Israel, Kampfgeist

Israel: Kampfgeist der Hamas gebrochen - Neue UN-Abstimmung

12.12.2023 - 16:05:59

Die Hamas ist nach israelischer Darstellung in BedrÀngnis. Zugleich dauern die KÀmpfe laut UN insbesondere rund um die Kliniken an. Die Menschen sprechen von der «Hölle auf Erden».

WĂ€hrend die UN-Vollversammlung einen sofortigen humanitĂ€ren Waffenstillstand im Gazastreifen verlangt, erzielt Israel dort nach eigener Darstellung weitere Erfolge im Kampf gegen die islamistische Hamas. Viele Hamas-Terroristen wĂŒrden sich angesichts des militĂ€rischen Drucks derzeit ergeben, sagte Generalstabschef Herzi Halevi.

Unterdessen spitzt sich die Lage fĂŒr die Zivilisten im Gazastreifen weiter zu. Die Menschen dort flehen nach UN-Angaben instĂ€ndig um ein Ende «dieser Hölle auf Erden». Vor allem die Situation in den Kliniken sei katastrophal. Etwa 18 Prozent aller Bauwerke im Gazastreifen sind laut einer Auswertung von Satellitenbildern seit Beginn des Konflikts zerstört oder beschĂ€digt worden. Insgesamt seien 37.379 Bauten betroffen, teilte der Satellitendienst der Vereinten Nationen (UNOSAT) mit.

Die UN-Vollversammlung stimmte am Abend per Resolution fĂŒr einen sofortigen humanitĂ€ren Waffenstillstand im Gazastreifen. Das von Ägypten eingebrachte Papier erreichte in New York eine notwendige Zweidrittelmehrheit. 153 LĂ€nder stimmten dafĂŒr, 10 dagegen. 23 LĂ€nder enthielten sich, darunter auch Deutschland. Die Resolution erwĂ€hnt das Massaker der Hamas in Israel am 7. Oktober nicht explizit. Deswegen habe Deutschland nicht zustimmen können, hieß es vom AuswĂ€rtigen Amt via Kurznachrichtendienst X. «Wir wollen das unertrĂ€gliche Leid der Menschen beenden - in Israel und in Gaza».

Resolutionen der UN-Vollversammlung sind nicht rechtlich bindend, sondern gelten als symbolisch. Am Freitag war ein Resolutionsentwurf fĂŒr einen sofortigen Waffenstillstand im Gaza-Krieg im mĂ€chtigeren Weltsicherheitsrat, dessen Resolutionen bindend sind, gescheitert. Die USA legte ihr Veto ein.

Israel: Viele Hamas-KĂ€mpfer ergeben sich

Der israelische Verteidigungsminister Joav Galant erklĂ€rte, die letzten Hamas-Hochburgen im nördlichen Gazastreifen seien vor dem Fall. Die Hamas-Kommandozentralen in den Stadtvierteln Dschabalia und Schedschaija seien eingekreist und stĂŒnden kurz vor dem Zusammenbruch, sagte Galant. Hunderte Terroristen hĂ€tten sich ergeben. Dass sie «mit erhobenen HĂ€nden heraus kommen, zeigt, dass ihr Kampfgeist gebrochen ist», sagte Generalstabschef Herzi Halevi.

Biden will VerÀnderung der israelischen Regierung

US-PrĂ€sident Joe Biden forderte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu zugleich auf, er mĂŒsse die israelische Regierung verĂ€ndern, um eine langfristige Lösung fĂŒr den israelisch-palĂ€stinensischen Konflikt zu finden. Die «konservativste Regierung in der Geschichte Israels» wolle keine Zweistaatenlösung. Israel beginne, in der ganzen Welt an UnterstĂŒtzung zu verlieren.

Zuvor hatte Biden Israel weitere UnterstĂŒtzung im Kampf gegen die Hamas-Terroristen zugesagt. Sein «Engagement fĂŒr die Sicherheit des jĂŒdischen Volkes» sei unerschĂŒtterlich. Die USA wĂŒrden Israel unterstĂŒtzen, bis das Land die Hamas losgeworden sei. Er arbeite auch daran, mehr «humanitĂ€re Hilfe fĂŒr unschuldige palĂ€stinensische Zivilisten» zu bekommen.

