser und RĂŒckfĂŒhrung von FlĂŒchtlingen. Im Gegenzug fĂŒr die millionenschweren Finanzhilfen sollen die tunesischen Sicherheitsbehörden kĂŒnftig stĂ€rker gegen Schlepper und das Ablegen von Booten vorgehen.
FĂŒr diese sogenannte AbsichtserklĂ€rung hatte die EU-Kommission damals viel Kritik geerntet, weil der tunesischen Regierung Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. PrĂ€sident Kais Saied hatte im Februar ein hĂ€rteres Vorgehen gegen Migranten angekĂŒndigt und ihnen vorgeworfen, Gewalt ins Land zu bringen.
Derweil stieg im Juni die Zahl der erstmaligen AsylantrĂ€ge in der EU im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich. Wie das Statistikamt Eurostat mitteilte, stellten im Juni 83.385 Menschen AsylantrĂ€ge und damit 25 Prozent mehr als im gleichen Monat 2022. Wie schon in den Monaten zuvor stellten Menschen aus Syrien, Afghanistan, Venezuela und Kolumbien die meisten AntrĂ€ge. 75 Prozent aller AntrĂ€ge auf Schutz entfielen demnach auf Deutschland, Spanien, Frankreich und Italien. Im VerhĂ€ltnis zur Bevölkerung wurden die meisten AsylantrĂ€ge in Zypern und Ăsterreich gestellt.
Brennpunkt Lampedusa
Eine Sprecherin der EU-Kommission sagte, die finanzielle Hilfe fĂŒr Tunesien solle auch helfen, die Situation auf der italienischen Insel Lampedusa zu verbessern. Die meisten FlĂŒchtlinge, die derzeit in Lampedusa ankommen, starten in Tunesien. Lampedusa liegt zwischen Sizilien und Nordafrika und gehört seit Jahren zu den Brennpunkten der Migration nach Europa: Vergangene Woche waren dort wieder Tausende Migranten mit Booten aus Nordafrika gelandet - an einem einzigen Tag mehr als 5000. Die Behörden riefen den Notstand aus.
Am Wochenende hatte Italiens MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni zusammen mit EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen die Insel besucht. Von der Leyen kĂŒndigte dort einen Zehn-Punkte-Plan an, zu dem die stĂ€rkere Ăberwachung des Mittelmeers und eine bessere Ausbildung der tunesischen KĂŒstenwache gehörten. Sie appellierte auch an die anderen EU-Staaten, freiwillig Migranten aus Italien aufzunehmen.
Den EU-Staaten ist es allerdings bis heute nicht gelungen, eine umfassende Reform des europÀischen Asylsystems zu verabschieden. Im Juni wurde zwar ein Kompromiss erzielt, wonach Asylverfahren deutlich verschÀrft werden sollen. Es braucht aber noch eine Einigung mit dem EU-Parlament.


