Fall der wichtigen Stadt El Fascher im Sudan droht
26.10.2025 - 13:33:31Im Sudan rĂŒckt die paramilitĂ€rische Gruppe RSF in die letzte von der Regierung kontrollierte GroĂstadt im SĂŒdwesten des Landes vor. Die Miliz teilte am Sonntagmorgen mit, sie kontrolliere nun die Stadt El Fascher, nachdem sie zuvor das Hauptquartier der dort Armee eingenommen habe. Die Armee Ă€uĂerte sich zunĂ€chst nicht. Die Hauptstadt des Bundesstaats Nord Darfur ist seit anderthalb Jahren belagert.Â
Noch am Samstagmorgen hatte die Armee nach eigenen Angaben zwei schwere Angriffe abgewehrt. Dabei seien zahlreiche KĂ€mpfer der Miliz getötet und verletzt worden, teilte die in El Fascher stationierte sechste Infanteriedivision mit. Keine der Angaben lieĂ sich zunĂ€chst unabhĂ€ngig bestĂ€tigen.Â
El Fascher ist die letzte Stadt unter Regierungskontrolle in der Region Darfur, die in dem seit zweieinhalb Jahren andauernden Konflikt fast vollstÀndig von der Miliz eingenommen worden ist. In der Stadt leben nach UN-SchÀtzungen noch bis zu 300.000 Menschen unter Bedingungen, die von Helfern als humanitÀre Katastrophe bezeichnet werden.
Eine Mitarbeiterin einer internationalen Hilfsorganisation sagte der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag, man habe Videos von aus der Stadt fliehenden Zivilisten erhalten. Jedoch habe man alle Verbindungen zu den Kontakten in der Stadt verloren.Â
Tötungen, Folter und Vergewaltigungen befĂŒrchtet
Gelingt der Paramiliz die Einnahme der Stadt, werden schwere Gewalttaten, Tötungen, Folter und Vergewaltigungen sowie ethnische SĂ€uberungen wie in den zuvor eingenommenen Teilen Darfurs befĂŒrchtet.Â
Im Sudan herrscht seit April 2023 ein blutiger Machtkampf zwischen De-facto-Machthaber Abdel-Fattah al-Burhan und seinem einstigen Stellvertreter Mohamed Hamdan Daglo, der die RSF kommandiert. Die Miliz ist aus arabischen Reitermilizen hervorgegangen, denen â damals gemeinsam mit der sudanesischen Armee - vor gut 20 Jahren ein Genozid an der ethnisch-afrikanischen Bevölkerung in Darfur mit bis zu 300.000 Toten vorgeworfen wird.
WĂ€hrend die Armee zwischenzeitlich die Hauptstadt Khartum zurĂŒckerobern konnte, haben die RSF ihre Kontrolle ĂŒber die Region Darfur an der Grenze zum Tschad verfestigt. Beobachter fĂŒrchten eine dauerhafte Spaltung des Landes.
Belastbare Opferzahlen gibt es nicht, nach einer von den USA zitierten SchĂ€tzung könnten bis zu 150.000 Menschen ums Leben gekommen sein. Die UN beschreiben die Lage in dem Land als die gröĂte humanitĂ€re Krise der Welt. Mehr als zwölf Millionen Menschen sind auf der Flucht. Mehr als 26 Millionen Menschen, etwa die HĂ€lfte der Bevölkerung, sind von Hunger bedroht.


