Treffen, Putin

Treffen sich Putin und Selenskyj zum Gipfel in Istanbul?

11.05.2025 - 20:55:23

Die EuropĂ€er starten ihre erste große diplomatische Initiative zur Beendigung des Ukraine Kriegs. Putin spielt den Ball zurĂŒck. Und am Sonntagabend gibt es eine Überraschung. Wie geht es nun weiter?

  • Putin wich dem Ultimatum aus und machte GegenvorschlĂ€ge. - Foto: Sergei Bobylev/RIA Novosti/AP/dpa

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  • Mit Trump am Telefon: FĂŒnf europĂ€ische Staatschefs in Kiew.  - Foto: -/Ukrainisches PrĂ€sidentenbĂŒro/dpa

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Putin wich dem Ultimatum aus und machte GegenvorschlĂ€ge. - Foto: Sergei Bobylev/RIA Novosti/AP/dpaMit Trump am Telefon: FĂŒnf europĂ€ische Staatschefs in Kiew.  - Foto: -/Ukrainisches PrĂ€sidentenbĂŒro/dpa

FĂŒr Bundeskanzler Friedrich Merz ist es die «grĂ¶ĂŸte diplomatische Initiative der letzten Monate», die da in Kiew in Gang gesetzt wurde. Von einem «historischen» Moment war die Rede, als er am Samstag im Garten des Marienpalastes gemeinsam mit dem französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron, Großbritanniens Premierminister Keir Starmer sowie dem polnischen Regierungschef Donald Tusk und dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj eine Art Fahrplan zur Beendigung des seit mehr als drei Jahren tobenden russischen Angriffskriegs prĂ€sentierte: erst eine Waffenruhe von 30 Tagen ab Montag, dann Verhandlungen und am Ende hoffentlich irgendeine eine Lösung.

Was aus der Waffenruhe wird, war am Sonntagabend weiter unklar. Es sieht aber so aus, als könnte es am nÀchsten Donnerstag zum ersten Treffen zwischen dem russischen PrÀsidenten Wladimir Putin und Selenskyj seit der russischen Invasion vor mehr als drei Jahren kommen.

Wie kam es dazu?

Putin trommelte mitten in der Nacht zu Sonntag Journalisten zusammen, um ein Gegenangebot zu der von Selenskyj und seinen vier wichtigsten europĂ€ischen VerbĂŒndeten vorgeschlagenen Waffenruhe zu unterbreiten: Direkte Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew in Istanbul. Die GesprĂ€che sollten noch an diesem Donnerstag (15.5.) ohne Vorbedingungen beginnen, schlug Putin vor. Die Reaktion Selenskyjs und der EuropĂ€er war zunĂ€chst verhalten. Am Abend erklĂ€rte der ukrainische PrĂ€sident dann aber ĂŒberraschend auf der Plattform X: «Ich werde am Donnerstag auf Putin in der TĂŒrkei warten, persönlich.» 

Wird Selenskyj auch ohne Waffenruhe nach Istanbul reisen?

Das ist nicht sicher. Selenskyj pochte auf X weiterhin auf einer Feuerpause. «Es hat keinen Sinn, das Töten fortzusetzen.» Als Bedingung nannte er sie aber nicht explizit.

Was war vorher passiert?

Kurz vor der Einwilligung Selenskyjs hatte US-PrĂ€sident Donald Trump den ukrainischen Staatschef aufgefordert, der von Putin vorgeschlagenen Wiederaufnahme direkter FriedensgesprĂ€che in der TĂŒrkei zuzustimmen. Nur dann wĂŒssten Kiew, die europĂ€ischen Partner und die USA, woran sie seien und könnten entsprechend handeln, schrieb Trump auf seinem Online-Sprachrohr Truth Social. 

Hat sich Trump damit wieder auf die Seite Putins geschlagen?

Das kann man so nicht sagen. Denn der Republikaner Ă€ußerte auch Zweifel daran, dass Putin ein Friedensabkommen schließen wolle. Dieser sei zu sehr damit beschĂ€ftigt, «den Sieg im Zweiten Weltkrieg zu feiern». Er spielte damit auf die Parade zum Tag des Sieges ĂŒber Nazi-Deutschland am Freitag an.

