Niger: Ultimatum lÀuft aus - Ecowas erwÀgt MilitÀreinsatz
05.08.2023 - 05:32:45Nach einem MilitĂ€rputsch im Niger blieb die Lage in der Nacht weiter angespannt. Die MilitĂ€rchefs der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas haben nach Angaben des französischen Senders RFI einen Plan fĂŒr eine mögliche militĂ€rische Intervention als Antwort auf den Putsch im Niger entworfen.
Die Empfehlung enthalte «alle Elemente einer möglichen Intervention, einschlieĂlich der benötigten Ressourcen, aber auch wie und wann wir die Truppe einsetzen werden», wurde Ecowas-Kommissar fĂŒr politische Angelegenheiten, Frieden und Sicherheit, Abdel-Fatau Musah, am Ende eines dreitĂ€gigen Treffens der MilitĂ€rchefs in Nigerias Hauptstadt Abuja zitiert. Die Ecowas-Staatschefs wollen anhand der Empfehlung ĂŒber ihr weiteres Vorgehen im Niger entscheiden.
MilitÀrisches Eingreifen nicht ausgeschlossen
Wenige Stunden zuvor hatte Nigerias PrĂ€sident, Bola Tinubu, Medienberichten zufolge den Senat seines Landes um Zustimmung fĂŒr ein militĂ€risches Eingreifen im Niger gebeten. Tinubu, der auch der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas vorsitzt, habe fĂŒr «die militĂ€rische AufrĂŒstung und den Einsatz von Personal fĂŒr militĂ€rische Interventionen» plĂ€diert, sollten sich die neuen Machthaber im Niger nicht auf Verhandlungen einlassen, hieĂ es.
Die Ecowas hatte den MilitĂ€rmachthabern am vergangenen Sonntag ein siebentĂ€giges Ultimatum gestellt und die neue Junta aufgefordert, den festgesetzten PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum wieder einzusetzen. Andernfalls werde die Staatengemeinschaft MaĂnahmen ergreifen, die auch Gewalt beinhalten könnten, hieĂ es.
Die Ecowas hat bereits in der Vergangenheit mehrfach militĂ€rische Eingreiftruppen aufgestellt. In den 90er Jahren intervenierten diese beispielsweise in BĂŒrgerkriegen in Liberia, Sierra Leone und Guinea-Bissau. Auch als die ElfenbeinkĂŒste 2002 durch einen MilitĂ€rputsch destabilisiert wurde, stellte die Ecowas eine Eingreiftruppe zusammen. MilitĂ€rische Ecowas-Operationen erfolgten bislang jedoch immer auf Einladung der betroffenen Regierung. Ein MilitĂ€reinsatz im Niger wĂ€re die erste Operation, die von der Staatengemeinschaft gegen den Willen einer Regierung - oder in diesem Fall der neuen MilitĂ€rmachthaber - entschieden wĂŒrde.
Verfassung auĂer Kraft gesetzt
Im Niger hatten Offiziere der PrĂ€sidialgarde am 26. Juli den demokratisch gewĂ€hlten Bazoum fĂŒr entmachtet erklĂ€rt. Der Kommandeur der Eliteeinheit, General Abdourahamane Tiani, ernannte sich im Anschluss zum neuen Machthaber. Kurz nach Tianis MachtĂŒbernahme setzten die Putschisten die Verfassung auĂer Kraft und lösten alle verfassungsmĂ€Ăigen Institutionen auf.
Am Donnerstag hatte eine Ecowas-Vermittlermission laut Medienberichten bereits ohne ein Treffen mit Tiani aus Nigers Hauptstadt Niamey abreisen mĂŒssen.
Das AuswĂ€rtige Amt ging am Freitag davon aus, dass alle ausreisewilligen Deutschen die Möglichkeit hatten, das westafrikanische Land zu verlassen. Demnach hĂ€tten 60 StaatsbĂŒrger die vor allem von Frankreich angebotenen EvakuierungsflĂŒge genutzt. Gleichzeitig kĂŒndigten die Machthaber im Niger ein Ende der MilitĂ€rkooperation mit der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich an. Die Kooperation solle binnen eines Monats enden, hieĂ es in einer ErklĂ€rung der Junta im nationalen Fernsehen.
Französische Soldaten bleiben im Land
Frankreich will nach dem Putsch im Niger sein MilitĂ€r in dem westafrikanischen Land lassen. Ein möglicher Abzug der Soldaten stĂŒnde nicht auf der Tagesordnung, sagte die französische AuĂenministerin Catherine Colonna dem Radiosender «France Info». Frankreich hat dort mehr als 1000 Soldaten stationiert, unter anderem zur BekĂ€mpfung islamistischer Terrormilizen in der Sahelzone.
Die Lage fĂŒr die französischen StreitkrĂ€fte sei ruhig, prĂ€zisierte Colonna. Staatsstreiche seien nicht mehr angemessen, es sei an der Zeit, ihnen ein Ende zu setzen, erklĂ€rte sie weiter.





