Aktivisten, OppositionskrÀfte

Aktivisten: OppositionskrÀfte umzingeln Orte vor Damaskus

07.12.2024 - 15:36:37

Die Macht von Syriens Staatschef Baschar al-Assad gerĂ€t zunehmend ins Wanken. OppositionskrĂ€fte bewegen sich im Umland von Damaskus. FĂŒr Assad und seine UnterstĂŒtzer steht einiges auf dem Spiel.

Syrische OppositionskrĂ€fte haben Aktivisten zufolge bereits Orte im Umland der Hauptstadt Damaskus umstellt. WĂ€hrend sich die Regierungstruppen nach eigenen Angaben «neu positionieren», verzeichnen die AufstĂ€ndischen auch im SĂŒden des Landes und an der Grenze zu Israel weitere Gebietsgewinne. Syriens Staatschef Baschar al-Assad gerĂ€t damit immer weiter unter Druck. 

Vergangene Woche flammte der BĂŒrgerkrieg in Syrien mit einer Rebellen-Offensive unter der FĂŒhrung der islamistischen Gruppe Haiat Tahrir al-Scham (HTS) plötzlich wieder auf. In kĂŒrzester Zeit nahm die Gruppe viele Gebiete teils kampflos ein. Ziel der AufstĂ€ndischen ist es, die Regierung in Damaskus zu stĂŒrzen.

Der Konflikt hatte 2011 mit Protesten gegen die Regierung Assads begonnen. SicherheitskrĂ€fte gingen dagegen mit harter Hand vor. Die Gewaltspirale mĂŒndete in einen BĂŒrgerkrieg mit internationaler Beteiligung, in dem Russland, der Iran, die TĂŒrkei und die USA eigene Interessen verfolgen. Rund 14 Millionen Menschen wurden vertrieben. Nach UN-SchĂ€tzungen kamen bisher mehr als 300.000 Zivilisten ums Leben. Eine politische Lösung ist seit Jahren nicht in Sicht. 

Soldaten rĂŒcken von Posten bei Damaskus ab

Soldaten der syrischen Regierung haben nach Angaben von Aktivisten Posten in der NĂ€he der Hauptstadt Damaskus verlassen. Die Regierungstruppen hĂ€tten sich aus dem Ort Artuz, etwa 15 Kilometer sĂŒdwestlich von Damaskus, zurĂŒckgezogen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte mit. Das MilitĂ€r Ă€ußerte sich zunĂ€chst nicht.

Lokale OppositionskrĂ€fte, die sich der Rebellen-Offensive angeschlossen haben, hĂ€tten mehrere Dörfer in der Umgebung umzingelt, hieß es weiter. Eines ihrer Ziele sei, Gefangene aus einem MilitĂ€rgefĂ€ngnis nördlich von Damaskus zu befreien. Die Beobachtungsstelle mit Sitz in Großbritannien bezieht ihre Informationen von Informanten vor Ort.

SymboltrÀchtige Stadt Daraa unter Kontrolle von OppositionskrÀften

Zuvor hatte sich das syrische MilitĂ€r bereits aus Daraa und Suweida im SĂŒdwesten des Landes zurĂŒckgezogen. Die syrische Staatsagentur Sana berichtete unter Berufung auf das MilitĂ€r, die Regierungstruppen wĂŒrden sich neu positionieren, nachdem «terroristische Elemente» Kontrollpunkte der Armee angegriffen hĂ€tten.

Nach Angaben der Beobachtungsstelle steht die Provinz Daraa mittlerweile vollstÀndig unter der Kontrolle von lokalen OppositionskrÀften. Sie hÀtten auch die angrenzende Provinz Suweida fast vollstÀndig unter ihre Kontrolle gebracht. 

In der Stadt Daraa brachen im MĂ€rz 2011 die ersten syrischen Proteste aus.

Bisher kein weiteres VorrĂŒcken auf Homs

In die strategisch wichtige Stadt Homs konnten die AufstĂ€ndischen nach Angaben der Beobachtungsstelle bisher nicht weiter vorrĂŒcken. Es mangle womöglich an militĂ€rischer AusrĂŒstung oder TruppenstĂ€rke. Bisher war nicht klar, ob die Rebellen-Allianz genĂŒgend KĂ€mpfer hat, um Homs mit seinen etwa 1,4 Millionen Einwohnern einzunehmen. 

Die Regierungstruppen seien weiterhin im Umland der drittgrĂ¶ĂŸten Stadt Syriens stationiert und griffen von dort weiter Stellungen der Rebellen an, hieß es weiter. Die Truppen seien massiv verstĂ€rkt worden. 

Iran dementiert Evakuierung von Diplomaten aus Syrien

Der Iran wies unterdessen Berichte als falsch zurĂŒck, wonach Diplomaten bereits aus Syrien abgezogen worden seien. Die Botschaft in Damaskus werde operativ bleiben und ihre Arbeit wie gewohnt fortsetzen, sagte Außenamtssprecher Ismail Baghai laut Internetportal Iran Nuances.

Die «New York Times» hatte berichtet, dass iranische Diplomaten und MilitĂ€rberater Syrien verlassen hĂ€tten. Der Außenamtssprecher hatte letzte Woche gesagt, dass die iranischen Diplomaten und MilitĂ€rs in Syrien blieben und Staatschef Baschar al-Assad bis zum Ende unterstĂŒtzten.

Die Aussagen Baghais stießen in Teheran auf Skepsis. Demnach gehen Beobachter davon aus, dass eine Evakuierung der Diplomaten bereits abgeschlossen sei, um sie vorsorglich in Sicherheit zu bringen.

Israel schickt mehr Soldaten an Grenze zu Syrien

Die israelische Armee verstĂ€rkte angesichts des Vormarsches syrischer Rebellen auch in unmittelbarer NĂ€he der Grenze zu Israel seine Truppen auf den Golanhöhen. «Entsprechend der Lagebeurteilung beruft die IDF zusĂ€tzliche KrĂ€fte fĂŒr Verteidigungsaufgaben in der Region der Golanhöhen an der israelisch-syrischen Grenze ein», teilte die Armee auf Telegram mit. Angaben zum Umfang der VerstĂ€rkungen machte die Armee auch auf Anfrage hin zunĂ€chst nicht. Es war bereits die zweite AnkĂŒndigung dieser Art binnen 24 Stunden.

Israel reagierte damit auf den RĂŒckzug des syrischen MilitĂ€rs aus Daraa und Suweida im SĂŒdwesten Syriens. Die beiden StĂ€dte liegen nur wenige Kilometer östlich der Golanhöhen, die Israel im Sechstagekrieg 1967 erobert und 1981 annektiert hat. Vielen Staaten erkennen das nicht an.

@ dpa.de