Was ist die Grundlage fĂŒr die GesprĂ€che?

Das ist noch unklar. Putin sagte zwar, es solle keine Vorbedingungen geben. SpĂ€ter erklĂ€rte sein außenpolitischer Berater Juri Uschakow allerdings, dass Russland durchaus ein GrundgerĂŒst an Forderungen habe. So sollen einerseits die Ergebnisse der vorherigen Verhandlungsrunde aus dem Jahr 2022 – ebenfalls in Istanbul – berĂŒcksichtigt werden, andererseits die Entwicklungen an der Front seither. 

Was wurde 2022 in Istanbul ausgehandelt?

Im Entwurf eines Abkommens damals sollte die Ukraine auf den Nato-Beitritt verzichten. Die Unterzeichnung scheiterte schließlich auch daran, dass Russland zwar Garantiemacht fĂŒr die Sicherheit der Ukraine sein wollte, selbst aber ein Vetorecht gegen das Eingreifen anderer Staaten wie der USA oder Großbritanniens forderte. Damit wĂ€re die Ukraine in völlige AbhĂ€ngigkeit vom guten Willen im Kreml geraten.

Wie steht Putin zur vorgeschlagenen Waffenruhe?

Dazu hat er sich nicht explizit geĂ€ußert. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, sagte aber spĂ€ter, es mĂŒsse erst ĂŒber die Ursachen des Konflikts gesprochen werden, dann ĂŒber eine Waffenruhe. Die Verweigerung einer vorherigen Feuerpause dĂŒrfte zwei GrĂŒnde haben: Erstens will Putin StĂ€rke demonstrieren und daher kein Ultimatum annehmen. Zweitens sieht sich Moskau auf dem Schlachtfeld im Vorteil. 

Was haben die EuropÀer zu Putins Angebot gesagt?

In ersten Reaktionen am Sonntagmorgen werteten sie das Angebot Putins als positives Zeichen, wollten aber nicht von ihrer Forderung nach einer Waffenruhe abrĂŒcken: «Erst mĂŒssen die Waffen schweigen, dann können GesprĂ€che beginnen», sagte Merz. Ähnlich Ă€ußerte sich Macron. Auf Selenskyjs GesprĂ€chszusage gab es am Abend zunĂ€chst keine Reaktion.

Was passiert, wenn die Waffen am Montag nicht schweigen? 

Ob die EuropĂ€er dann ihre Drohung wahr machen, und die Sanktionen gegen Russland trotz der GesprĂ€chszusage Selenskyjs fĂŒr Donnerstag verschĂ€rfen, ist völlig unklar. Bis zum Abend gab es dazu keine Aussage der vier Staats- und Regierungschefs, die am Samstag in Kiew waren. 

Welche EU-Sanktionen gegen Russland wÀren noch möglich?

Seit Beginn des Angriffskriegs Moskaus gegen die Ukraine hat die EU 16 Sanktionspakete gegen Russland auf den Weg gebracht. Sie umfassen etwa ReisebeschrĂ€nkungen, das Einfrieren von Vermögenswerten sowie eine Reihe von Einfuhr- und AusfuhrbeschrĂ€nkungen etwa fĂŒr russische EnergietrĂ€ger wie Kohle und Öl. Derzeit wird ein 17. Sanktionspaket vorbereitet. Die neuen Strafmaßnahmen bei einer Nichteinhaltung der Waffenruhe sollen aber deutlich darĂŒber hinausgehen. 

Wurden schon Einzelheiten genannt?

Es soll um den Energie- und Bankensektor gehen. Einzelheiten sind aber noch unklar. Die Verhandlungen innerhalb der EU dĂŒrften schwierig werden, weil die Mitgliedstaaten in vielen Sektoren nationale Interessen haben, gerade was den Energiebereich angeht. Als unwahrscheinlich gilt, dass die EU an das eingefrorene russische Vermögen in den Mitgliedstaaten gehen wird.

@ dpa.de