Bericht, Hamas

Bericht: Hamas zur MachtĂŒbergabe in Gaza bereit

22.04.2025 - 04:54:19

Die Islamisten regieren den KĂŒstenstreifen seit 2007. Israel will nicht ruhen, bis die Gruppe zerstört ist. Jetzt bringt die Hamas eine MachtĂŒbergabe an eine andere PalĂ€stinenserbehörde ins Spiel.

  • Die Vermittler in den indirekten Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas haben einen neuen Vorschlag vorgelegt. (Archivbild) - Foto: Abed Rahim Khatib/dpa

    Abed Rahim Khatib/dpa

  • Geheimdienstchef Bar erhebt schwere VorwĂŒrfe gegen Netanjahu. - Foto: Koby Gideon/GPO/dpa

    Koby Gideon/GPO/dpa

  • Bei einem TrĂ€nengas-Einsatz im Westjordanland ist palĂ€stinensischen Angaben zufolge ein Mann ums Leben gekommen.  - Foto: Ilia Yefimovich/dpa

    Ilia Yefimovich/dpa

Die Vermittler in den indirekten Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas haben einen neuen Vorschlag vorgelegt. (Archivbild) - Foto: Abed Rahim Khatib/dpaGeheimdienstchef Bar erhebt schwere VorwĂŒrfe gegen Netanjahu. - Foto: Koby Gideon/GPO/dpaBei einem TrĂ€nengas-Einsatz im Westjordanland ist palĂ€stinensischen Angaben zufolge ein Mann ums Leben gekommen.  - Foto: Ilia Yefimovich/dpa

Die Hamas ist einem Medienbericht zufolge zur Übergabe ihrer Macht an eine andere palĂ€stinensische Behörde im Gazastreifen bereit. Die islamistische Organisation habe ihre Bereitschaft signalisiert, die Regierung in dem KĂŒstenstreifen an eine palĂ€stinensische Behörde wie die im Westjordanland regierende PalĂ€stinensische Autonomiebehörde oder eine neu zu schaffende Organisation zu ĂŒbergeben, zitierte die BBC einen ranghohen palĂ€stinensischen FunktionĂ€r. Über die kĂŒnftige Regierung mĂŒsse zuvor auf nationaler und regionaler Ebene eine Einigung erzielt werden. 

Die Hamas regiert seit 2007 im Gazastreifen. Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu hatte eine Rolle der PalĂ€stinensische Autonomiebehörde in einer kĂŒnftigen Regierung in Gaza allerdings bereits ausgeschlossen. 

Vermittler unterbreiten neuen Vorschlag fĂŒr Waffenruhe

Unterdessen legten die Vermittler in den indirekten Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas ĂŒber eine neue Waffenruhe und die Freilassung der im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln einen neuen Vorschlag vor. Der von Ägypten und Katar ausgearbeitete Entwurf sehe einen fĂŒnf bis sieben Jahre langen Waffenstillstand, den vollstĂ€ndigen Abzug der israelischen StreitkrĂ€fte aus dem Gazastreifen und die Freilassung aller israelischen Geiseln im Austausch gegen palĂ€stinensische HĂ€ftlinge vor, berichtete die BBC unter Berufung auf den mit den Verhandlungen befassten palĂ€stinensischen FunktionĂ€r.

Zuletzt hatte die Hamas einen israelischen Vorschlag einer 45-tĂ€gigen Feuerpause fĂŒr die Freilassung von zehn Geiseln abgelehnt, weil er kein Ende des Krieges vorsah. Die letzte Waffenruhe-Phase endete vor einem Monat, nachdem sich Israel und die Hamas nicht auf die ModalitĂ€ten fĂŒr die nĂ€chste Phase hatten einigen können. Die israelischen StreitkrĂ€fte nahmen ihre massiven Angriffe im Gazastreifen daraufhin wieder auf. 

Warnung an Israelis im Ausland vor «Tag des Zorns» 

Angesichts eines heute geplanten «Tag des Zorns» hat der Nationale Sicherheitsrat Israelis im Ausland zur Vorsicht aufgerufen. Die Hamas hatte weltweit zu SolidaritĂ€tskundgebungen mit den PalĂ€stinensern aufgerufen. «Diese Proteste und Demonstrationen können in Gewalt eskalieren, die sich gegen Israelis richtet», hieß es in der Warnung des Sicherheitsrats. «Es besteht auch die Sorge, dass AnhĂ€nger terroristischer Gruppen oder EinzeltĂ€ter versuchen könnten, die Proteste als Gelegenheit fĂŒr AnschlĂ€ge zu nutzen.» Der Nationale Sicherheitsrat riet Israelis im Ausland, Demonstrationen zu meiden, keine israelischen Symbole in der Öffentlichkeit zu zeigen und den Anweisungen der örtlichen SicherheitskrĂ€fte Folge zu leisten. 

Israels Geheimdienstchef erhebt VorwĂŒrfe gegen Netanjahu

Der israelische Inlandsgeheimdienstchefs Ronen Bar erhob in dem seit Wochen andauernden Konflikt mit MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu schwere VorwĂŒrfe gegen den Regierungschef. Netanjahu habe von ihm persönliche LoyalitĂ€t verlangt, zitierte die Zeitung «The Times of Israel» aus einer eidesstattlichen ErklĂ€rung, die der Leiter des Inlandsnachrichtendienstes Schin Bet bei Gericht eingereicht hatte. Der MinisterprĂ€sident habe gefordert, dass Bar im Falle einer Verfassungskrise ihm gehorche und nicht dem Obersten Gericht. 

Er wies zudem Netanjahus Vorwurf zurĂŒck, er habe bereits kurz vor dem Massaker der islamistischen Hamas am 7. Oktober 2023 von dem bevorstehenden Angriff gewusst und es versĂ€umt, den MinisterprĂ€sidenten rechtzeitig zu warnen. Bars eidesstattliche ErklĂ€rung sei voller LĂŒgen, schrieb Netanjahu daraufhin auf der Nachrichtenplattform X. Der Schin-Bet-Chef war vor einem Monat entlassen worden. SpĂ€ter entschied das Oberste Gericht allerdings, dass er im Amt bleiben mĂŒsse.

PalÀstinenser: Israelische Soldaten feuern TrÀnengas ab - Mann tot

Ein Mann soll palÀstinensischen Angaben zufolge infolge eines israelischen TrÀnengas-Einsatzes im Norden des Westjordanlands ums Leben gekommen sein. Der 48-JÀhrige sei erstickt, nachdem er von israelischen Soldaten eingesetztes TrÀnengas eingeatmet habe, teilte das palÀstinensische Gesundheitsministerium in Ramallah mit.

Israelische Siedler hatten nach Angaben seiner Familie zuvor den Hof des Mannes in Brand gesteckt. Der PalÀstinenser sei dann gekommen, um das Feuer zu löschen. Soldaten sollen nach Darstellung seiner Angehörigen daraufhin TrÀnengas gegen den Mann eingesetzt haben.

Die Angaben ließen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen. Israels Armee teilte auf Anfrage mit, bei Ausschreitungen hĂ€tten PalĂ€stinenser Steine geworfen. Israelische Siedler hĂ€tten mehrere GebĂ€ude, Reifen und BĂ€ume in der Gegend des palĂ€stinensischen Dorfs angezĂŒndet. Ein PalĂ€stinenser sei festgenommen worden. Den Einsatz von TrĂ€nengas erwĂ€hnte das israelische MilitĂ€r nicht. Auch zu einem möglichen Todesopfer machte die Armee zunĂ€chst keine Angaben.

@ dpa.de