Biden, Liste

Biden und Xi kommen sich wieder nÀher

16.11.2023 - 17:41:20

Die Liste an Streitthemen zwischen den USA und China ist lang. Nun unternahmen Biden und Xi einen neuen Anlauf, um sich wieder etwas anzunÀhern. Doch nicht zu nah.

Die USA und China wollen ihre angespannten Beziehungen stabilisieren und nehmen nach lÀngerer Funkstille die Kommunikation zwischen ihren StreitkrÀften wieder auf.

US-PrĂ€sident Joe Biden und Chinas Staatschef Xi Jinping kamen in der NĂ€he der US-Metropole San Francisco zu ihrem ersten persönlichen Austausch seit einem Jahr zusammen - das Krisentreffen dauerte mehr als vier Stunden. Biden und Xi schlugen danach betont versöhnliche Töne an. Biden sagte, die GesprĂ€che gehörten zu den «konstruktivsten und produktivsten», die er mit Xi gehabt habe. Sie hĂ€tten auch vereinbart, ihre direkte Kommunikation wiederzubeleben. Der US-PrĂ€sident machte gleichzeitig deutlich, dass er Xi weiter fĂŒr einen «Diktator» halte - was in Peking auf Kritik stieß.

Die chinesische Regierung wies Bidens Diktatoren-Aussage umgehend zurĂŒck. Außenamtssprecherin Mao Ning sagte in Peking, die Aussage sei «extrem falsch» und stelle eine «unverantwortliche politische Manipulation» dar. Chinesische Staatsmedien griffen diese Äußerung Bidens aber nicht auf, was als Zeichen gewertet wird, dass Peking die Angelegenheit nicht zu hoch hĂ€ngen will, um die gerade eingeschlagene AnnĂ€herung nicht zu gefĂ€hrden.

Xi selbst sagte nach dem Treffen bei einem Abendessen mit Wirtschafts- und Regierungsvertretern in San Francisco, China sei bereit, «ein Partner und Freund» der Vereinigten Staaten zu sein. Er warnte vor den Folgen eines geopolitischen KrĂ€ftemessens beider Staaten. Wenn ein Land das andere als grĂ¶ĂŸte geopolitische Herausforderung betrachte, wĂŒrde dies «nur zu falschen politischen Entscheidungen, fehlgeleiteten Handlungen und unerwĂŒnschten Ergebnissen fĂŒhren». Auch der chinesische Außenminister Wang Yi wertete das Treffen der beiden Staatschefs als «sehr gut, umfassend und intensiv».

Mehr Austausch nach Funkstille

Das VerhĂ€ltnis zwischen den beiden grĂ¶ĂŸten Volkswirtschaften der Welt ist seit langem sehr angespannt, unter anderem nach wirtschaftlichen Sanktionen gegen Peking, einer SpionageaffĂ€re und BefĂŒrchtungen im Westen, Chinas Armee könnte in Taiwan einmarschieren. Das lang erwartete Treffen am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) sollte dazu dienen, die Beziehungen beider LĂ€nder wieder in stabile Bahnen zu lenken. Zuletzt hatten sich Biden und Xi beim G20-Gipfel im November 2022 auf der Insel Bali gesehen. Seitdem hatten sie nicht mehr miteinander gesprochen.

Die Vereinten Nationen begrĂŒĂŸten das Treffen. «Wir wissen, dass eine Reihe wichtiger Themen in die richtige Richtung bewegt wurden», sagte Sprecher Stephane Dujarric. Der Dialog mĂŒsse weitergefĂŒhrt werden. UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres hatte wiederholt vor einer Spaltung der Welt in zwei Lager gewarnt.

Um Spannungen aller Art kĂŒnftig direkt zu bereden, sagten die PrĂ€sidenten nach Angaben von Biden zu, kĂŒnftig eher zum Telefonhörer zu greifen, wenn sich eine Krise entwickele. «PrĂ€sident Xi und ich haben vereinbart, dass jeder von uns den Hörer abnimmt.»