UN: Menschen flehen um Sicherheit

Nach einem Besuch in dem abgeriegelten KĂŒstenstreifen postete der Generalkommissar des PalĂ€stinenserhilfswerks UNRWA, Philippe Lazzarini, am Dienstag auf X (ehemals Twitter): «Menschen sind ĂŒberall, sie leben auf der Straße, sie brauchen alles.» Sie flehten um Sicherheit. «Von unseren Kollegen wird verlangt, dass sie in einer unmöglichen Situation das Unmögliche tun», so Lazzarini. Laut Vereinten Nationen hungert inzwischen die HĂ€lfte der Bevölkerung im Gazastreifen. Hunderttausende PalĂ€stinenser mussten auf Anweisungen des israelischen MilitĂ€rs den heftig umkĂ€mpften Norden in Richtung SĂŒden verlassen. Aber auch dort gibt es nun KĂ€mpfe.

WHO: Krankenhaus ist eine «humanitÀre Katastrophenzone»

Das Al-Ahli-Krankenhaus in der Stadt Gaza gleicht nach einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) einer humanitĂ€ren Katastrophenzone. Das Krankenhaus könne nur noch 40 seiner 80 Betten belegen, habe aber mehr als 200 Patienten, berichtete Richard Peeperkorn, der WHO-Vertreter fĂŒr die von Israel besetzten palĂ€stinensischen Gebiete. Patienten lĂ€gen in GĂ€ngen, der BĂŒcherei und einer Kapelle sowie im Innenhof. Ärzte behandelten Schwerverletzte, die auf Eselskarren oder zu Fuß ankĂ€men, teils auf dem Boden und auf dem BĂŒrgersteig. Es gebe kaum noch Personal. Weil es keinen GefĂ€ĂŸchirurgen gebe, mĂŒssten sie Gliedmaßen amputieren.

UN berichten von KĂ€mpfen nahe von Kliniken

Die Vereinten Nationen berichteten zudem von KĂ€mpfen nahe von KrankenhĂ€usern. Das Al-Auda-Krankenhaus in Dschabalia sei seit sechs Tagen von israelischen Truppen und Panzern umgeben, berichtete das UN-NothilfebĂŒro OCHA. Laut Berichten sitzen etwa 250 Ärzte, Patienten und deren Angehörige in dem Krankenhaus fest. Zwei medizinische Mitarbeiter seien dort im Dienst bei KĂ€mpfen in vergangenen Tagen getötet worden.

Nach Darstellung der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde drangen israelische Truppen zudem in das Kamal Aduan Krankenhaus im Norden vor. Den Angaben nach wurden MĂ€nner, darunter auch medizinisches Personal, aufgefordert, sich im Hof ??des Krankenhauses zu versammeln. Das israelische MilitĂ€r Ă€ußerte sich auf Nachfrage zunĂ€chst nicht zu dem Vorfall. Am Tag zuvor war das Krankenhaus nach OCHA-Angaben unter Beschuss geraten.

Ministerium: Zahl der Toten steigt auf 18.400

Die Zahl der im Gazastreifen getöteten PalĂ€stinenser stieg seit Kriegsbeginn nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza auf 18.412. Mehr als 50.000 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte das Ministerium am Dienstag mit. Zuletzt war die Zahl der Toten auf rund 18.200 beziffert worden. Die Zahlen lassen sich gegenwĂ€rtig nicht prĂŒfen, die UN und andere Beobachter weisen aber darauf hin, dass sich die Zahlen der Behörde in der Vergangenheit als insgesamt glaubwĂŒrdig herausgestellt hĂ€tten.

Auslöser des Gaza-Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der islamistischen Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze zu Gaza verĂŒbt hatten. Auf israelischer Seite sind in der Folge mehr als 1200 Menschen getötet worden, darunter mindestens 850 Zivilisten. Israels Armee hat bisher 434 Soldaten verloren. Nach Angaben der israelischen Armee sind derzeit noch 135 aus Israel entfĂŒhrte Menschen in der Gewalt der Hamas und anderer extremistischer Gruppen im Gazastreifen. Israelischen Medien zufolge sind 18 von ihnen nicht mehr am Leben.

@ dpa.de