Emmanuel Macron, Frankreich

Die Ruhe trĂŒgt: Macron nach Ausschreitungen unter Druck

21.09.2023 - 05:48:51

Die heftigen Unruhen nach einem tödlichen Polizeieinsatz brachten Macron in eine brenzlige Lage. Nun herrscht zwar wieder Ruhe - doch innenpolitisch steckt der ambitionierte PrÀsident weiter in der Klemme.

Es war der Schuss aus der Waffe eines Polizisten auf einen 17-JĂ€hrigen, der Frankreich wochenlang aufwĂŒhlte. Der Jugendliche starb bei der Verkehrskontrolle Ende Juni in einem Vorort von Paris - Ausschreitungen griffen danach wie ein FlĂ€chenbrand um sich.

Ein massives Polizeiaufgebot erstickte die gewalterfĂŒllten NĂ€chte, die auch PrĂ€sident Emmanuel Macron in eine brenzlige Lage brachten. Drei Monate nach den Krawallen sind es andere innenpolitische Baustellen, die den Staatschef unter Druck setzen. Und das PrĂ€sidentenlager blickt angespannt auf den Ausgang der Teilneuwahl des Senats, des französischen Oberhauses, an diesem Sonntag.

Weiterhin fatale PolizeieinsÀtze

Die Ausschreitungen stellten ĂŒber Wochen andere Themen in den Schatten. Macron sagte einen Staatsbesuch in Deutschland ab. Kurz war das Bedrohungspotenzial fĂŒr die StabilitĂ€t des Landes so groß wie das der 2018 aufgeflammten Gelbwestenproteste. Mittlerweile haben die Versicherungen die SchĂ€den der KrawallnĂ€chte mit PlĂŒnderungen und Brandstiftungen beziffert, einzelne Randalierer wurden verurteilt.

Dass es weiter fatale PolizeieinsĂ€tze gegen jugendliche VerdĂ€chtige gibt und die Gefahr neuer Krawalle keineswegs gebannt ist, zeigte sich erst zu Monatsbeginn bei einem Einsatz, bei dem ein 16-jĂ€hriger Motorradfahrer starb. Der inzwischen krisenerprobte Macron kann immerhin als Erfolg verbuchen, dass es keine lĂ€nger andauernde Vorstadtrevolte wie 2005 gab, wie einige im Juni befĂŒrchtet hatten.

An der grundsĂ€tzliche Zwangslage, die den Staatschef und seine Reformambitionen in seiner zweiten Amtszeit ausbremsen, Ă€ndert diese Ruhe nichts. Im Parlament verfĂŒgt der Mitte-Politiker seit den Wahlen vor mehr als einem Jahr ĂŒber keine klare Mehrheit mehr. Alle Versuche von Macron persönlich sowie von Premierministerin Élisabeth Borne, Allianzen - gerade mit den konservativen RĂ©publicains - zu schmieden, verliefen im Sand. Die im FrĂŒhjahr ohne Abstimmung gegen heftigen Widerstand durchs Parlament gedrĂŒckte Rentenreform hat die schwache Position des PrĂ€sidenten offengelegt.

Hohe Ausgaben zwingen zum Sparen

Das neue Parlamentsjahr dĂŒrfte fĂŒr Macron nicht leichter werden: Bei den Haushaltsberatungen deutet alles auf das nĂ€chste KrĂ€ftemessen zwischen dem PrĂ€sidentenlager und der Opposition hin. Die hohen Ausgaben wĂ€hrend der Pandemie und der Energiekrise zwingen zum Sparen. Als wahrscheinlich gilt, dass die Regierung hier abermals ohne Abstimmung unter RĂŒckgriff auf einen Sonderparagrafen ihren Haushaltsentwurf durchdrĂŒckt. Lautstarke Kritik ist da schon vorprogrammiert.

Noch schwieriger dĂŒrften die zĂ€hen Beratungen ĂŒber eine Novelle des Migrationsgesetzes werden, die schon mehrfach aufgeschoben wurde. Die Fronten zwischen der Regierung und der Opposition sind verhĂ€rtet. Macrons Lager will Asylbewerber zum einen leichter abschieben. Zum anderen sollen irregulĂ€r eingereiste Migranten, die schon arbeiten, obwohl sie dazu eigentlich nicht berechtigt sind, leichter einen Aufenthaltstitel erhalten.

Damit eckt Macron gleich an beiden Polen der Opposition an: Die Linken sind gegen einen strengeren Kurs, die Konservativen und Rechten wollen von ZugestĂ€ndnissen an irregulĂ€re Einwanderer nichts wissen. Das Vorhaben könnte zu einem Misstrauensvotum gegen die Regierung fĂŒhren - mit ungewissem Ausgang.

Macron-Lager wohl ohne Zugewinne

Viel klarer sind dagegen die Vorhersagen, wenn am Sonntag der Senat zum Teil neu gewÀhlt wird. Zehntausende Kommunal- und Regionalpolitiker bestimmen dann etwa die HÀlfte der 348 Senatorinnen und Senatorinnen in indirekter Wahl.

Derzeit liegt die Mehrheit des Senats in der Hand der Konservativen, die in den Regionen Frankreichs besser verwurzelt sind als die noch junge politische Bewegung des PrÀsidenten. Und erwartet wird, dass das auch so bleibt. Auf Zugewinne kann das Macron-Lager kaum hoffen. Eher richtet sich der Blick auf einzelne Sitze, die Politiker des linken Lagers oder der extrem Rechten zu erobern hoffen, ohne dass dies an Macrons Position viel Àndert.

@ dpa.de