Wiederaufnahme der MilitÀrkommunikation

Das wichtigste Ergebnis des Treffens dĂŒrfte sein, dass China und die USA auch die direkte MilitĂ€r-Kommunikation wieder aufnehmen wollen. Der Schritt sei von «entscheidender Bedeutung», sagte Biden. Ohne Austausch könne es zu UnfĂ€llen und MissverstĂ€ndnissen kommen. Geplant sei nun unter anderem, dass US-Verteidigungsminister Lloyd Austin seinen Amtskollegen treffen werde, hieß es aus dem Weißen Haus. Außerdem solle es GesprĂ€che ranghoher militĂ€rischer FĂŒhrungspersonen beider LĂ€nder geben. Die US-Regierung hatte in den vergangenen Monaten mehrfach beklagt, dass die direkte MilitĂ€r-Kommunikation mit China nicht funktioniere und dies zu gefĂ€hrlichen MissverstĂ€ndnissen und Fehlkalkulationen fĂŒhren könnte. Peking hatte etwa mehrfach GesprĂ€chswĂŒnsche auf Ebene der Verteidigungsminister ausgeschlagen.

Kampf gegen Fentanyl

Im Kampf gegen die Einfuhr der tödlichen Droge Fentanyl in die USA sicherte sich Biden außerdem mehr UnterstĂŒtzung aus China. Biden und Xi vereinbarten Maßnahmen gegen die Ausfuhr von Bestandteilen fĂŒr die Produktion des Opioids aus China. Die Droge sei die Todesursache Nummer eins fĂŒr Menschen zwischen 18 und 49 Jahren in den USA, betonte der US-PrĂ€sident. Nach Angaben von US-Behörden starben durch eine Überdosis synthetischer Opioide - vor allem Fentanyl - allein im Jahr 2021 mehr als 70 000 Menschen. Die US-Regierung wirft China vor, eine entscheidende Rolle in der Drogen-Epidemie Amerikas zu spielen. FĂŒr den Demokraten Biden, der im November 2024 zur Wiederwahl antritt, ist die Vereinbarung ein innenpolitischer Erfolg. Die Drogenkrise bewegt die Menschen im Land und die Republikaner hatten in den vergangenen Monaten Druck auf den PrĂ€sidenten gemacht, in der Frage eine hĂ€rtere Gangart gegenĂŒber China einzuschlagen.

Der Konflikt um Taiwan bleibt

Großes Konfliktpotenzial zwischen Washington und Peking birgt weiter Taiwan. Die Inselrepublik, die nur durch eine Meerenge von China getrennt wird, hat seit Jahrzehnten eine demokratische Regierung. China sieht das Land mit mehr als 23 Millionen Einwohnern jedoch als Teil seines Territoriums an. Das Gebiet ist immer wieder Schauplatz militĂ€rischer Machtdemonstrationen. Biden betonte in dem GesprĂ€ch mit Xi dem Weißen Haus zufolge, dass die USA jede einseitige Änderung des Status quo durch eine der beiden Seiten ablehnten und erwarteten, dass die Differenzen mit friedlichen Mitteln gelöst wĂŒrden. Der US-PrĂ€sident habe China zur ZurĂŒckhaltung bei ihren militĂ€rischen AktivitĂ€ten in und um die Straße von Taiwan aufgefordert.

Xi habe wĂ€hrend des GesprĂ€ches hingegen anhaltende Bedenken geĂ€ußert und angemerkt, dass das Thema Taiwan der grĂ¶ĂŸte und potenziell gefĂ€hrlichste Konflikt in den Beziehungen zwischen den USA und China sei, berichteten Journalisten unter Berufung auf einen US-Regierungsvertreter. Xi habe sich fĂŒr eine friedliche Wiedervereinigung ausgesprochen - aber auch ĂŒber Bedingungen geredet, die den Einsatz von Gewalt ermöglichten.

In einer Mitteilung Pekings hieß es, Xi habe die US-Regierung dazu aufgefordert, die Bewaffnung Taiwans einzustellen und dessen UnabhĂ€ngigkeit nicht zu unterstĂŒtzen. Zudem habe Xi gesagt, dass China eine Wiedervereinigung «unaufhaltsam» realisieren werde.

@ dpa.de