Hamas, Geiseln

Hamas soll heute weitere Geiseln freilassen

25.01.2025 - 05:20:17

Die islamistische Hamas will diesmal Soldatinnen freilassen. FĂŒr sie sollen weitere palĂ€stinensische HĂ€ftlinge freikommen. Derweil drĂ€ngen die USA auf eine VerlĂ€ngerung der Waffenruhe im Libanon.

  • Israel wirft dem UN-PalĂ€stinenserhilfswerk vor, von der Hamas unterwandert zu sein. - Foto: Abed Rahim Khatib/dpa

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  • Laut Israel wird sich der Abzug seiner Armee aus SĂŒdlibanon verzögern. (Archivbild) - Foto: Hussein Malla/AP/dpa

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  • Die in den SĂŒden Gazas vertriebenen PalĂ€stinenser sollen in den Norden zurĂŒckkehren dĂŒrfen.  - Foto: Abdel Kareem Hana/AP/dpa

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  • Die Hamas soll heute vier weitere Geiseln aus Gaza freilassen. (Archivbild)  - Foto: Abed Hajjar/AP/dpa

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Israel wirft dem UN-PalĂ€stinenserhilfswerk vor, von der Hamas unterwandert zu sein. - Foto: Abed Rahim Khatib/dpaLaut Israel wird sich der Abzug seiner Armee aus SĂŒdlibanon verzögern. (Archivbild) - Foto: Hussein Malla/AP/dpaDie in den SĂŒden Gazas vertriebenen PalĂ€stinenser sollen in den Norden zurĂŒckkehren dĂŒrfen.  - Foto: Abdel Kareem Hana/AP/dpaDie Hamas soll heute vier weitere Geiseln aus Gaza freilassen. (Archivbild)  - Foto: Abed Hajjar/AP/dpa

WĂ€hrend heute im Zuge der Waffenruhe im Gazastreifen vier weitere Geiseln im Austausch gegen palĂ€stinensische HĂ€ftlinge freikommen sollen, wird sich laut Israel der am Tag darauf geplante Abzug seiner Armee aus dem SĂŒdlibanon verzögern. Libanons Armee rĂŒcke nicht schnell genug nach, um eine RĂŒckkehr der Hisbollah-Miliz zu verhindern. Vor diesem Hintergrund sprach sich die neue US-Regierung jetzt fĂŒr eine VerlĂ€ngerung der zunĂ€chst fĂŒr 60 Tage vereinbarten Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah ĂŒber die am Sonntag angesetzte Frist hinaus aus. Die Miliz warnte zuvor vor einer Verzögerung des Abzugs der Israelis. Das sei ein Bruch der Vereinbarung.

Derweil forderte Israel das UN-PalĂ€stinenserhilfswerk UNRWA erneut auf, seine Arbeit in Jerusalem zum Monatsende einzustellen. UNRWA sei «verpflichtet, seine TĂ€tigkeit in Jerusalem einzustellen und alle RĂ€umlichkeiten, in denen es in der Stadt tĂ€tig ist, bis spĂ€testens 30. Januar 2025 zu rĂ€umen», forderte der israelische UN-Botschafter Danny Danon in einem Brief an UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres. Das Schreiben lag der Deutschen Presse-Agentur vor. Damit könnte es schwierig bis unmöglich fĂŒr das Hilfswerk werden, die Zivilbevölkerung im verwĂŒsteten Gaza oder im Westjordanland zu versorgen. 

UN-Hilfswerk muss Jerusalem verlassen

Israel wirft dem UN-PalĂ€stinenserhilfswerk vor, dass einige seiner Mitarbeiter an TerroraktivitĂ€ten der Hamas beteiligt gewesen seien. Israel will humanitĂ€re Hilfe fĂŒr Gaza fortan mittels anderer Organisationen gewĂ€hrleisten. 

Die islamistische Hamas ĂŒbermittelte Israel unterdessen eine Liste mit den Namen der heute freizulassenden Geiseln, wie das BĂŒro des israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu bestĂ€tigte. Es handele sich um Soldatinnen, die seit mehr als 15 Monaten im Gazastreifen festgehalten werden. Im Austausch fĂŒr die Geiseln sollen am selben Tag wahrscheinlich mehr als 100 palĂ€stinensische HĂ€ftlinge aus israelischen GefĂ€ngnissen entlassen werden.

Berichte: Freizulassende Geiseln sind SpÀherinnen

Die Soldatinnen, die heute frei kommen sollen, sind laut Medienberichten SpĂ€herinnen. Sie waren neben drei weiteren SpĂ€herinnen am 7. Oktober 2023 lebend aus der MilitĂ€rbasis Nachal Oz entfĂŒhrt worden, als Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen ihren TerrorĂŒberfall in Israel begannen und ein Massaker anrichteten. Eine der entfĂŒhrten Soldatinnen wurde nach 23 Tagen gerettet, eine andere wurde in Gefangenschaft ermordet. 

