UN beklagen Tausende getötete Kinder im Gazastreifen
25.10.2023 - 05:44:16Dem Krieg zwischen Israel und den islamistischen Hamas-Angreifern im Gazastreifen fallen immer mehr Zivilisten zum Opfer - darunter nach UN-Angaben viele Kinder. Seit den Terrorangriffen der Hamas in Israel vor gut zwei Wochen starben bei Israels GegenschlĂ€gen nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks allein 2360 Kinder. 5364 weitere seien verletzt worden, teilte Unicef am frĂŒhen Morgen unter Berufung auf nicht genannte Berichte mit.
Eine israelkritische ĂuĂerung von UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres sorgte derweil fĂŒr verschĂ€rfte Spannungen zwischen ihm und Israel. Deutschlands AuĂenministerin Annalena Baerbock hob vor dem Weltsicherheitsrat Israels Recht auf Selbstverteidigung hervor - mahnte Israel aber auch zur Einhaltung des humanitĂ€ren Völkerrechts.
Erneut Raketenalarm in Israel
Unterdessen fĂŒhrte die israelische Luftwaffe nach eigenen Angaben weitere GegenschlĂ€ge im Gazastreifen aus. Seit Kriegsbeginn wurden auch aus dem Gazastreifen wiederholt Raketen abgefeuert. WĂ€hrend es in Tel Aviv seit Tagen ruhig war, meldete das israelische MilitĂ€r in der Nacht im Grenzgebiet erneut Raketenalarm.
MilitÀr: Hamas-Terroristen wollten wieder nach Israel
Zuvor hatte die Hamas nach Angaben des israelischen MilitĂ€rs versucht, vom Gazastreifen aus erneut nach Israel einzudringen. Man habe einen Versuch von Hamas-Terroristen vereitelt, vom Meer aus in den SĂŒden Israels zu gelangen, hieĂ es in der Nacht. Sie seien dabei gewesen, einen Tunnel an der KĂŒste der abgeriegelten Enklave zu verlassen. Israels Luftwaffe bombardierte darauf den Tunnel und ein Waffenlager der Terroristen, teilte das MilitĂ€r weiter mit.
Israel antwortet auch auf Beschuss aus Syrien
Unterdessen attackierte die israelische Armee auch im benachbarten Syrien militĂ€rische Stellungen. Wie das israelische MilitĂ€r am Mittwochmorgen bekanntgab, flogen Kampfflugzeuge Angriffe gegen militĂ€rische Infrastruktur und MörsergeschĂŒtze der syrischen Armee, nachdem am Vortag Richtung Israel gefeuert worden sei. Israels Luftwaffe bombardiert immer wieder Ziele im benachbarten Syrien.
Israel will damit verhindern, dass sein Erzfeind Iran und mit ihm verbĂŒndete Milizen ihren militĂ€rischen Einfluss in Syrien ausweiten. Der Iran ist einer der wichtigsten VerbĂŒndeten Syriens. Die Angriffe der israelischen Luftwaffe haben sich seit Beginn des Krieges gegen die vom Iran unterstĂŒtzte islamistische Hamas ausgeweitet.
Terroristen im Auftrag der im Gazastreifen herrschenden Hamas hatten am 7. Oktober in Israel ein Massaker unter Zivilisten angerichtet. Mehr als 1400 Menschen kamen dabei und in den folgenden Tagen ums Leben. Mindestens 222 weitere Menschen wurden laut Israels Armee gewaltsam in den Gazastreifen verschleppt, darunter mehrere Deutsche. Vier Geiseln kamen inzwischen frei. Die Hamas will weitere Geiseln nach eigener Darstellung erst freilassen, wenn Israel die Lieferung von Treibstoff und Arzneimitteln in den Gazastreifen erlaubt.
UN fordern weiter Treibstoff fĂŒr Gaza
Die Vereinten Nationen beklagen, dass die Lage der eine Million Binnenvertriebenen im Gazastreifen trotz einiger inzwischen in Gaza angekommenen Hilfslieferungen weiter dramatisch sei. Treibstoffmangel gefĂ€hrde einen humanitĂ€ren Einsatz ĂŒber den heutigen Mittwoch hinaus. Unicef sprach von «unerbittlichen Angriffen» der Israelis. UN-GeneralsekretĂ€r Guterres verurteilte beim Weltsicherheitsrat zwar die Terrorangriffe der Hamas auf Israel erneut auf das SchĂ€rfste, kritisierte aber zugleich Israel Angriffe und sprach von «eindeutigen VerstöĂen gegen das humanitĂ€re Völkerrecht». Israels UN-Botschafter Gilad Erdan forderte daraufhin erbost Guterres zum RĂŒcktritt auf.
«Der Kampf richtet sich gegen die Hamas und nicht gegen Zivilisten. Deshalb ist es fĂŒr uns von entscheidender Bedeutung, dass dieser Kampf im Einklang mit dem humanitĂ€ren Recht und mit gröĂtmöglicher RĂŒcksichtnahme auf die Zivilbevölkerung in Gaza gefĂŒhrt wird», sagte derweil Baerbock bei der Sitzung des UN-Sicherheitsrats gestern in New York. Das Leben aller Zivilisten sei in gleichem MaĂe wichtig.
PalÀstinenser: Rund 700 Tote an einem Tag
Zuletzt seien im Gazastreifen innerhalb nur eines Tages rund 700 PalĂ€stinenser getötet worden, teilte das UN-NothilfebĂŒro Ocha in der Nacht unter Berufung auf die Gesundheitsbehörde im Gazastreifen mit, die von der Hamas kontrolliert wird. Dies sei die bisher höchste an einem Tag zu beklagende Opferzahl seit Beginn des Kriegs.
Insgesamt seien bis gestern 5791 PalĂ€stinenser ums Leben gekommen. 2360 seien Kinder und Jugendliche - dieselbe Zahl, die auch Unicef nannte. UnabhĂ€ngig lĂ€sst sich dies derzeit nicht ĂŒberprĂŒfen. Angesichts der notleidenden Bevölkerung bekrĂ€ftigte Baerbock ihren Ruf nach Kampfpausen in Gaza - es brauche «humanitĂ€re Fenster».
USA arbeiten an Notfallplan fĂŒr Landsleute
Die US-Regierung arbeitet unterdessen fĂŒr den Fall einer Ausweitung des Konflikts an NotfallplĂ€nen, um nötigenfalls im groĂen Stil Amerikaner aus der Region herauszubringen. Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby, sagte gestern in Washington: «Es wĂ€re unklug und unverantwortlich, wenn wir nicht eine breite Palette von EventualitĂ€ten und Möglichkeiten durchdenken wĂŒrden - und Evakuierungen gehören sicherlich dazu.» Auf Details könne er nicht genauer eingehen, sagte Kirby. Er betonte aber, es gehe um eine umsichtige Vorbereitung auf mögliche Entwicklungen.
Was heute wichtig wird
Die Lage im Gazastreifen ist weiterhin katastrophal. Die UN fordern eine deutliche Erhöhung der Hilfslieferungen. Derweil bereitet Israels MilitÀr weiter eine Bodenoffensive vor. Einem US-Medienbericht zufolge soll sich Israel jedoch bereit erklÀrt haben, sie zu verschieben.


