Studie: Viel Geld aus EU-Haushalt fĂŒr Ukraine bei Beitritt
11.12.2023 - 04:46:18Bei einem EU-Beitritt der Ukraine wĂŒrde einer Studie zufolge bis zu 17 Prozent des gemeinsamen Haushalts des Staatenverbunds in das Land flieĂen. Experten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) schĂ€tzen die finanziellen Folgen einer Vollmitgliedschaft der Ukraine in der EU auf das derzeitige mehrjĂ€hrige Budget der EU auf rund 130 bis 190 Milliarden Euro, wie aus einem heute veröffentlichten Bericht hervorgeht. Der mehrjĂ€hrige Gemeinschaftsetat der EU umfasst von 2021 bis 2027 rund 1,1 Billionen Euro.
Die genaue Summe hĂ€nge davon ab, welche Annahmen ĂŒber die AckerlandflĂ€che und die Bevölkerungszahl fĂŒr die Ukraine getroffen wĂŒrden, schreiben die Wissenschaftler. In ihren Berechnungen gehen sie von 70 bis 90 Milliarden Euro Agrarsubventionen fĂŒr die Ukraine aus. 50 bis 90 Milliarden Euro wĂŒrden auf die sogenannte KohĂ€sionspolitik entfallen. Mit diesen Mitteln soll strukturschwachen Regionen beim Wachstum geholfen werden, um wirtschaftliche und soziale Unterschiede in den europĂ€ischen Regionen auszugleichen.
«Angesichts dieses Volumens mĂŒsste die EU bereit sein, sich zu reformieren», schreiben die Experten weiter. Nur so könne die politische Entscheidung, vor allem die Ukraine mit einer Beitrittsperspektive enger an sich zu binden, glaubwĂŒrdig sein. Das gelte sowohl fĂŒr die institutionelle, als auch fĂŒr die fiskalische Ebene, also den Haushalt betreffend. So schlagen sie etwa vor, die KohĂ€sionsausgaben auf die Ă€rmeren Mitgliedsstaaten zu beschrĂ€nken.
Ukraine dringt auf Start von EU-Beitrittsverhandlungen
Die Ukraine hat nach eigenen Angaben einen GroĂteil der zuletzt noch ausstehenden Verpflichtungen erfĂŒllt. «Von den vier Gesetzen, deren EinfĂŒhrung die EU-Kommission bis MĂ€rz von der Ukraine gefordert hat, sind drei vom Parlament angenommen und vom PrĂ€sidenten unterzeichnet worden», erklĂ€rte AuĂenminister Dmytro Kuleba am Rande von GesprĂ€chen mit seinen EU-Amtskollegen in BrĂŒssel. Dazu gehörten neben Gesetzen zur KorruptionsbekĂ€mpfung auch die von Ungarn geforderten Regeln zur Bildung und zum Gebrauch der Sprachen nationaler Minderheiten.
Als einzigen noch offenen Punkt nannte Kuleba die Verabschiedung eines Gesetzes zur EindÀmmung des Einflusses von Lobbyisten. Es sei aber auch bereits im Parlament registriert und werde ebenfalls angenommen werden.
Anfang November hatte die EU-Kommission die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine empfohlen. Vor der ersten GesprĂ€chsrunde soll das Land allerdings begonnene Reformen abschlieĂen mĂŒssen. Ob die GesprĂ€che aufgenommen werden, muss einstimmig von den EU-Staaten entschieden werden. Die Ukraine hofft, dass die Staats- und Regierungschefs der EU-LĂ€nder bei ihrem letzten regulĂ€ren Gipfeltreffen des Jahres am Donnerstag und Freitag ihre grundsĂ€tzliche Zustimmung fĂŒr einen Start von Beitrittsverhandlungen geben.