SpĂ€herinnen an der Grenze zum Gazastreifen hatten Medienberichten zufolge vor dem Angriff der Hamas immer wieder vergeblich vor verdĂ€chtigen VorgĂ€ngen in dem KĂŒstenstreifen gewarnt. Bei dem Überfall waren rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 als Geiseln verschleppt worden. Es war der Auslöser des Krieges im Gazastreifen, wo seither laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 47.100 Menschen getötet wurden. 

Laut der Waffenruhe-Vereinbarung hĂ€tte eigentlich eine noch lebende Zivilistin vor den Soldatinnen zur Freilassung bestimmt werden mĂŒssen. Die Frau werde von einer Gruppe des mit der Hamas verbĂŒndeten PalĂ€stinensischen Islamischen Dschihad gefangen gehalten und habe von der Hamas bislang nicht ĂŒbernommen werden können, hieß es in Medienberichten. Israels MinisterprĂ€sident Netanjahu habe aber entschieden, wegen dieser eher geringfĂŒgigen Verletzung der Waffenruhe-Vereinbarung die heute geplante Geiselfreilassung nicht scheitern zu lassen, berichtete die «Times of Israel».

RĂŒckkehr Vertriebener in den Norden Gazas soll anlaufen 

Vergangenes Wochenende hatte die Hamas die erste Geisel-Liste verspĂ€tet ĂŒberreicht und damit den Beginn der sechswöchigen Waffenruhe am Sonntag um Stunden verzögert. Damals kamen drei verschleppte israelische Zivilistinnen frei. Im Austausch entließ Israel 90 PalĂ€stinenser aus der Haft. Die Hamas verpflichtete sich laut Medienberichten, Israel heute Informationen ĂŒber den Zustand der restlichen Geiseln zu liefern. Im Zuge der ersten Phase des Waffenruhe-Abkommens sollen insgesamt 33 Geiseln freikommen. Laut der israelischen Nachrichenseite «ynet» dĂŒrften acht von ihnen nicht mehr leben.

Israel wiederum soll laut dem Abkommen ab heute vertriebenen PalĂ€stinensern erlauben, zu Fuß aus dem SĂŒden des abgeriegelten KĂŒstenstreifens in ihre Wohnorte im zerstörten Norden zurĂŒckzukehren. Zwei US-Sicherheitsfirmen sowie eine dem Ă€gyptischen Geheimdienst angegliederte Sicherheitsfirma sollen laut dem «Wall Street Journal» die RĂŒckkehrer dabei auf Waffen kontrollieren. Die Sicherheitsfirmen sollen dabei am Netzarim-Korridor kontrollieren, der den Gazastreifen sĂŒdlich von Gaza-Stadt in zwei HĂ€lften teilt. 

Wird die Waffenruhe im Libanon verlÀngert? 

Die USA hatten mit Katar und Ägypten monatelang zwischen Israel und Hamas vermittelt, bis schließlich der Durchbruch fĂŒr die Waffenruhe gelang. Die USA gehören außerdem zu einer Gruppe von LĂ€ndern, die die Einhaltung der Ende November vereinbarten Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon ĂŒberwachen soll. Demnach sollte Israels Armee eigentlich bis Sonntag abziehen. Die Hisbollah wiederum soll sich hinter den Litani-Fluss, etwa 30 Kilometer nördlich der Landesgrenze, zurĂŒckziehen. Libanons Armee soll die Einhaltung des Deals ĂŒberwachen und eine RĂŒckkehr der Miliz verhindern. 

Der Libanon habe seinen Teil der Vereinbarung jedoch bisher nicht vollstĂ€ndig umgesetzt, teilte das BĂŒro des israelischen MinisterprĂ€sidenten Netanjahu mit. Das Abkommen sei so formuliert, dass eine VerlĂ€ngerung fĂŒr den Abzug der israelischen Armee möglich sei. Alle Parteien teilten das Ziel, sicherzustellen, dass die Hisbollah das libanesische Volk oder seine Nachbarn nicht weiter bedrohe, sagte ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats des Weißen Hauses der Deutschen Presse-Agentur. Daher sei eine kurze, vorĂŒbergehende VerlĂ€ngerung der Waffenruhe «dringend erforderlich.» Das Weiße Haus arbeite mit den Partnern in der Region zusammen, um eine VerlĂ€ngerung zu erreichen.

@ dpa.de