Migranten, Kanaren

Mehr als 1.700 Migranten auf Kanaren angekommen

29.12.2024 - 10:47:24

Die Kanarischen Inseln liegen nĂ€her an Westafrikas KĂŒste als am spanischen Festland. Das macht sie zu einem Etappenziel auf dem Weg nach Europa. Die Insulaner fĂŒhlen sich alleingelassen.

Auf den zu Spanien gehörenden Kanarischen Inseln sind ĂŒber Weihnachten Medienberichten zufolge mehr als 1.700 Migranten irregulĂ€r angekommen. Mehr als 500 Menschen hĂ€tten unter anderem vor Lanzarote aus Seenot gerettet werden mĂŒssen, berichtete der spanische Staatssender RTVE. 

Im Laufe des Jahres erreichten mehr als 45.000 Menschen die Inselgruppe auf dieser Atlantikroute, die als eine der tödlichsten Migrationsrouten gelte, schrieb die Zeitung «El Mundo» unter Berufung auf die Vertretung der spanischen Zentralregierung auf den Kanaren.

2024 besonders viele Boote aus Mauretanien 

In den vier Tagen zwischen Heiligabend und Samstag seien 28 Boote auf Gran Canaria, Lanzarote und El Hierro angekommen, so «El Mundo» weiter. Die Zahl der HerkunftslĂ€nder der Menschen werde immer grĂ¶ĂŸer, da es auf dem afrikanischen Kontinent immer mehr Konflikte wie etwa im Tschad gebe, sagte eine Ärztin der Organisation Ärzte ohne Grenzen RTVE. Die spanische Hilfsorganisation Caminando Fronteras hat eigenen Angaben nach beobachtet, dass 2024 verstĂ€rkt Boote von Mauretaniens KĂŒste ablegten.

GeschÀtzt fast 10.000 Menschen ertrunken 

Die Kanarischen Inseln liegen nĂ€her an der KĂŒste Westafrikas als das europĂ€ische Festland. Die Lage lĂ€sst sie greifbar nah erscheinen fĂŒr Menschen, die einen Weg in die EU suchen - und möglicherweise auch in andere europĂ€ische LĂ€nder. Nach SchĂ€tzungen von Caminando Fronteras starben dieses Jahr allein auf dieser Migrationsroute mehr als 9.700 Menschen, darunter auch Kinder und Jugendliche. Viele Bewohner der Kanarischen Inseln und die Regionalregierung sehen sich von den vielen AnkĂŒnften ĂŒberfordert. 

Auch gibt es Kritik, die Zentralregierung in Madrid lasse sie bei Versorgung, Unterbringung und Verteilung der Menschen auf andere spanische Regionen im Stich. Erst kĂŒrzlich forderte der Regierungschef der Kanaren, Fernando Clavijo, vom neuen EU-Kommissar fĂŒr Migration, Magnus Brunner, die Inselgruppe bei der Vergabe der EU-Mittel zur Umsetzung des Asylpaktes zu priorisieren. Zudem lud er Brunner ein, sich die Lage vor Ort einmal anzuschauen.

@ dpa.de